Sein Leben für die Wölfe ist zu Ende - Trauer um Tierforscher Werner Freund
Merzig · Der Herr der Wölfe ist tot: Wer ner Freund, Gründer und Leiter des Wolfsparks in Merzig, ist im Alter von 80 Jahren an Krebs ge storben. Sein Leben mitten unter Wölfen hat den Tierforscher weltbekannt gemacht.
Er hatte sich ge wünscht, noch lange bei seinen Wölfen sein zu kön nen. Vor ziemlich genau einem Jahr war das - in einem Gespräch mit der SZ zu seinem 80. Geburtstag. Er hat te diesen Wunsch mehr hingebrummt als ausgesprochen, das war seine Art - mit eher grimmi gem Gesichtsaus druck, aber einem kleinen Lächeln, das fast im grauen Bart verschwand. Sein großer Wunsch hat sich nicht er füllt. Am Sonntag ist Werner Freund gestorben. Kurz vor seinem 81. Geburts tag erlag der Gründer und Lei ter des Wolfsparks in Merzig ei nem kurzen, schweren Krebs leiden.
Die rund 20 Wölfe im Merzi ger Kammerforst haben ihren Oberwolf verloren. Als "obers tes Wolfstier" sah sich der enga gierte Tierforscher; die Be zeichnung "Alphawolf" ärgerte den Hessen, der in den 70er Jahren mit der Bundeswehr ins Saarland kam. Er sei doch nicht der Chef eines Rudels - wie ein Alphatier. Nein, er stand in sei nem Wolfspark über den Chefs, wurde von allen als "big boss" akzeptiert. Das funktionierte, weil Freund sich ihrer Ordnung und ihrem Leben anpasste. Das machte ihn weltberühmt. Fernsehteams reisten sogar aus Japan an, um den kauzig- symphatischen Mann im Parka in seinem Element zu sehen, den Tierschützer, der sein hal bes Leben mit Wölfen verbrach te. Der sie studierte, um sie zu verstehen. Der mit seiner Frau Erika Wolfsjunge aufzog und ih nen in Merzig einen geschütz ten Lebensraum gab. Der sich mit den Raubtieren auf dem Waldboden wälzte, sie von Mund zu Schnauze fütterte und ihnen nah kam, ohne sie zäh men zu wollen. Der Besucher durch den Park führte, ohne die Tiere zu Schauob jekten zu machen. Als Freund 1972 seinen ersten Wolf bekam, war er den Tieren gleich ver fallen. Damals war der Berufssoldat aus dem Allgäu nach Merzig ver setzt worden. Das Talent im Umgang mit Tieren hatte er da schon. Bei der Truppe hatte er sich um einen Bä ren als Maskott chen gekümmert. Als Gärtner im Stuttgarter Zoo war seine Tierliebe ab 1950 gereift.
Nicht nur Tiere, auch Welt reisen prägten Freunds Leben. 17 Expeditionen führten ihn zu Naturvölkern rund um den Glo bus. In seiner Wahlheimat Mer zig gründete der Globetrotter 1977 den Wolfspark, der jähr lich 100.000 Besucher hat. Für seine Verdienste um die Wölfe erhielt er 1995 den Saarländi schen Verdienstorden. Die Wölfe seien sein Leben, sagte Freund oft. Sie faszinier ten ihn, und dafür gab er viel. Kein Urlaub, keine Kinder, kein ruhiger Lebensabend - Freund und seine Frau lebten ihr An derssein mit Überzeugung. In ihrem Haus am Wolfspark hiel ten die Tiere sie jung, sagten sie. Nun hat der Park seinen Schöpfer verloren - und Merzig trauert. Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich (CDU) wür digte Freund gestern als "außer gewöhnliche Persönlichkeit. Ihn zusammen mit seinen Wöl fen zu sehen, war ein beeindru ckendes Ereignis." Auch Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld (CDU) zeigte sich betroffen. "Wir werden Werner Freund nie vergessen und sein Lebenswerk nach Kräften fortführen". Auch Heiko Maas, Bundesjustizminister und Chef der Saar-SPD, zeigte sich betroffen. "Werner Freund hat seinen Traum gelebt. Sein Vermächtnis wird bleiben." Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD) würdigte Freund auch als Botschafter der Natur und der Tiere. "Er hat unser Verständnis für den vermeint lich ,bösen‘ Wolf geweckt. Seine Liebe zu den Tieren wird uns in Erinnerung bleiben." Im Wald bei Merzig hat Wer ner Freund ein Lebenswerk hinterlassen. Er wird dort künf tig fehlt - kann nicht mehr bei seinen Wölfen sein. Merzig. Nach dem Tod von Gründer Werner Freund über nimmt künftig Tatjana Schnei der die Leitung des Merziger Wolfsparks. Die Tierpflegerin hatte Freund als Nachfolgerin aufgebaut. "Aufgrund ihrer Ausbildung sowie ihrer langjäh rigen, intensiven Zusammenar beit mit Werner Freund kann der ‚Wolfspark Werner Freund' zukünftig fortbestehen", teilte die Stadt Merzig gestern auf SZ- Anfrage mit.
Schneider hatte bereits seit 20 Jahren an der Seite von Wer ner Freund gearbeitet. Mit ihr sorgt sich weiterhin das einge spielte Park-Team um die Pflege der Wölfe. Das Personal hatte Werner Freund in den letzten Jahren zusammen mit der Stadt Merzig zusammengestellt. Da mit habe die Stadt schon früh zeitig "die Weichen" für die Zu kunft gestellt, hieß es. Auch In vestitionen in den Ausbau des Parks sollten den Fortbestand sichern. 2006 begann der Aus bau des Parks, der modernisiert wurde und neue Gehege bekam. Mittlerweile umfasst das Ge lände im Merziger Kammer forst rund 13 Hektar. kes/red