SPD hat Qual der Wahl

So viel Zulauf innerhalb kürzester Zeit hatte die Bitburg-Prümer SPD selten: Bei den Eifeler Genossen haben sich auf eine öffentliche Ausschreibung hin 118 Bewerber gemeldet, die für den Bundestag kandidieren wollen. Jetzt haben SPD-Chef Nico Steinbach und seine Vorstandskollegen die Qual der Vorauswahl.

Bitburg. Die von vielen zunächst belächelte ungewöhnliche Kandidatensuche der Bitburg-Prümer SPD ist ein Erfolgsmodell - zumindest in quantitativer Hinsicht. Wenige Tage nach Ende der dreimonatigen Bewerbungsfrist zogen Parteichef Nico Steinbach und sein Vize Alois Tautges am Montagmittag mit zufriedenen Mienen eine Zwischenbilanz. Danach haben sich exakt 118 Frauen und Männer mit dem Ziel beworben, für die Genossen im Wahlkreis Bitburg im nächsten Jahr in den Bundestag einzuziehen.Bundestagswahl 2018


"Vom 20-jährigen Studenten bis zum 70-jährigen Rentner war alles dabei", sagte der 32-jährige Landtagsabgeordnete Steinbach unserer Zeitung. Die meisten Bewerber seien aus der Region Trier und den umliegenden Gebieten eingegangen. Überwiegend beworben hätten sich mit etwa 75 Prozent Männer.
Zehn Bewerber sollen nun ab Ende übernächster Woche zu Gesprächen eingeladen werden. Bis Anfang November sollen dann ein oder mehrere Kandidaten gefunden sein, die dann den Parteigremien vorgestellt werden. Letztlich entscheidet Ende November eine Wahlkreiskonferenz darüber, wer bei der Bundestagswahl für die Eifeler SPD an den Start gehen wird.
Die von Steinbach ausgedachte ungewöhnliche Art der Kandidatensuche per Stellenanzeige im Internet machte bundesweit Schlagzeilen. Nie zuvor hatte eine etablierte Partei auf diese Weise einen Bewerber für ein derart hervorgehobenes politisches Amt gesucht.
Dabei lagen die Hürden für Interessenten nicht besonders hoch. "Du bist motiviert, aufgeschlossen und politisch interessiert?", hieß es auszugsweise in der Ausschreibung, "dann bewirb dich." Eine Mitgliedschaft in der SPD wurde nicht vorausgesetzt; lediglich mit den Werten der Partei sollte sich der Kandidat identifizieren.
Glaubt man Steinbach und Tautges, gingen trotz der eher ungewöhnlichen Ausschreibung zum überwiegenden Teil seriöse Bewerbungen ein. "Es waren noch keine fünf Klamauk-Bewerbungen darunter", sagt Vize-Parteichef Tautges.
Ob der Prümer Sozialdemokrat auch die Bewerbung von RPR-Morningshow-Moderator Andreas Kunze dazu gezählt hat? Jedenfalls sei Kunze unter den zehn Bewerbern, die es in die Vorauswahl geschafft hätten, verriet Nico Steinbach, und der bei der gestrigen Pressekonferenz anwesende Radiomoderator lächelte vergnügt. Das dürfte Wasser auf die Mühlen derjenigen sein, die der ungewöhnlichen Kandidatensuche eher skeptisch gegenüberstehen.
Laut Steinbach hat ein Großteil der in die engere Wahl gekommenen Frauen und Männer einen politischen Hintergrund sowie einen Bezug zur Eifel, ist sozial und ehrenamtlich engagiert und unter dem Strich "eine Person, hinter der sich die Partei versammeln kann".
Tautges sagte, ihm seien zwei der zehn übriggebliebenen Kandidaten bekannt, "mir drei oder vier", meinte Vorsitzender Nico Steinbach.
Wahrscheinlich ist, dass der Bitburg-Prümer Kandidat am Ende auch der gemeinsame Kandidat der Genossen im gesamten Wahlkreis ist. Zum Wahlkreis gehören nämlich auch der Vulkaneifelkreis und Teile des Kreises Bernkastel-Wittlich. Laut Steinbach ist bislang nichts über mögliche Bewerber von dort bekannt.
Das Interesse dürfte sich auch in Grenzen halten. In der Vergangenheit ging der Wahlkreis stets mit deutlichem Vorsprung an die CDU. Deren Kandidat Patrick Schnieder tritt 2017 erneut an.