1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Sicher, dass nichts passieren konnte

Sicher, dass nichts passieren konnte

OBERKAIL. Die US Air Force hat am Wochenende offiziell bestätigt, dass es sich bei dem Flugzeugabsturz am Donnerstag in Oberkail (Kreis Bitburg-Prüm) um eine geplante Aktion gehandelt hat. Wegen eines Defekts am Fahrwerk sei eine Notlandung unmöglich gewesen.

"Dies war ein kontrollierter Ausstieg, bei dem der Pilot die Gelegenheit hatte, sich auf den Ausstieg vorzubereiten." Spangdahlems Flugplatz-Kommandeur, Oberst Derryl Roberson, sprach am Samstag aus, was der TV bereits am Morgen gemeldet hatte: Die Aktion war geplant. Bei einer Pressekonferenz unmittelbar neben der Absturzstelle ergänzte der Offizier, dass es ein Problem mit dem Fahrwerk gegeben habe. Deshalb hätten sich die Verantwortlichen der 22. Flugstaffel am Donnerstag vergangener Woche dazu entschließen müssen, die Ausstieg-Variante zu wählen.Man sei sicher gewesen, dass der "Ausschuss" gelingen würde, sagte der Kommandeur. Die Möglichkeit, dass man die Einwohner von Oberkail gefährde, sei äußerst unwahrscheinlich gewesen. Eine Landung in Spangdahlem sei jedenfalls nicht mehr infrage gekommen, weil das Gelände dort zu schmal sei und es dort zu viele Menschen und Gebäude gebe.

Bestätigt wurde am Samstag ebenfalls, dass sich an Bord der Maschine sechs Liter Hydrazin befunden haben. Hydrazin ist hochgiftig und dient als Ersatztreibstoff. Nach Angaben der Amerikaner gab es derweil zu keinem Zeitpunkt Anzeichen dafür, dass die Bevölkerung gefährdet war oder ist.

Ebenso wie Derryl Roberson lobte am Samstag Bitburg-Prüms Vize-Landrat Michael Billen (CDU) die Zusammenarbeit deutscher Behörden und amerikanischen Einsatzpersonals. Zudem habe man mit Erleichterung festgestellt, dass deutsche Experten bereits am Freitag in die Lage versetzt worden seien, Wasser- und Bodenproben zu nehmen. Billen kündigte an, so lange Proben zu ziehen, "bis alles sauber ist". Billens Information, wonach die Maschine beim Anflug auf Spangdahlem eine Leuchte touchiert habe und es deshalb zum Fahrwerksschaden gekommen sei, bestätigte Oberst Roberson.

Heftige Kritik an der Informationspolitik der Amerikaner hat derweil Oberkails Ortsbürgermeister Rudi Densborn geübt.

"Kunststück" nicht gelungen

Die Air Force habe hinter vorgehaltener Hand inzwischen zugegeben, dass die Maschine nicht nahe Oberkail, sondern im weiter entfernten Meisburger Wald hätte abstürzen sollen, sagte er. Dies werde offiziell verschwiegen, schimpfte Densborn am Sonntag, der dieses Verhalten der Amerikaner als "unverantwortlich" bezeichnete. "Ich fühle mich vergackeiert", sagte der Gemeindechef. Mit dieser Vorgehensweise könne man in Oberkail nicht leben. Erst nach mehrmaligem Nachbohren hätten die Spangdahlemer Air-Force-Leute eingeräumt, dass der Absturz-Plan eigentlich anders ausgesehen habe. Das Kunststück, von dem die Amerikaner sprächen, sei ihnen in Wirklichkeit gar nicht gelungen. Densborn: "Das war eine verunglückte Sache, die fast zur Katastrophe geführt hätte."

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kyllburg, Bernd Spindler (SPD), teilte am Wochenende mit, dass seine Behörde zehn deutsche Feuerwehrleute im Bitburger Krankenhaus habe untersuchen lassen. Es seien Blut- und Urin-Proben genommen worden. "Dies ist aus Fürsorgegründen geschehen, um allen Spekulationen die Basis zu entziehen", sagte Spindler auf TV-Anfrage. Gleichwohl fühle sich die Verbandsgemeinde in dieser Angelegenheit "ein Stück allein gelassen", sagte der Bürgermeister. Schließlich sei die Verbandsgemeinde keine Fachbehörde, kritisierte er und ergänzte: "Da müssen wir alle noch besser werden und Gespräche führen."

Gleichzeitig spüre man die Unruhe in Oberkail, betonte Bernd Spindler. Auch dort müsse die Thematik beleuchtet werden. "Die Leute haben einen Anspruch darauf, und wir müssen uns auf den Rat der Fachleute verlassen können."