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Spitzenkandidat Herbert Mertin soll die Liberalen in die Regierung führen

Spitzenkandidat Herbert Mertin soll die Liberalen in die Regierung führen

Herbert Mertin soll die FDP wieder in die Landesregierung bringen. Die rheinland-pfälzischen Liberalen haben den Chef der Landtagsfraktion (51) beim Parteitag in Ochtendung (Mayen-Koblenz) einstimmig zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im März 2011 gewählt.

Ochtendung. Der Nominierung des Koblenzer Juristen Herbert Mertin zum FDP-Spitzenkandidaten geht in der Kulturhalle von Ochtendung keine aufwendige Inszenierung voraus. Es stehen keine Musikanten mit Tusch bereit - nur wie immer die blauen und gelben Frühlingsblüher auf den Tischen. Aber die Partei hat mit ihren rund 200 Delegierten nur auf den Antrag von FDP-Landeschef Rainer Brüderle gewartet, die Wahl des Spitzenkandidaten auf die Tagesordnung zu setzen. Und der setzt mit dem lauten Ausruf "Herbert macht's, Herbert schafft's" das Signal für langen und herzlichen Beifall. Alle Hände gehen nach oben, keiner zögert: Die FDP steht geschlossen hinter Mertin, der sich als Chef der Landtagsfraktion seit 2006 große Reputation und Sympathien erworben hat.

Kämpferisch will der frühere Justizminister die FDP wieder in die Regierung führen - dabei vor allem mit Bildungs- und Wirtschaftspolitik punkten, mit der SPD wie der CDU abrechnen. Mertin verteidigt die von der FDP geforderten Steuersenkungen und kontert auf die SPD-Kritik am Steuerausfall von 300 Millionen Euro im Land so: "Wer am Nürburgring mehr als 300 Millionen Euro in den Sand gesetzt hat", solle lieber schweigen. Die FDP lässt sich von keinem "am Nasenring herumführen", versichert Mertin.

Aufs Wahlziel, die absolute SPD-Mehrheit zu brechen, schwört auch Brüderle die FDP ein: "Eine Alleinherrschaft eines Königs Kurt hat noch keinem Land gut getan". Der Bundeswirtschaftsminister, der im Land schon mit CDU und SPD regiert hat, wirft der SPD Filz und der CDU Chaos vor. CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner wünscht er, dass sie "ihren Stall in den Griff bekommt". Seine Botschaft: "Das Land braucht starke Liberale" - für den Mittelstand und gegen "rote Schulexperimente". Bundespolitisch verhehlt Brüderle nicht die Startprobleme der schwarz-gelben Koalition. "Sie muss sich erst warmlaufen." Vehement verteidigt er die Steuerpläne: Er verspricht sich ein Jobwunder. In der Hartz-IV-Debatte bleibt es für ihn beim "eisernen Grundsatz": "Wer arbeitet, muss mehr haben als jemand, der nicht arbeitet". Dies betont auch der Leitantrag "Gerechte Chancen für alle - Wohlstand in Freiheit braucht Anstrengung und Menschlichkeit".

Mertin ist zwar die unumstrittene Nummer eins der FDP. Aber bei der Landtagswahl 2011 wird er trotzdem nicht auf allen Wahlzetteln oben stehen. Die FDP hält an vier Bezirkslisten fest. Ob und welche Koalitionsaussage die FDP macht, will sie erst Anfang 2011 entscheiden.

Übrigens hatte Brüderle trotz der verkorksten Delegiertenwahl in Mainz Stimmrecht - übertragen von einem Mainzer, der lieber Geburtstag feierte.