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Selbstvertrauen vermeidet Konflikte

Selbstvertrauen vermeidet Konflikte

MAINZ. (win) Selbstvertrauen und Respekt vor anderen als Konflikt-Vermeidung: "Ich und du und wir" heißt ein Projekt, das Gewalt an Schulen vorbeugen soll und demnächst an 200 Grundschulen startet.

Mehr über sich und die anderen habe sie gelernt, sagt Cornelia aus der Klasse 3a der Maler-Becker-Grundschule in Mainz. Auch wenn es manchmal schwer ist, etwas preiszugeben, das man nicht so gut an sich selbst findet, wie sie einräumt. Doch die wöchentliche Unterrichtsstunde unter dem Titel "Ich und du und wir" schätzen sie und ihre Mitschülerin Julia sehr, weil lange nicht mehr so viel Streit in der Klasse herrscht. Das Projekt, das durch die finanzielle Unterstützung von Sparkassen und Landesbausparkasse (100 000 Euro) an 200 Grundschulen beginnen soll, läuft modellhaft bereits seit drei Jahren in ihrer Schule in Mainz-Gonsenheim. Von durchweg positiven Erfahrungen berichtet Schulleiterin Christiane Selke. Interventions- und Rollenspiele oder Gesprächsrunden stärken das Selbstwertgefühl der Kinder, fördern ihre Entscheidungsfähigkeit und schulen sie im Umgang mit Gruppendruck und Stress. Die Schüler lernen mit Konflikten umzugehen und sie friedlich zu lösen. Kinder mögen es, über sich selbst nachzudenken, und lernen dann auch, frei über sich zu sprechen, berichtet Selke. Das aufgebaute Selbstvertrauen wird eine Voraussetzung, andere schätzen zu lernen und ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Weniger Gewalt und Konflikte in der Schule fördert die Klassenatmosphäre und vor allem auch das Lernverhalten, so die Erfahrung. Der erlernte Umgang mit diesen Problemen wirkt sich bis ins Elternhaus aus: Die Kinder verlangen zu Hause eine entsprechende Konfliktbewältigung in den Familien, weiß die Schulleiterin. Daher stünden auch die Eltern hinter dem Projekt. "Ich und du und wir" kann nach Angaben von Bildungsministerin Doris Ahnen ab dem ersten Schuljahr starten und ist nicht nur ein Beitrag zur Gewalt- und Suchtvorbeugung, sondern soll auch Fremdenfeindlichkeit entgegenwirken, weil der Umgang und die Kommunikation mit anderen ein zentrales Element dabei ist. Zum Start des Projektes gab es Unterrichtsmaterialien unter anderem für Grundschulen in Trier-Biewer, Koblenz-Pfaffendorf, die Theodor-Heuss-Schule Mainz und die Rupprecht-Schule Ludwigshafen. Andrea Kräutlein, Leiterin der Grundschule in Biewer erhofft sich von diesem neuen Ansatz eine Ergänzung ihres Qualitätsprogramms "Demokratie lernen und leben". Soziales Lernen wird an ihrer Ganztagsschule mit Klassenrat und Schülerkonferenz bereits groß geschrieben. "Gewalt ist auch an Grundschulen ein Thema", sagt Kräutlein. Die Schüler müssen lernen, ihre Wut in den Griff zu bekommen und Gefühle auszudrücken. Für weiterführende Schulen gibt es das Programm "Prävention im Team".