1. Region
  2. Rheinland-Pfalz
  3. News

So sieht die Situation bei den Unternehmen in der Region derzeit aus

Wirtschaft : Industriearbeitern droht die Kurzarbeit

In der Region fahren bereits Volvo und Bilstein die Produktion zurück. Doch auch Hoteliers, Veranstalter und Fleischer trifft die Corona-Krise.

Die Corona-Krise hat auch drastische Folgen für die Industrie in der Region. Christian Schmitz, Bevollmächtigter der IG Metall Trier, sagt unserer Zeitung: „Wir gehen davon aus, dass fast alle der bis zu 12 000 Industriearbeiter der Branchen im Organisationsbereich der IG Metall im alten Regierungsbezirk Trier in die Kurzarbeit gehen.“ Als Beispiele nennt er zwei Werke, die am Autobau hängen. „Bei Volvo in Konz-Könen rechnen wir damit, dass die Produktion für drei Wochen still steht.“ Das Unternehmen hatte bereits bekannt gegeben, mit dem gestrigen Freitag das Werk vorübergehend zu schließen.

Auch beim Autozulieferer ThyssenKrupp Bilstein in Mandern (Kreis Trier-Saarburg) werde wohl „für eine Woche die Wochenarbeitszeit in Kurzarbeit Null sein“ und Kurzarbeit auch in den folgenden Wochen eine große Rolle spielen. Der Betriebsrat von Bilstein bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass das Unternehmen ab Mitte kommender Woche wahrscheinlich auf Kurzarbeit setzen werde.

Die IG Metall fordert, dass die Beschäftigten ein Stück von den Sozialversicherungsbeiträgen erhalten, die der Staat den Unternehmen für die Kurzarbeit erlassen habe. „Auf 40 Prozent des Lohns verzichten zu müssen – wie es bei manchen Kollegen der Fall ist – ist ein riesiger Einschnitt“, sagt der Gewerkschafter. Wer bisher 2000 Euro netto im Monat verdiene, bekomme 1200 Euro Euro, wenn der Betrieb vorläufig schließe und auf Kurzarbeit setze. „Wer Kinder hat, Kredite und Miete zahlen muss, steht erst einmal vor großen privaten Problemen“, sagt Schmitz.

Dietmar Muscheid, Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, warnt vor den Folgen für 625 000 Arbeitnehmer in Rheinland-Pfalz, die ohne Tarifvertrag beschäftigt sind und fordert, ihnen in Kurzarbeit wenigstens 80 Prozent des Nettolohns zu bezahlen. „Wenn das Kurzarbeitergeld nicht reicht, muss der Staat es auf Hartz IV aufstocken oder Wohngeld zuschießen. Dies ist ein zutiefst ungerechter Zustand, sagt Muscheid.

Immerhin, so sagt es Schmitz für die IG Metall: „Alle Unternehmen, die an den Tarif der Metall- und Elektroindustrie gebunden sind, haben sich bei Kurzarbeit bereit erklärt, 350 Euro pro Vollzeitkraft in einen Topf zu bezahlen, um Härtefälle auszugleichen. Das ist ein großer Erfolg“, sagt Schmitz. Er hofft auf ein rasches Ende der Krise. „Die meisten Unternehmen rechnen mit Einschnitten bis zu den Osterferien. Wir hoffen, dass es danach wieder aufwärts geht.“

So geht es nicht nur den großen Industriebetrieben, sondern auch kleineren Unternehmern in der Region. Andrea Weber vom Hotel Deutscher Hof in Trier sagt: „Wir haben es momentan nur mit Stornierungen zu tun.“ Einschränkungen verbieten es den Hotels, Touristen zu beherbergen. Auch Restaurants sind dicht. „Wir sind ein Familienbetrieb seit drei Generationen, der ein sehr auskömmliches Grundgerüst hat“, sagt Weber. „Es gibt aber Kollegen, die die Situation nicht haben und eisern von Reserven des Vorjahres zehren müssen.“ Wie lange die Krise die Hotels trifft? Weber weiß es nicht. „Wir wissen ja auch gar nicht, wann der internationale Tourismus zurückkommt oder ob viele Deutsche, die in Kurzarbeit gehen müssen, sich den Urlaub im Sommer einfach sparen“, sagt Weber, die sich von der Politik mehr Hilfen für den Mittelstand erhofft – und in Rheinland-Pfalz auch für Betriebe über 30 Beschäftigte hinaus.

Manfred Schmitt, Obermeister der Fleischer-Innung Trier-Saarburg, sagt, auch viele Metzger leiden unter der Krise – auch wenn ihre Läden offen bleiben dürfen. „Bei den Fleischern gehen immer mehr Storno-Absagen ein, weil Veranstaltungen ausfallen, die sie beliefern. Die Freiluftsaison ist für die kommenden Monate fast völlig abgesagt“, sagt Schmitt, der eine Fleischerei in Trier hat. „Vielen Kunden ist leider auch nicht bewusst, dass wir geöffnet haben und sie ihr Essen auch bei uns und nicht nur im Supermarkt kaufen können“, sagt er. Einige Metzger hätten bereits Kurzarbeit angemeldet. „Konkurse drohen nicht, aber wenn die Krise lange weitergeht, bleibt das möglicherweise nicht aus“, meint Schmitt mit Blick auf die Region. Angesichts von Soforthilfen, die ab der kommenden Woche fließen sollen und bei mittelständischen Betrieben bis zu 39 000 Euro an Zuschüssen und Darlehen vorsehen, hofft er auf unbürokratische, schnelle Vorgehen. „Teilweise ist das Regelwerk mit hohen Hürden verbunden, viele Geschäftsleute müssen sich nackig machen, um Hilfen zu bekommen“, fürchtet Schmitt bereits.

Oliver Thome, Geschäftsführer vom Veranstalter Popp Concerts in Trier, sagt, erst am Montag stünden Anträge für Hilfen zur Verfügung. „Wir müssen erst mal gucken, inwieweit wir davon profitieren“, sagt Thome, der betont, die Krise treffe die Branche hart. „Wir haben schon 31 Veranstaltungen abgesagt, der Vorverkauf liegt bei fast Null, Umsätze müssen wir schon auf das Jahr 2021 verschieben.“ Fielen Events noch Monate aus, seien Hilfen ein „Tropfen auf den heißen Stein“, sagt er. Christian Schmitz von der IG Metall meint: „Die Konjunkturpakete sollen erst einmal psychologisch helfen, und bei den Börsen wirkt das auch.“ Für die Industriebetriebe brauche es aber weitere Schritte, um nach der Krise den privaten Konsum anzukurbeln. „Die Sinnlosigkeit der Schuldenbremse sollte die Politik aus der Verfassung nehmen – nicht nur als einmalige Ausnahme“, fordert Schmitz.

Wo gibt es Hilfen: Am Montag, 30. März, 17 bis 19 Uhr, geben sieben Experten der Kammern, der Arbeitsagentur, des Jobcenters und von Volksbanken und Sparkassen Ratschläge. Telefonnummern gibt es in der Montagsausgabe.