1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Staat spannt Firmen im Kampf gegen die Geldwäsche ein

Staat spannt Firmen im Kampf gegen die Geldwäsche ein

Zu viel Bürokratie oder ein probates Mittel gegen Kriminalität? Vom Herbst an müssen Firmen strengere Regeln bei Bargeld-Verkäufen umsetzen. Die Aufsichtsbehörden hoffen durch das Geldwäschegesetz illegale Deals aufzuspüren. Die Wirtschaft stöhnt über den Aufwand.

Verbrecher sollen es in Zukunft im Land schwerer haben, mit Schwarzgeld Geschäfte zu machen. Mit Hilfe der Wirtschaft will der Staat verhindern, dass Geldwäscher oder Terroristen Einnahmen aus Drogen-, Waffen- oder anderen illegalen Geschäften sauber waschen.

Wenn jemand mehr als 15.000 Euro auf die Ladentheke legt, um ein Auto, ein teures Schmuckstück, eine antike Kommode oder ein edles Reitpferd zu kaufen, muss der Verkäufer dessen Personalausweis kopieren und die Unterlagen mindestens fünf Jahre aufheben. Darüber hinaus müssen vom September an Händler von Luxusgütern, die regelmäßig mit Bargeldverkaufen zu tun haben, einen sogenannten Geldwäschebeauftragten im Unternehmen bestellen — dies allerdings nur, wenn die Firma mehr als zehn Mitarbeiter hat. Das betrifft viele KFZ-Händler und Juweliere, doch auch Antiquitäten- und Kunsthändler.

Das Gesetz gilt eigentlich schon seit drei Jahren, doch nun machen die zuständigen Kreisverwaltungen und Städte mit Hilfe der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Ernst. Erste Kontrollen bei Firmen sind angelaufen. "Viele Betriebe wissen nichts von den Anforderungen oder nehmen sie auf die leichte Schulter", sagt der zuständige Verantwortliche bei der Industrie- und Handelskammer Trier (IHK), Werner Scherf. Der Geschäftsführer des Kraftfahrzeuggewerbes Rheinland-Pfalz, Jens Bleutge, ist mit der Lösung nicht zufrieden. "Auf unsere Unternehmen kommt viel Bürokratie zu. Dabei spielen Bargeldverkäufe kaum eine Rolle."

Bei der ADD sieht man indes viele Vorteile - auch für die Firmen. "Dies ist zum Schutz der Unternehmen, damit sie nicht in illegale Geschäfte geraten", sagt die zuständige Leiterin der Abteilung Claudia Bies. In den vergangenen Monaten wurden rund 17.000 Unternehmen in Rheinland-Pfalz angeschrieben und über ihre Pflichten informiert.

Mit sensiblen Händlern soll laut Gesetzgeber die Aufklärungsquote verbessert werden. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) gab es landesweit weder 2010 noch 2011 aus dem Nichtfinanzsektor Anzeigen wegen Verdachts der Geldwäsche. Zum Vergleich: Aus dem Finanzbereich gingen bei LKA Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr rund 400 Anzeigen ein.