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So stehen die regionalen Bundestagsabgeordneten zum Bluttest auf das Downsyndrom.

Gesundheit : Die Angst vor einer Selektion

So stehen die regionalen Bundestagsabgeordneten zum Bluttest auf das Downsyndrom.

Der Bundestag befasst sich am Donnerstag in einer Orientierungsdebatte mit den vorgeburtlichen genetischen Bluttests auf Trisomie 21. Dabei sollen die Abgeordneten frei von Fraktionszwängen diskutieren können. Im Vorfeld hat der TV die regionalen Bundestagsabgeordneten nach ihrer Meinung gefragt. Die FDP-Abgeordnete Carina Konrad aus Simmern hat  uns keine Stellungnahme geschickt.

Andreas Steier, CDU, Trier: „Ich stehe den Bluttests als Kassenleistung aktuell kritisch gegenüber. Ich befürchte, dass der Druck auf Eltern, die Tests durchzuführen, steigen würde. In der Konsequenz könnte dann auch der gefühlte gesellschaftliche Druck steigen, bei einem entsprechenden Befund eine Abtreibung vorzunehmen. Das halte ich als Katholik aus religiösen Gründen für ethisch höchst problematisch, denn jedes Kind hat ein Anrecht auf Leben.“

Katarina Barley, SPD, Trier: „Eltern sollten die Wahl haben, ob sie ihr Kind während der Schwangerschaft testen lassen. Das darf aber nicht zur Routine werden. Deswegen bin ich der Meinung, dass es auch keine Kassenleistung werden sollte.“

Patrick Schnieder, CDU, Arzfeld: „Ich lehne die Einführung von vorgeburtlichen Bluttests als Kassenleistung ab. Die Übernahme der Kosten durch die Kassen würde dazu führen, dass die Bluttests zum Standard in der Pränataldiagnostik werden. Einer vorgeburtlichen Selektion aufgrund einer Behinderung würde so Tür und Tor geöffnet werden. Für mich steht im Mittelpunkt dieser Debatte daher die Frage, wie wir in unserer Gesellschaft mit Menschen mit Behinderung umgehen wollen. Für mich ist die Antwort klar: Jeder Mensch verdient unsere Wertschätzung, jeder Mensch hat die gleiche Würde, ganz gleich, über wie viele Chromosomen er verfügt.“

Corinna Rüffer, Grüne, Trier: „Der sogenannte Pränatest hat keinen medizinisch-therapeutischen Nutzen. Er dient der Selektion. Schon heute werden schätzungsweise neun von zehn Föten abgetrieben, wenn vermutet wird, dass ein Kind mit Trisomie 21 zur Welt kommen würde. Tests auf andere genetische Abweichungen oder Krankheiten stehen kurz vor der Zulassung. Möchten wir ernsthaft, dass werdende Mütter und ihre Familien zukünftig anhand von Checklisten darüber entscheiden müssen, ob ihr Kind den gesellschaftlichen Erwartungen an Leistungsfähigkeit und Gesundheit entspricht? Früher waren Frauen ‚guter Hoffnung’, heute haben sie zunehmend Sorgen und Ängste, weil der Druck, der auf ihren Schultern lastet, immer größer wird.“

Peter Bleser, CDU, Cochem: „Das Recht auf Leben darf grundsätzlich nicht infrage gestellt werden. Dies gilt insbesondere für Menschen mit Behinderung. Deswegen werde ich gegen eine Aufnahme von Bluttests auf Trisomie 21 als Standardkassenleistung stimmen. Wir müssen schon die Anfänge einer Selektion von gewünschtem und ungewünschtem Leben in unserer Gesellschaft bekämpfen.“

Katrin Werner, Linke, Trier: „Ich bin prinzipiell gegen vorgeburtliche Bluttests auf Trisomie. Mit diesen Tests werden Menschen mit Behinderungen stigmatisiert und als unnormal gebrandmarkt. Der Druck auf Eltern steigt, ein gesundes Kind zu bekommen – und dies öffnet Tür und Tor für zukünftige weitere Ausweitungen anderer Tests. Stattdessen sollten wir uns Gedanken darüber machen, wie wir eine inklusive Gesellschaft schaffen können, an der alle teilhaben können und niemand an den Rand gedrängt wird.“