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SPD siegt überraschend in schwarzen Wahlkreisen

SPD siegt überraschend in schwarzen Wahlkreisen

Die SPD gewinnt auch in der Region Trier auf ganzer Linie. Selbst im traditionell schwarzen Eifelkreis Bitburg-Prüm und im Wahlkreis Konz/Saarburg gelingt es ihr, Michael Billen und Bernd Henter (beide CDU) die Direktmandate wegzunehmen. Einzig die Vulkaneifel und Wittlich bleiben schwarz.

Regierungschefin, Sympathieträgerin, Zugpferd - und Triererin. Malu Dreyer hat der Landes-SPD zu einem überraschend deutlichen Erfolg verholfen. Dass die Trierer hinter ihrer Ministerpräsidentin stehen würden, war klar: Rund 50 Prozent der Trierer gaben der 55-Jährigen ihre Erst-, und 37 Prozent ihre Zweitstimme. Udo Köhler (CDU) war mit rund 25 Prozent chancenlos.

Was allerdings im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Wahlkreis 21) passierte, dürften viele als Hammer bezeichnen, als Sensation, als Riesenüberraschung. Die Roten eroberten die ehemals schwarze Bastion: Der 32-jährige Nico Steinbach aus Oberweiler schnappte dem CDU-Platzhirsch Michael Billen das Direktmandat weg. Für die meisten galt es als ausgemacht, dass es Billen auch ein fünftes Mal gelingen würde, sich in seinem Wahlkreis durchzusetzen. Hatten die Wähler doch selbst 2011 - als er wegen der Polizeidatenaffaire sochwer angeschlagen war, dass ihm selbst "Parteifreunde" in den Rücken fielen - hinter ihm gestanden. Diesmal taten sie es nicht. Ja, es war nicht einmal ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Steinbach lag mit rund 38 Prozent der Stimmen von Anfang an deutlich vor Billen (34,6 Prozent), der auf das Ergebnis sichtbar enttäuscht und gewohnt kämpferisch reagierte.

Eine Ohrfeige für Billen? Vielleicht. Das überraschende Ergebnis könnte aber auch eifeltaktische Gründe haben: So haben die Eifeler zwei Abgeordnete in Mainz. Billen kommt schließlich über Listenplatz 18 locker rein. Steinbach hingegen hätte mit seinem 44. Platz keine Chance gehabt. Auch bei den Zweitstimmen war die SPD im Eifelkreis ungewohnt stark: Sie liegt mit 36,1 Prozent nur knapp hinter der CDU und schnitt so deutlich besser ab als 2011 (29,4 Prozent).

Den nächsten überraschenden Wahlsieg für die SPD gibt es im Wahlkreis Konz/Saarburg (26). Dort schicken die Wähler den Wiltinger Ortsbürgermeister Lothar Rommelfanger (57/SPD) erstmals auf direktem Weg nach Mainz. Mit 36,3 Prozent der Stimmen gewinnt er gegen den 2011 erfolgreichen Bernd Henter (CDU, 34,6 Prozent), der dennoch über Listenplatz zehn in den Landtag einzieht. Auch hier haben die Wähler so bewirkt, dass ihre regionalen Interessen von zwei und nicht bloß von einem Abgeordneten vertreten werden. Mit rund 40 Prozent hat die SPD im Wahlkreis 26 auch bei den Zweitstimmen die Nase deutlich vorne.

Im Wahlkreis Trier/Schweich liegt Arnold Schmitt (CDU) aus Riol zwar erwartungsgemäß deutlich vor der Schweicherin Ingeborg Sahler-Fesel (SPD), die über den 23. Listenplatz auch ohne Direktmandat ins Parlament kommt. Anders als 2011 lässt die SPD die CDU diesmal mit rund 40 Prozent der Zweitstimmen allerdings deutlich hinter sich.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Wahlkreis Bernkastel-Kues/Morbach/Kirchberg (23). CDU-Kandidat Alexander Licht aus Brauneberg gewinnt das Rennen mit 37,9 Prozent gegen Bettina Brück aus Thalfang (SPD, 33,6 Prozent). Bei den Zweitstimmen jedoch liegt die SPD mit 35,8 Prozent einen Prozentpunkt vor der CDU. 2011 lagen die Genossen noch rund drei Prozentpunkte hinter den Schwarzen.

Einen glasklaren Wahlsieg erringt die CDU hingegen in der Vulkaneifel (Wahlkreis 20) - ein Erfolg, der auch der Beliebtheit der Schnieder-Brüder geschuldet sein dürfte. Der 40-jährige CDU-Kreisvorsitzende Gordon Schnieder zieht erstmals als Direktkandidat in den Landtag ein - mit rund 43 Prozent der Stimmen. Auch bei den Zweitstimmen hat die CDU die Nase mit 42 Prozent um Längen vor der SPD (31 Prozent).

Der Wahlkreis Wittlich (22) bleibt ebenfalls schwarz: Elfriede Meurer verteidigt ihr Direktmandat mit acht Prozentpunkten Vorsprung gegen die 28-jährige Nadine Zender (beide aus Wittlich). Auch bei den Zweitstimmen bleibt die CDU mit 38,5 Prozent der Stimmen erste politische Kraft.

In den meisten Wahlkreisen der Region gelingt der AfD bei den Zweitstimmen kein zweistelliges Ergebnis. Die Partei ist künftig mit dem Trierer Lehrer Michael Frisch und Jens Ahnemüller aus Konz in Mainz vertreten. Die Grünen verlieren - wie überall im Land - enorm und schaffen es vielerorts nicht einmal, die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken. In Trier holen sie noch rund elf Prozent. Verglichen mit 2011 (25 Prozent) wirkt allerdings auch das mickrig. Die grünen Abgeordneten Dietmar Johnen (50 Kalenborn-Scheuern) und Stephanie Nabinger (47, Saarburg) büßen ihr Mandat ein. Die Region wird nur noch durch Jutta Blatzheim-Roegler vertreten. Die FDP kann sich fast überall in der Region über fünf bis acht Prozent freuen. Einzig in Konz/Saarburg stimmen weniger als fünf Prozent der Wähler für die Liberalen, für die Marco Weber (41) aus Lissendorf bald Landespolitik macht.