Simone Thiel will für die CDU ins Europaparlament.

Wahlen : Mit einem Clou auf Wahlkampftour

Kandidaten im Porträt: Simone Thiel will für die CDU ins Europaparlament. Es ist schon ihr zweiter Anlauf.

„Ich bin klein, kurz, schwarz und stark – vergleichbar mit einem Espresso“, mit diesen Worten stellte sich Simone Thiel Ende September vergangenen Jahres den 160 Delegierten auf dem Schweicher CDU-Bezirksparteitag vor. Die pointierte Vorstellung saß: Wenig später wurde die 40-jährige Saarburgerin einstimmig zur regionalen EU-Spitzenkandidatin gewählt. Für die studierte Volkswirtin zumindest teilweise ein Déjà-vu-Erlebnis: Bereits vor fünf Jahren bewarb sich Simone Thiel um ein Mandat im Europaparlament. Damals musste sie sich zunächst noch gegen drei Mitbewerber aus der eigenen Partei durchsetzen. Das gelang. Doch den Sprung nach Brüssel verpasste die Saarburgerin knapp.

Im zweiten Anlauf soll es jetzt klappen. Zwar steht Simone Thiel wieder nur auf dem wackeligen dritten Platz der CDU-Landesliste. Aber der scheidende CDU-Europapolitiker Werner Langen hat seiner langjährigen Mitarbeiterin auf dem Schweicher Parteitag schon mal Mut gemacht: „Die Chancen stehen dieses Mal besser.“ Ob das stimmt, wird die als Abteilungsleiterin des Bereichs Arbeit und Politik im Trierer Generalvikariat arbeitende Politikerin  erst am Abend des 26. Mai wissen. Frühestens. Denn vor fünf zitterte die CDU-Kandidatin bis zum frühen Montagmorgen, um dann zu erfahren, dass es doch nicht ganz  gereicht hat. „Ich versuch’s noch einmal“, hatte sich die zweifache Mutter seinerzeit geschworen – und Simone Thiel hielt Wort. „Ich bin dem Thema Europa treu geblieben“, sagt sie jetzt schmunzelnd, „und das schon seit 20 Jahren.“ Simone Thiel war in Brüssel lange Zeit Mitarbeiterin des Mister Europa von der Mosel, Werner Langen, bevor sie das dortige Büro der Europäischen Rechtsakademie übernahm. Die regionale CDU-Europakandidatin müsste sich, ein Wahlerfolg Ende Mai natürlich vorausgesetzt, in die politischen Gepflogenheiten in Brüssel oder Straßburg nicht erst mühsam einarbeiten, sie kennt sie, weil sie anderthalb Jahrzehnte vor Ort war. „Ich weiß, wenn ich wann anrufen muss, und ich kenne die internen Spielregeln“, sagt Simone Thiel denn auch ganz selbstbewusst.

Dass es der temperamentvollen Saarburgerin an Selbstbewusstsein nicht mangelt, dürfte auf dem eher rauen Brüsseler EU-Parkett nicht von Nachteil sein. Simone Thiel sei zwar nicht immer bequem, aber für den Job bestens geeignet, lobte CDU-Grandseigneur Langen die Kandidatin.

Damit sie sich in den verbleibenden gut sieben Wochen voll auf den EU-Wahlkampf konzentrieren kann, arbeitet Simone Thiel seit Anfang des Monats nur noch 20 Prozent. Ihr Ziel ist es, viel in der Region unterwegs zu sein, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Schon wegen der breiten EU-Förderkulisse gebe es in nahezu jedem Dorf einen europäischen Anknüpfungspunkt, sagt die CDU-Politikerin. Besonderer Clou ihrer Wahlkampftour: In jeder Verbandsgemeinde der Region will Simone Thiel auch den jeweils kleinsten Ort besuchen.

Dass sie aber auch mit den „Großen“ kann, zeigt Simone Thiel nächsten Donnerstag, wenn sie in Ayl bei Saarburg den EVP-Fraktionsvorsitzenden Manfred Weber und die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner begrüßen will. Simone Thiel ist zuversichtlich, dass das Thema Europa die Bürger dieses Mal stärker interessieren und motivieren werde als noch vor fünf Jahren. Die meisten wüssten doch, dass einzelne Länder alleine in der Handels- oder Sicherheitspolitik im weltweiten Konzert keinen Fuß mehr auf den Boden bekämen. Hinzu kämen Themen wie der Brexit oder nationalistische Äußerungen der Populisten, die deutlich machten, dass die EU keine Selbstverständlichkeit sei, sondern verteidigt werden müsse.

Das Wort Schicksalswahl will Simone Thiel für den 26. Mai zwar nicht in den Mund nehmen. Aber eine ganz entscheidende Wahl sei das schon, sagt die engagierte Kommunalpolitikerin, die zum Schluss des Gesprächs noch einen Appell an die Bürger der Region loswerden möchte: „Gehen Sie wählen!“

Am 26. Mai sind die Europawahlen. Wer geht für welche Partei oder Wählergruppierung an den Start? Der TV stellt die regionalen Kandidaten in loser Abfolge vor.