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Sprachlos in Deutschland: Asylbewerber sind meist auf ehrenamtlich organisierte Sprachkurse angewiesen

Sprachlos in Deutschland: Asylbewerber sind meist auf ehrenamtlich organisierte Sprachkurse angewiesen

Nur wer als Flüchtling anerkannt ist, hat in Deutschland einen Anspruch auf Sprachunterricht. Weil aber der schnelle Erwerb der Sprache für die Integration unverzichtbar ist, gibt es zahlreiche ehrenamtlich organisierte Initiativen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Deutsch zu lehren.

Trier. Abdullah hat sich die ersten Wochen in Deutschland anders vorgestellt. Für den 26-jährigen Syrer endete die Flucht vor dem Krieg vorerst in der Aufnahmeeinrichtung in Trier-Nord. Dass er dort mit neun Männern in einem engen Raum schlafen muss, zehrt sichtlich an seinen Nerven. Viel schlimmer ist für ihn aber die Langeweile, zu der er sich verdammt fühlt. "Ich bin Wirtschaftsstudent und will Lehrer werden", sagt er. "Warum habe ich erst für März einen Anhörungstermin für mein Asylverfahren?"

Abdullah erzählt das in englischer Sprache. Gemeinsam mit seinen Landsleuten Ethep, Adman und Feres besucht er an diesem Tag den Deutschkurs im Jugendraum der Evangelischen Stadtmission in Trier, den das Projekt Ankommen unter Federführung des Vereins Arbeitsgemeinschaft Frieden kostenlos für Asylbewerber anbietet. Getragen wird es von Studierenden. "Unser Ziel ist es, den Kursteilnehmern möglichst alltagsrelevante Sprachkenntnisse zu vermitteln, um ihren Start in Deutschland und die Integration in die Gesellschaft zu erleichtern", sagt Anna Clasen, die das Projekt seit Juli leitet. "Der Einstieg in die vier Kurse der drei Niveaustufen ist jederzeit möglich", versichert die 29-jährige Lehramtsstudentin für die Fächer Deutsch und Englisch.

Das Projekt "Ankommen", in dem derzeit 20 Aktive montags, mittwochs und donnerstags den Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen das deutsche Alphabet, Vokabeln und Grammatik näher bringen, ist nicht der einzige ehrenamtlich organisierte Sprachkurs in der Region. So unterrichten pensionierte Lehrer in den Aufnahmeeinrichtungen. Wohlfahrtsverbände wie die Caritas Trier oder das Deutsche Rote Kreuz in Bitburg und Hermeskeil machen den Flüchtlingen Angebote, weil der Bund nur bei anerkannten Migranten die Kosten für Kurse übernimmt. Menschen wie der Bitburger DRK-Chef Rainer Hoffmann oder Rita Michels vom Café Asyl in Daun wissen aber, dass für eine gute Integration keine Zeit zu vergeuden ist. "Allerdings haben wir hier in der Vulkaneifel das Problem, dass viele Menschen 20 und mehr Kilometer entfernt wohnen und sich die Busfahrt gar nicht leisten können", sagt Michels.

Das gilt auch für Feres, den 30-jährigen Kurden aus Syrien, der in Klüsserath an der Mosel wohnt. Die 27 Kilometer zum Sprachkurs in Trier fährt er aber zumindest einmal pro Woche - mit dem Rad. Feres hat es schwieriger als die anderen. Denn er spricht kein Englisch. Dennoch kann er in stockendem Deutsch erzählen, dass er eine Ausbildung zum Gärtner machen will.

Angelika Birk, Sozialdezernentin in Trier, bedauert, dass es in Deutschland für Flüchtlinge, deren Status noch nicht geklärt ist, kein verbindliches Sprachkurssystem gibt. So müssten die Kommunen, teils mit Unterstützung der Länder, eigene Wege finden. Birk: "Es ist rein zufällig, welches Förderangebot ein nicht anerkannter Flüchtling erhält. Das kann in Koblenz ganz anders sein als in Trier und ist garantiert anders als in München." In Rheinland-Pfalz sei das Bild sehr von Improvisation geprägt, sagt die Grünen-Politikerin.

Die Landesregierung verweist bei solchen Vorwürfen auf die Zuständigkeit des Bundes. Dennoch habe man in diesem Jahr die Zahl der geförderten Sprachkurse ausgeweitet - auf "deutlich über 80". In der Region Trier, wo fast 4500 Menschen in Aufnahmeeinrichtungen untergebracht sind, kommt davon wenig an.

Sozialdezernentin Birk: "Die Volkshochschule Trier bemüht sich um den Auf- und Ausbau von Sprachkursen für noch nicht anerkannte Flüchtlinge." Zusätzlich zu den beiden bei der Arbeitsgemeinschaft Frieden mit Landesmitteln geförderten Kursen werde die VHS im Herbst fünf Kurse mit je 100 Stunden anbieten. Deren Finanzierung durch das Land sei bewilligt. Sie sollen aber für die mindestens 850 Flüchtlinge reserviert sein, die Trier von der Afa bis zum Jahresende zugewiesen werden. So konkurriert die VHS mit anderen Trägern. Ehrenamtliche Initiativen wie Ankommen sind auf Spenden und Helfer angewiesen. Damit Menschen wie Feres die langen Monate bis zur Anerkennung ihres Asylantrags nutzen können, um Deutsch zu lernen.Extra

20 junge Ehrenamtliche bieten seit September 2014 kostenlos Deutschunterricht für Flüchtlinge an (montags, mittwochs, donnerstags, 16 bis 18 Uhr). Das Team versucht, an jedem Tag vier Kurse anzubieten: Anfänger, fortgeschrittene Anfänger, Fortgeschrittene und bei Bedarf einen Alphabetisierungskurs. Das Projekt ist spendenfinanziert. Kontodaten der AG Frieden: Konto 113 746 (BLZ 585 501 30 - Sparkasse Trier. IBAN: DE66 5855 0130 0000 113746; SWIFT-BIC: TRISDE55. Betreff: Projekt Ankommen). r.n.