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Interview Kurt Beck: „Sie hat die Härte, die man braucht“

Interview Kurt Beck : „Sie hat die Härte, die man braucht“

Der ehemalige Ministerpräsident erzählt, warum er Malu Dreyer als seine Nachfolgerin vorgeschlagen hat – und ob er ihr zu höheren Ämtern rät.

Herr Beck, haben Sie in den vergangenen fünf Jahren jemals bereut, Malu Dreyer zu Ihrer Nachfolgerin erkoren zu haben?

KUERT BECK Im Gegenteil. Ich habe mich jeden Tag darüber gefreut, dass das, was ich erhofft und erwartet hatte, eingehalten, in vielen Bereichen sogar übertroffen wurde. Malu macht das prima.

Verraten Sie uns mal: Wie ist das damals im Oktober 2012 gelaufen, als Sie sich dafür entschieden haben, dass Malu Dreyer Sie beerben soll? Dreyer hatte zu der Zeit ja niemand auf dem Zettel.

BECK Nachdem ich bekanntgegeben hatte, dass ich aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten werde, wurde ich von der engeren Parteiführung gebeten, einen Vorschlag zu machen. Dreyer stand damals in der breiten Öffentlichkeit auch als mögliche Ministerpräsidentin nicht so im Mittelpunkt, weil sie mit ihrer Krankheit sehr zu kämpfen hatte. Aber ich hatte sie als meine mögliche Nachfolgerin immer im Blick.

Wie haben Sie Dreyer überzeugt?

BECK Meine Frau und ich haben schon seit längerem ein sehr gutes Verhältnis mit Malu und ihrem Mann Klaus. Daher haben wir uns im Sommer 2012 privat an der Mosel getroffen. Da wusste ich, dass sich ihr Gesundheitszustand stabilisiert. Ich habe sie dann gefragt. Nach Rücksprache mit ihrem Mann hat sie mir dann zugesagt. So kam es dann dazu, dass ich Malu Dreyer als meine Nachfolgerin vorschlug.

Nun gab es aber ja durchaus auch andere Kandidaten, die sich Hoffnung machten. Haben Sie etwa dem SPD-Vorsitzenden Roger Lewentz oder dem heutigen Landtagspräsidenten Hendrik Hering das Amt nicht zugetraut?

BECK Natürlich habe ich das den anderen zugetraut. Man kann aber etwas gut machen und man kann es besser machen. Wenn man aus mehreren Kandidaten einen auswählen kann, ist das ja ein gutes Zeichen für eine Partei. Ich habe mit allen infrage kommenden Kandidaten persönlich geredet. Es wurde von allen akzeptiert, dass Malu bereit war, anzutreten.

Fiel die Wahl auf Dreyer auch deswegen, weil sie zu der damaligen Zeit in der Sie schwer belastenden Nürburgring-Affäre völlig unbeleckt war?

BECK In keiner Weise. Das wird zwar immer so erzählt. Das hat aber in diesem Zusammenhang keine Rolle gespielt.

Und für Sie war tatsächlich Ihr gesundheitlicher Zustand ausschlaggebend für Ihren Rücktritt, oder hat er doch politische Gründe gehabt?

BECK: Die gesundheitlichen Gründe waren nicht vorgeschoben. Ich habe auch weiterhin damit zu tun. Meine Bauchspeicheldrüse funktioniert nicht, wie sie soll. Aufgrund dessen hatte ich ja auch einen Schlaganfall. Durch gute Ärzte und eine gute Medikation kann ich wieder arbeiten. Aber unter dem Druck, der auf einem Ministerpräsidenten lastet, könnte ich das nicht mehr machen.

Ihnen wurde als Ministerpräsident nachgesagt, dass Sie, sagen wir mal, eher cholerisch waren, aber Ihre Getreuen sicher sein konnten, dass Sie sie nicht fallenlassen. Dreyer gilt als nach außen hin nett, nach innen aber hart. Worin unterscheidet sich der Stil Ihrer Nachfolgerin von Ihrem?

BECK Sie hat schlicht und einfach einen eigenen Stil, eine Mischung zwischen Verbindlichkeit und Freundlichkeit, aber auch der Härte, die man braucht.

Was macht Dreyer denn besser als Sie?

BECK Sie macht es anders, sie macht es auf ihre Art und Weise und sie macht es gut. Man muss eben immer die anstehenden Herausforderungen annehmen. Und Rheinland-Pfalz stand vor einer Herausforderung, die größer war als die Krisen im Saarland und im Ruhrgebiet. Ich meine die Konversion. Diese auf den Weg zu bringen, dazu hat auch Malu Dreyer als Arbeitsministerin beigetragen. Es ging ja nicht nur um die Konversion der Flächen, sondern auch darum, wie man die davon betroffenen Menschen wieder in Arbeit bekommt. Und das hat Dreyer ganz entscheidend mitverantwortet. Schon damals ist in mir die Überzeugung gewachsen, dass sie über ein Ministeramt hinaus in der Lage ist, mehr Verantwortung zu tragen.

Was ist Ihrer Ansicht nach in den vergangenen fünf Jahren bei Dreyer nicht so gut gelaufen?

BECK Natürlich gibt es Punkte, wo ich sage, das hätte ich anders gemacht. Aber ich akzeptiere ihre Arbeit in vollem Umfang. Sie muss es so machen, wie sie es verantworten kann. Das ist bisher unterm Strich immer aufgegangen.

Zum Beispiel?

BECK Sie hat mit dem Wahlerfolg etwas erreicht, was niemand noch wenige Wochen vorher für möglich gehalten hat. Die SPD war im Keller. Die Herausforderin hat sich ja schon als Ministerpräsidentin plakatieren lassen. Dreyer hat es verstanden, die Lage zu drehen, durch Sympahthie und der argumentativen Untermauerung ihres Anspruchs auf Fortsetzung ihrer Arbeit. Und danach eine Dreier-Koalition zu bilden, die so gut und ohne ständige Auseinandersetzung funktioniert, das nötigt mir Respekt ab.

Das heißt, Sie trauen ihr auch noch höhere Ämter zu? Parteivorsitz? Kanzlerin? Immerhin hat sie bei der Wahl des Parteipräsidiums als Vizevorsitzende ein Traumergebnis erzielt.

BECK Ich traue ihr durchaus höhere Ämter zu. Vieles zu können, heißt ja nicht, dass man es tut. Ich finde, die jetzige Aufstellung ist gut. Rheinland-Pfalz braucht eine Ministerpräsidentin, die hier stark verankert ist und hier ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt hat. Aber es ist für das Land auch gut, wenn man auf der Bundesebene eine gewichtige Stimme hat.

Das heißt, Sie raten ihr, vielleicht auch aus eigener Erfahrung heraus – Sie haben ja selbst die Doppelbelastung als Ministerpräsident und Parteichef stemmen müssen  – besser in Mainz zu bleiben und hier erfolgreich zu sein, als möglicherweise auf Bundesebene zu scheitern?

BECK Wenn ich Ratschläge an Malu Dreyer hätte – sie braucht ja keine –, dann würde ich sie ihr persönlich sagen. Ich halte es mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, der gesagt hat: Ratschläge sind auch nur Schläge.