Sekt ist nicht gleich Sekt

Seit kurzem sind die Subventionen öffentlich, die Landwirte aus dem EU-Topf erhalten. Im Internet kann jeder nachschauen, wie viel Geld Bauern, Winzer und landwirtschaftliche Betriebe erhalten. Dabei fällt auf: Nicht alle Betriebe werden gleich behandelt. Während Winzergenossenschaften Zuschüsse erhalten, gehen gewerbliche Sektkellereien leer aus. Ein Beispiel aus Zell an der Mosel zeigt, wie undurchsichtig der Agrar-Dschungel ist.

 Kämpft dafür, dass Sektkellereien bei den Zuschüssen der EU gleich behandelt werden: Marcus Treis. TV-Foto: Bernd Wientjes

Kämpft dafür, dass Sektkellereien bei den Zuschüssen der EU gleich behandelt werden: Marcus Treis. TV-Foto: Bernd Wientjes

Zell. Marcus Treis ist sauer. Sauer darüber, dass er keine EU-Zuschüsse für seine Sektkellerei bekommt. Seit 2005 leitet der 42-Jährige das vor fast 200 Jahren gegründete Unternehmen in Zell (Kreis Cochem-Zell). Mit zwölf Mitarbeitern macht er aus dem Wein von über 100 Winzern aus der Umgebung Sekt und Perlwein. Den verperlten Wein, also künstlich hergestellten Sekt, der lange Zeit verpönt war und nun wieder zu einem Modegetränk geworden ist, verkauft er unter dem Namen Mosecco. Über eine Million Flaschen pro Jahr werden in dem historischen Gebäude am Moselufer im Zeller Stadtteil Merl hergestellt.

Um das Traditionsunternehmen auf den neuesten Stand zu bringen, hat Treis fast eine Million Euro investiert. "Ich musste Kredite aufnehmen, die natürlich zurückgezahlt werden müssen", sagt der Unternehmer. Marcus Treis jammert nicht, der Betrieb laufe gut. Auch prominente Kunden gehören zu den Abnehmern seines Sektes und Perlweins, den er zum Teil in originell gestaltete, farbige Flaschen abfüllt. Trotzdem ist Treis unzufrieden. "Es ist mir nicht gelungen herauszufinden, wofür andere Sektkellereien EU-Zuschüsse bekommen haben und wofür diese Zuschüsse wirklich verwendet wurden", sagt der Firmeninhaber.

Die Sektkellerei Treis steht als Beispiel dafür, wie undurchschaubar die Agrarsubventionen sind. Obwohl er einen eigenen kleinen Weinberg hat und unzweifelhaft ein landwirtschaftliches Produkt herstellt, erhält Treis keine EU-Zuschüsse. Lohnbetriebe seien nicht förderfähig, teilte ihm das für Agrarsubventionen zuständige Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel mit. "Ich bin nicht angewiesen auf die Zuschüsse", stellt Treis klar. "Aber es kann doch nicht sein, dass andere Sektkellereien, die keinen eigenen Weinberg haben und auch nur aus dem Wein anderer Winzer Sekt machen, über eine Million Euro an Steuergeldern aus dem EU-Topf kassieren - und ich bekomme nichts." Mit "anderen Sektkellereien" meint er vor allem die Moselland eG in Bernkastel-Kues. 1,3 Millionen Euro an Agrarsubventionen erhält die Winzergenossenschaft. Gewerbliche Unternehmen wie die Sektkellerei von Marcus Treis könnten nur dann EU-Zuschüsse erhalten, wenn sie wie Genossenschaften Liefer- und Abnahmeverträge mit den Lieferanten, also den Winzern, auf mindestens fünf Jahre abschließen würden, sagt Erich Steuerwald vom DLR Mosel. Genossenschaftliche Sektkellereien seien ja bereits ein Zusammenschluss von Erzeugern und brauchten daher solche Verträge nicht vorzulegen, versucht Steuerwald Licht in den europäischen Agrar-Dschungel zu bringen.

Treis fällt nicht unter die förderwürdigen Betriebe. Er verarbeitet die Weine, die Winzer ihm liefern, zu Sekt und Perlwein. Die Lieferanten sind aber - anders als bei Genossenschaften - nicht an dem Unternehmen beteiligt, sie werden lediglich für den abgelieferten Wein bezahlt. Nicht nur für Außenstehende ist die Unterscheidung zwischen gewerblichem Betrieb und einer Genossenschaft wie etwa der Moselland, die Verträge mit großen Lebensmittelketten hat, schwer zu begreifen. Auch Treis tut sich schwer damit. "Ich mache doch auch nichts anderes als eine Genossenschaft. Nur dass die noch Geld dafür erhält, dass sie billigen Wein produziert."

Treis will weiter dafür kämpfen, dass alle Sektkellereien gleich behandelt werden. Er hat EU-Abgeordnete aus der Region angeschrieben. Sie sollen ihm die undurchsichtigen Agrarsubventionen erklären.

Antworten hat er nach eigenem Bekunden bislang noch nicht bekommen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort