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"Seltsames Weihnachtsgeschenk" entpuppt sich als Diebesgut

"Seltsames Weihnachtsgeschenk" entpuppt sich als Diebesgut

WITTLICH. Das Amtsgericht hat einen 47-jährigen Angestellten einer Trierer Bank wegen Diebstahls zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt (TV vom 21. Oktober).

Richter Josef Thul sah es als erwiesen an, dass der Mann in einer Eifeler Bank Wertpapiere für rund 90 000 Euro und fünf Krügerrand-Münzen aus einem Kunden-Schließfach gestohlen hat. Dunkler Anzug, braunes Hemd, passende Krawatte und schwarze Lackschuhe. Der Angeklagte präsentierte sich dem Gericht äußerlich so, wie man sich einen ehrenhaften und seriösen Bankangestellten gemeinhin vorstellt. Der Geschädigte, im vorigen Jahr 83-jährig gestorben, hatte ihm Münzen, Wertpapiere und Bargeld anvertraut, das in einem Schließfach lagerte. Vor einigen Jahren fuhren Angeklagter und Geschädigter nach Luxemburg, um Bargeld nach Deutschland zu transferieren. Als Dank gab es 3000 Euro. Ein Teil des Geldes wurde zunächst im Schließfach aufbewahrt und später in Inhaberschuldverschreibungen angelegt, ohne dass der deutsche Fiskus davon erfuhr. Nachdem der Angeklagte zu einer Trierer Bank gewechselt war, wurde der Inhalt des Schließfachs von zwei Kundenberatern geprüft. Beim Blick auf die Inventarliste bemerkte der Geschädigte, dass Wertpapiere und Münzen fehlten. Als Ermittlungen starteten, wurden die Wertpapiere dem Geschädigten anonym zugeschickt. Einen Teil der dazugehörigen Zinsscheine löste der Angeklagte auf einer Luxemburger Bank ein. Dem Gericht erzählte er, die Zinsscheine (Wert: 10 000 Euro) seien ein Geschenk des Geschädigten, was seine Frau bestätigte. "Mein Mann kam nach Hause und sagte sinngemäß, ich hab ein seltsames Weihnachtsgeschenk bekommen." "Hier geht es um die Existenz des Angeklagten", gab der Anwalt des Angeklagten zu bedenken und forderte Freispruch. Das Urteil fiel laut Richter relativ mild aus, weil der Angeklagte den Wert der Zinsscheine zurückgezahlt hatte und es um seine Existenz ging. Der Angeklagte brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. Seine berufliche Karriere als Banker ist wohl zu Ende. Zudem droht ihm ein weiteres Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung.