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Selbst Schuld, wer dran glaubt

Selbst Schuld, wer dran glaubt

Im Prozess vor dem Amtsgericht Bitburg wurde Günter B. im Sommer vergangenen Jahres wegen mehrfachen Betrugs zu 24 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Dagegen hatte er mit Erfolg Berufung eingelegt.

Trier. "Betrug scheidet eindeutig aus", sagte Guido Britz, der Wahlverteidiger von Günter B. im Berufungsverfahren vor der Zweiten kleinen Strafkammer des Landgerichts in Trier. Denn sein Mandant sei fest davon überzeugt gewesen, dass er ein Testverfahren zur Feststellung von BSE-Erkrankungen entwickelt habe. "Wer daran glaubt, ist selbst schuld", meint der Anwalt gegenüber dem TV. Damit spielt er auf einen Bauern aus Wolsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) an. Im Frühjahr 2001 hatte der 77-Jährige Günter B. und angeblicher BSE-Forscher bei ihm mit einem selbst entwickelten Testgerät bei sechs Tieren "veränderte elektrische Leitfähigkeit festgestellt" woraufhin er BSE diagnostizierte, heißt es in der Anklageschrift. Daraufhin verkaufte Günter B. dem Bauern für 5500 Euro Heilpflanzen, deren angebliche Wirkung er wiederum nachwies. Gemeinsam mit dem Eifel-Landwirt plante der Rentner, der nach eigenen Aussagen, in zahlreichen Naturwissenschaften "heimisch" ist, einen BSE-Forschungshof zu errichten. Er gaukelte vor, Forschungsgelder in Millionenhöhe zu erhalten. Der Bauer witterte offenbar ein großes Geschäft und wollte sich beteiligen. Die versprochenen Gelder sah der Landwirt nie, und um die notwendigen Mittel aufbringen zu können, machte er betrügerische Kreditgeschäfte, die ihm 2003 unter anderem eine zweieinhalbjährige Haftstrafe einbrachten. Auch Günter B. wurde vom Amtsgericht Bitburg verurteilt, zu zwei Jahren auf Bewährung. "Mein Mandant fühlt sich aber unschuldig", erklärt Anwalt Guido Britz den Schritt in die Berufung. Insgesamt stellte der Verteidiger während des Berufungsverfahrens drei Beweisanträge, die zur Klärung des Falls beitragen sollen. Bevor die geladenen Zeugen, darunter auch der Bitburger Amtsrichter Udo May und der Landwirt aus Wolsfeld, gehört wurden, vertagte der Vorsitzende Richter Peter Egnolff das Verfahren. Der Prozess wird am 18. Januar fortgesetzt.