Selbstversorger-Kolumne „Ach du meine Gurke!“ Winterpause? Nö, wir blühen weiter!

Trier · In ihrer Kolumne „Ach du meine Gurke!“ berichtet Katharina de Mos über ihre Erfahrungen im Selbstversorgergarten. Heute: Was für ein verrückter Herbst!

Selbstversorgung aus dem Garten  - zweiter Frühling im Herbst
Foto: TV/Katharina de Mos

Es ist wie verhext. Wenn ich für den Trierischen Volksfreund über Dürre schreiben (was in den vergangenen Jahren viel zu oft nötig war), dann ist es so gut wie garantiert, dass es am Erscheinungstag regnet. Und wenn es nur für fünf Minuten ist. Und natürlich wurde mein Artikel über den außergewöhnlich warmen, sonnigen Herbst kürzlich begleitet von trübnasser Kälte. An den Fakten, die die menschengemachte Erderwärmung in unserer Region schafft, ändert das freilich nichts. Die Jahreszeiten haben sich kräftig verschoben.

Mitten im November steht der Garten knallbunt in voller Blüte: Dahlien, Kosmeen, Borretsch, Rosmarin, Salbei oder Ringelblumen haben noch gar keine Lust auf Winter. Noch immer werden draußen Tomaten reif, die wir einfach mal hatten stehen lassen. Den Süßkartoffeln wachsen weiter zarte rote Blätter. Zucchini und Erdbeeren blühen und produzieren sogar neue Früchte (auch wenn ich bezweifle, dass die lecker werden). Noch immer reifen im Wintergarten Auberginen. Und selbst mein Zuckererbsen-Experiment scheint zu funktionieren. Die Erbsen, die ich nach der ersten Ernte im heißen August gesät hatte (was eigentlich Monate zu spät ist) sind mannshoch, saftig grün und von weißen Blüten übersät. Da ja weiter kein Frost in Sicht ist, halte ich eine zweite Ernte inzwischen für möglich. Zumal ich gerade gelernt habe, dass Zuckererbsen „strenge Selbstbefruchter“ sind. Wie auch immer die das hinbekommen – es müsste ja selbst dann funktionieren, wenn die Bienchen schon im Winterschlaf sind. Falls die Blüten aus irgendeinem Grund doch keine Lust haben, zu Schoten zu werden, dann kann sich das Beet für den Winter immerhin über einen fantastischen Gründünger freuen.

Ein Winter, in dem unser Gemüsegarten erstmals nicht komplett in die Pause geschickt wird, da es ja nun ein Gewächshaus gibt. Dort sprießen schon Spinat, Radieschen, Asia-Salat und noch mehr Zuckererbsen, von denen wir allerdings nur die jungen, knackigen Triebe als Blattgemüse für Salate ernten wollen. Der Feldsalat hat sich bisher geweigert. Wahrscheinlich fand er es noch viel zu warm. Und den Postelein – den man als Salat oder wie Spinat essen kann – hatten wir zum Glück noch gar nicht gesät. Der braucht zum Keimen nämlich konstant weniger als 12 Grad. Und so tiefe Temperaturen sind im neuen deutschen Herbst ja nicht mehr selbstverständlich – zumal Meteorologen jetzt für die kommenden Wochen auch noch ein wärmespendendes „Beton-Hoch“ vorhersagen. Ups. Nicht wundern: Wenn ich über Wärme schreibe, gibt es heute womöglich Bodenfrost.

In der Kolumne „Ach du meine Gurke!“ berichtet unsere Autorin Katharina de Mos wöchentlich über ihre Erfahrungen mit Krumpern, Kompost oder Kürbissen. Anmerkungen, Tipps oder Themen einfach mailen an k.demos@volksfreund.de

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort