Sportbünde haben Probleme, das Lotto-Loch zu stopfen

Sportbünde haben Probleme, das Lotto-Loch zu stopfen

Wegen der geltenden Werbe- und Internetverbote hat Lotto Rheinland-Pfalz in den vergangenen drei Jahren 320 Millionen Euro weniger eingenommen. Das Wegbrechen der Einnahmen trifft auch die Sportbünde hart: Sie müssen auf Ausschüttungen verzichten.

Koblenz. Wer den Lotto-Chef Hans-Peter Schössler kennt, der weiß, wie groß sein Herz für den Sport ist und wie gern er ihn auch fördert. Aber seit der Werbe- und Internetverbote für staatliche Glücksspielanbieter sind ihm die spendablen Hände stark gebunden. Schlimmer noch: Die Umsätze brechen dramatisch weg. Sie sanken von 501 Millionen Euro auf knapp 345 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Das spürt das Land, das 16,6 Prozent an Abgaben und Steuern kassiert, die private Konkurrenten eben nicht zahlen. Das schmerzt vor allem die Sportbünde als Gesellschafter - und dies nicht erst seit gestern: Erhielten sie 2007 und 2008 noch jeweils eine Million Euro an Ausschüttungen, so gibt es für 2010 wie schon für 2009 jetzt genau null Euro. Dies tut weh, auch Schössler, der den Breitensport früher ja zusätzlich immer noch sponsern oder Werbeeinnahmen bescheren konnte.
Jetzt schlägt das Minus der Tipper doppelt durch: Die Überschüsse gingen früher zu je 40 Prozent an den Sportbund Rheinland und den Sportbund Pfalz sowie zu 20 Prozent an den kleineren Gesellschafter Rheinhessen. Die Hoffnung, dass der neue Staatsvertrag für neues Glück sorgt und Lotto Rheinland-Pfalz wieder mehr Internet- und Werbeauftritte eröffnet, ist auch getrübt. Der Vertragsentwurf der 15 Länder ist bei der EU durchgefallen. Deshalb ist offen, ob und welcher Vertrag im Jahr 2012 gelten wird.
Die Präsidentin des Landessportbunds (LSB), Karin Augustin, hofft aber weiter auf den neuen Staatsvertrag: "Ich sehe es nicht so, dass schon alles verloren ist." Ansonsten vertraut sie der Politik: "Das Land muss uns praktisch helfen." Sie baut dabei auf "das Verständnis der Politik, dass das, was der Sport in seiner ganzen Breite leistet, auch kostet".
Eine Diskussion um eine Strukturreform beim LSB mit seinen immerhin drei regionalen Sportbünden Rheinland, Pfalz und Rheinhessen lehnt Augustin ab. "Wir sind stolz, dass wir die Sportbünde haben." Diese sicherten mit ihrem Engagement dezentral einen deutlich besseren Zugang zu der Basis und den 6300 Vereinen im Land - und das "für so kleines Geld". Sie sind also nach ihrer Meinung unverzichtbar. "Ich bin fast sicher, dass es ohne die Sportbünde teurer werden würde", sagt Augustin.
Intern werden Funktionäre noch deutlicher. Landeshilfe versteht man nicht "als guten Willen", sondern eher schon als Verpflichtung, weil das Land schließlich auch als Gesellschafter von Lotto in der Verantwortung stehe. Und mit 1,5 Millionen Mitgliedern ist man sich des großen Einflusses dieser Lobbygruppe auch ziemlich gewiss, zumal von ihr viele gesellschaftliche Aufgaben erwartet werden - ob bei gesundheitlicher Fitness oder bei der Integration.
Dabei hängen die Sportbünde finanziell aber am Tropf des Landes: Die Personal- und Sachausgaben des LSB "werden zu 100 Prozent aus Landesmitteln finanziert", erklärt das Innen- und Sportministerium. "Die Sportbünde finanzieren sich zu rund 60 Prozent aus Landesmitteln." Die restlichen 40 Prozent deckten vor allem die Lotto-Ausschüttungen, die nun wegfallen. Weil diese Dramatik "nicht vorhersehbar" war, gewährt das Land den drei Sportbünden zwei Millionen Euro an Steuermitteln, um vertragliche Verpflichtungen, "insbesondere dem Personal gegenüber", erfüllen zu können.
Und wie geht es weiter? Der drastische Wegfall von Fördergeldern könnte eine Kettenreaktion auslösen: höhere Beiträge der Vereine an die Sportbünde, dadurch auch höhere Mitgliedsbeiträge bei den Vereinen. Die möglichen Folgen: Austritte häufen sich, die Vereine bluten aus. Unter diesem Druck könnte dann auch die Struktur des LSB und der drei Sportbünde auf den Prüfstand kommen, glauben manche Experten.Der Landessportbund und seine Struktur:In Rheinland-Pfalz sind 1 471 512 Mitglieder in 6328 Vereinen organisiert. Diese Zahlen von 2010 gelten als Rekord. Der Organisationsgrad im Land, also das Verhältnis der Vereinsmitglieder zur Gesamtbevölkerung, ist mit 37 Prozent sehr hoch, erklärt der Landessportbund. Der bundesweite Schnitt liegt bei etwa 29 Prozent. Der Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) ist die Dachorganisation des Sports in Rheinland-Pfalz. Daneben gibt es die einflussreichen Sportbünde Rheinland (Koblenz), Pfalz (Kaiserslautern) und Rheinhessen (Mainz) sowie viele Fachverbände. Die Sportbünde sind auch Gesellschafter von Lotto Rheinland-Pfalz. Die drei regionalen Sportbünde, bis zu neuen Bedingungen des Glücksspielstaatsvertrags Mehrheitsgesellschafter der Lotto GmbH, halten noch 49 Prozent. Vom Umsatz muss die Lotto GmbH etwa 35 Prozent an Steuern und Abgaben an das Land Rheinland-Pfalz zahlen, das mit diesen Einnahmen auch den Sport fördert, ob über Sportstätten oder auch über Projekte. RZ

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