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Schwierige Wahrheitsfindung

Schwierige Wahrheitsfindung

Seit beinahe sieben Monaten wird im Trierer Landgericht das zehn Jahre zurückliegende Gewaltverbrechen an einem Firmenchef aus der Eifel verhandelt. Und ein Ende des Prozesses gegen die vier Angeklagten ist nicht in Sicht.

Trier. War es ein Versuch des Vorsitzenden Richters Albrecht Keimburg, etwas Bewegung in das sich hinziehende Verfahren zu bringen? Oder wollte er einen Keil zwischen die Verteidiger treiben, wie eine Prozessbeobachterin mutmaßte?Kollektives Schweigen


Was den Vorsitzenden Richter am Mittwoch auch immer dazu bewogen haben mag, den Stand des Verfahrens zu erörtern - es scheint zunächst jedenfalls nicht viel gefruchtet zu haben. Denn die vier Angeklagten setzten ihr kollektives Schweigen fort - wie auch an allen 25 Verhandlungstagen zuvor. Seit Mitte Juni vergangenen Jahres wird gegen die Männer im Alter zwischen 29 bis 46 Jahren verhandelt, und 16 weitere Prozesstage bis Mitte März sind bereits terminiert. Ob das reicht, ist ungewiss. Sicher ist dafür, dass der zeitliche Abstand zum Tatgeschehen immer größer wird. Dabei ist es schon jetzt mehr als zehn Jahre her, dass die vier Angeklagten in Mehren (Vulkaneifelkreis) einen Geschäftsmann überfallen, brutal zusammengeschlagen und beraubt haben sollen. Das 54-jährige Opfer erlag später seinen schweren Verletzungen.
Zwar gerieten unmittelbar nach dem blutigen Geschehen einige Verdächtige ins Visier der Trierer Fahnder. Doch eine wirklich heiße Spur gab es erst, nachdem die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst" im Frühjahr 2014 über den Fall berichtet hatte und sich ein Zeuge meldete. Nach und nach wurden die jetzt auf der Anklagebank sitzenden Tatverdächtigen festgenommen. Sie sitzen seitdem in verschiedenen Gefängnissen in Untersuchungshaft.
Doch die Wahrheitsfindung in dem Fall gestaltet sich schwierig. Selbst Staatsanwalt Eric Samel hat zu Beginn des Prozesses eingeräumt, dass dies kein leichtes Verfahren werde: "Es gibt viele kleine Indizien, das macht die Sache nicht ganz einfach", sagte Samel am ersten Verhandlungstag.
25 Prozesstage und Dutzende Zeugenaussagen später scheint sich für die fünfköpfige Kammer immerhin abzuzeichnen, dass keiner der vier Männer völlig zu Unrecht auf der Anklagebank sitzt - "nach dem bisherigen Ergebnis der Beweisaufnahme", wie der Vorsitzende Richter Albrecht Keimburg unter Verweis auf die bis dato gehörten Zeugen einschränkt.
Demnach könnte derzeit nur der mit 31 Jahren zweitjüngste Angeklagte offenbar damit rechnen, mit einem blauen Auge davonzukommen. Der Grund: Der bei ihm derzeit in Rede stehende Diebstahl in einem besonders schweren Fall könnte verjährt sein. Dennoch stellten die Verteidiger des Angeklagten am Mittwoch keinen Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls.
Vielleicht folgt das in der kommenden Woche, wenn der Prozess am Trierer Landgericht fortgesetzt wird.