Staatsanwalt ermittelt nicht gegen Ex-Manager

Staatsanwalt ermittelt nicht gegen Ex-Manager

Es wird keine Ermittlungen gegen den ehemaligen Top-Manager der Unternehmensgruppe Reh, Hans-Jürgen Lichter, geben. Es sei kein strafbares Verhalten erkennbar, hat die Trierer Staatsanwaltschaft Lichter mitgeteilt.

Trier. Vor Gericht dürfte der Streit zwischen dem ehemaligen Top-Manager der Trierer Unternehmensgruppe Reh, Hans-Jürgen Lichter, und seinem ehemaligen Arbeitgeber noch eine Weile weitergehen. Für die Ermittler ist der Fall dagegen erledigt. Die Trierer Staatsanwaltschaft wird kein Ermittlungsverfahren gegen Lichter einleiten.
Es gebe keinen Anfangsverdacht für ein strafbares Verhalten, bestätigte der Trierer Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer entsprechende Informationen unserer Zeitung.
Die Staatsanwaltschaft hatte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Lichter, der bis März vergangenen Jahres Vorstandsvorsitzender der zur Reh-Gruppe gehörenden Günther-und-Käthi-Reh-Stiftung war, eingeschaltet.
Sein früherer Arbeitgeber Nick Reh wirft Lichter vor, bei Grundstücksgeschäften auf dem ehemaligen Klostergelände St. Paul in Wittlich gemauschelt zu haben. Die zur Reh-Gruppe gehörende Kloster Machern AG, deren Chef Lichter bis zu seinem überraschenden Rausschmiss war, hatte dort über 200 000 Quadratmeter Grundstücke erworben und dann an zwei zuvor eigens gegründete Gesellschaften weiterverkauft.
Auf dem Areal sollen unter anderem eine Kindertagesstätte und ein Mehrgenerationenhaus entstehen.
Lichter, der zuvor acht Jahre lang an der Spitze der Reh-Stiftung gestanden und in deren Auftrag Millionen Euro vor allem für Immobilienprojekte bewegt hat, war als Chef der Kloster Machern AG verantwortlich für die Grundstücksgeschäfte in Wittlich. Reh wirft ihm vor, die Unternehmensgruppe dabei um mehrere Millionen Euro geprellt zu haben.
Streit um Grundstücksgeschäfte


So soll Lichter die Grundstücke für rund eine Million Euro gekauft und kurze Zeit später für drei Millionen Euro weiterverkauft haben. Unter anderem an die Grundstücksentwicklungsgesellschaft St. Paul, an der Lichter beteiligt ist.
"Dass einzelne Teile des Grundstücks später zu besseren Konditionen haben verkauft werden können, dürfte sich daraus erklären, dass die verkauften Teile des Areals (jedenfalls teilweise) voll erschlossenes und in einem Fall auch schon bebautes Bauland waren", heißt es in der Verfügung der Staatsanwaltschaft, die dem TV vorliegt. Das bedeutet, die Grundstücke waren vor dem Kauf noch nicht baureif und daher günstiger. Durch die Erschließung steigerte sich der Verkaufswert. Daher, so heißt es in dem Schreiben der Staatsanwaltschaft an den Rechtsanwalt von Lichter, sei "kein strafbares Verhalten ersichtlich".
Auch das Beraterhonorar von 100 000 Euro, dass die Kloster Machern AG einer Wirtschaftsberatungsfirma bezahlt haben soll, sei strafrechtlich nicht zu beanstanden, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Der Zahlung seien entsprechende Leistungen vorausgegangen. Für eine Steuerstraftat gebe es keinen Verdacht.
Bereits im Dezember hat das Trierer Finanzamt ein Steuerstrafverfahren gegen Lichter eingestellt, in dem es darum ging, dass dieser eine Bürokraft illegal bei einer Luxemburger Tochterfirma angemeldet haben soll.
Vor Gericht wird der Fall trotzdem weitergehen. Lichter wehrt sich gegen seine Entlassung. Reh lehnt bislang eine außergerichtliche Einigung ab und macht Schadenersatzansprüche gegen den ehemaligen Koch geltend.
Im Mai vergangenen Jahres hatte Lichter zumindest einen Punktsieg gegen Reh erlangt, als er erfolgreich einklagte, dass ihm trotz der Entlassung für März die vollen Bezüge (15 000 Euro plus 1000 Euro Steuerpauschale) zustehen. Reh hatte zuvor behauptet, der im Juni 2011 für weitere fünf Jahre verlängerte Vertrag mit Lichter sei nicht gültig. Das sah das Trierer Landgericht anders und gab Lichter recht. Dieser verlangt nun, dass sein Gehalt wie vereinbart bis 2016 gezahlt werden soll.

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