Schwerkranker Orang-Utan-Botschafter protestiert gegen Spahn

Schwerkranker Orang-Utan-Botschafter protestiert gegen Spahn

Benni Over (29), unheilbar kranker Orang-Utan-Fan aus dem Westerwald, wirbt in Schulen für den Schutz der seltenen Menschenaffen - und protestiert gegen neue Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Dessen Gesetzentwurf zur Betreuung von Beatmungspatienten könne Betroffene zu Anträgen auf Ausnahmeregelungen und damit zu „unendlichen Kämpfen mit den Kassen“ zwingen, wenn sie nicht „zwanghaft in stationären Einrichtungen untergebracht“ werden wollten, erklärt Vater Klaus Over.

„Grundsätzlich finden wir es menschenverachtend, wenn ein behinderter Mensch und seine Familie nicht entscheiden können, wo der Betroffene wohnt“, ergänzt Klaus Over. Spahn sei schriftlich eingeladen worden, sich von Bennis erfolgreicher Betreuung zu Hause in Niederbreitbach im Westerwald ein Bild zu machen. Eine Antwort gebe es vorerst nicht.

Spahns Ministerium weist die Vorwürfe zurück. Nach den Plänen sollen Beatmungspatienten eine bessere Betreuung bekommen - in Pflegeheimen oder „Beatmungs-WGs“. Intensivpflege zu Hause soll die Ausnahme sein. Geplant ist zudem, dass Betroffene in Heimen weniger zuzahlen müssen.

Laut einem Ministeriumssprecher ist alles noch am Anfang der Beratung und Kritik willkommen. Die Zuzahlung für stationäre Intensivpflege seien vielen zu hoch. In der ambulanten Intensivpflege habe es auch „kriminelle Machenschaften“ gegeben. Und um Beatmungspatienten ohne 24-Stunden-Betreuung durch eine Pflegefachkraft gehe es gar nicht.

Klaus Over erklärt, Bennis zwölfstündige Betreuung mit Pflegerinnen pro Tag könnte sich bei einer Gesundheitsverschlechterung oder dem Ausfall eines unterstützenden Elternteils verlängern. Dann drohten nervenaufreibende Anträge, um Benni vor einem Heim zu bewahren. Der an voranschreitender Muskelschwäche leidende 29-Jährige hat bereits zwei Bücher und einen Trickfilm über Orang-Utans mitgestaltet.

Benni Overs Einsatz für Orang-Utans

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