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Sprache soll zusammenführen, nicht ausgrenzen: Wie die Idee für ein Trierer Netzwerk entsteht

Sprache soll zusammenführen, nicht ausgrenzen: Wie die Idee für ein Trierer Netzwerk entsteht

Keine Angst vor der "leichten Sprache". Es geht um ein Zusatzangebot, das Menschen hilft, die mit der normalen Alltagssprache manchmal überfordert sind. So wie Beate und Patrick von den Lebenshilfe-Werken in Trier.

Angefangen hat alles auf einer Sitzung des Landesbeirats für behinderte Menschen in Idar-Oberstein. Beate Macher und Patrick Loppnow, beide Mitglieder des Gremiums, studierten die Sitzungsunterlagen. Schnell wurde ihnen klar: Alles viel zu kompliziert. "Dauernd musste man nachfragen", erinnert sich Patrick, "das ist ein ziemlich blödes Gefühl". Fremdworte, Abkürzungen, Schachtelsätze: "Da kriegt man schon Panik", sagt der junge Mann, der in den Lebenshilfe-Werken Trier arbeitet.

Seiner Kollegin Beate Macher geht es ähnlich. Dabei liest sie gern und viel, "am liebsten Biografien wie die von Helmut Schmidt", verrät die 32-Jährige. Aber wenn es um Behördenschreiben geht, Anträge und Satzungen, dann wird es oft schwierig. Ähnlich ist es im Internet. Zwar gibt es Programme zur Verständnishilfe, doch die sind teuer. "Aber ich möchte nicht immer einen Betreuer fragen müssen", sagt Macher.
Kleine Ursache, große Wirkung: Aus der Unzufriedenheit der beiden Behinderten-Aktivisten ist in den vergangenen Monaten das Projekt "Leichte Sprache für Trier" entstanden. Die Lebenshilfe vor Ort hat die Idee aufgegriffen, wichtige regionale Informationen auch in leichter Sprache anzubieten - und sucht nun Mitstreiter für die praktische Umsetzung. Die Aktion Mensch fördert den Einstieg mit einer fünfstelligen Starthilfe.
Die regionale Initiative ist Teil einer bundesweiten Bewegung. Das hat mit einem Bewusstseinswandel zu tun, was den Umgang mit Behinderungen angeht. Im Zeitalter der Inklusion werden Barrieren überall infrage gestellt - auch bei der Sprache.

Und das gilt nicht nur für Menschen mit Behindertenausweis. Zu den Ersten, die sich für einen Kurs in leichter Sprache bei der Lebenshilfe angemeldet haben, gehört Renate Heineck. Sie ist Quartiersmanagerin bei der Caritas in Trier-West und hat oft mit Erwachsenen zu tun, denen das Lesen Probleme bereitet.

"Ich muss schon mal ab und zu Briefe von der Stadtverwaltung an die Bewohner übersetzen", erzählt sie lachend. Die gelernte Journalistin gibt auch eine Stadtteilzeitung heraus. Wenn das Heft möglichst viele Menschen erreichen soll, kann leichte Sprache dabei durchaus helfen. "Aber dafür muss man die Regeln kennen", sagt Heineck.
Die Sprachwissenschaftlerin Christiane Zehrer von der Universität Hildesheim sieht die leichte Sprache als Werkzeug, nicht als Dogma. Ihre Idealvorstellung sind verschiedene Schwierigkeitsebenen zwischen "Normalsprache", einfacher Sprache und leichter Sprache.

Christiane Zehrer gehört zu den Referenten und Diskutanten bei der großen Info-Veranstaltung des Netzwerks "Leichte Sprache für Trier" am 27. Mai um 19 Uhr in der Tufa. Ausführliche Informationen, auch zu den angebotenen Kursen, unter www.leichte-sprache-trier.deExtra

Europawahl in Leicht: Infos zur Europawahl in leichter Sprache: Das hat der Volksfreund mit der Bundeszentrale für politische Bildung zusammengestellt. Online unter www.volksfreund.de/wahlen red