Selbstanzeigen: Steuerbetrüger in der Region zahlen 20 Millionen Euro nach

Selbstanzeigen: Steuerbetrüger in der Region zahlen 20 Millionen Euro nach

Das Trierer Finanzamt hat seit 2010 fast 20 Millionen Euro durch Nachzahlungen von mehr als 300 reuigen Steuerbetrügern eingenommen. In diesem Jahr bereits 4,7 Millionen Euro. 66 Selbstanzeigen sind bislang eingegangen.

"Hoeneß hat uns geholfen." Der Trierer Finanzamtschef Jürgen Kentenich macht keinen Hehl daraus, dass der Fall des FC-Bayern-Präsidenten quasi gut fürs Geschäft ist. Nachdem bekannt geworden ist, dass Hoeneß ein Steuersünder ist und sich selbst angezeigt hat, haben auch in der Region einige Steuerhinterzieher ein schlechtes Gewissen bekommen und sich selbst angezeigt.

Allein seit Juni sind bei der Behörde 21 Selbstanzeigen von reuigen Steuersündern eingegangen. Kentenich führt das zum einen auf den Hoeneß-Effekt zurück. Aber auch auf den Kauf einer Steuer-CD durch das Land Rheinland-Pfalz im April. Brisanter Inhalt: Daten von Deutschen, die am Fiskus vorbei, etwa in der Schweiz, Geld angelegt haben.

Da haben wohl auch einige Steuerbetrüger in der Region kalte Füße bekommen, aus Angst, ihr Name könnte auf der CD auftauchen. Bevor das Finanzamt ihnen auf die Schliche kommt, haben sie sich von sich aus gemeldet. Laut Kentenich sind Schweiz und Luxemburg die Länder, in denen das meiste Schwarzgeld angelegt wird.

Seit Anfang des Jahres haben sich insgesamt 66 Steuersünder beim Finanzamt Trier gemeldet (im gesamten vergangenen Jahr waren es 56) seit 2010 sind es 343. Rund 19,5 Millionen Euro hat die Behörde seitdem an Steuernachzahlungen eingenommen, 4,7 Millionen Euro allein in diesem Jahr. Und ein Ende sei noch nicht in Sicht, heißt es auch von der Oberfinanzdirektion (OFD) in Koblenz. Längst seien noch nicht alle Selbstanzeigen bearbeitet, gleichzeitig gingen weitere ein, sagte eine OFD-Sprecherin. Landesweit gingen seit Anfang des Jahres 1078 Selbstanzeigen bei den Finanzämtern ein, 47,7 Millionen Euro hat die Landeskasse dadurch eingenommen.

Laut Kentenich gehen die reuigen Steuersünder straffrei aus, wenn sie alles beichten - und zwar bevor die Steuerfahnder ihnen auf die Spur kommen.

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