Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Sabotage-Verdacht im Atomkraftwerk
Doel · Nahe der belgischen Großstadt Antwerpen ist nach Angaben des Betreibers ein Reaktor des Atomkraftwerks Doel sabotiert worden – etwa 200 Kilometern Luftlinie von der Region Trier entfernt.
Das belgische Atomkraftwerk Doel bei Antwerpen muss laut Betreiber, dem Stromkonzern Electrabel, nach einem Sabotageakt repariert werden. Der Reaktor war vergangene Woche zunächst per Notstopp vom Netz genommen worden. Nun sind die Schäden offenbar größer als zunächst erwartet.
Demnach ist die Turbine in einem Reaktorblock von Doel, das etwa 250 Straßenkilometer von Prüm entfernt ist, defekt. Das meldet der flämische Rundfunk VRT. Der ursprüngliche Zeitplan, den Block am kommenden Montag, 18. August, wieder ans Netz zu nehmen, sei laut Electrabel nicht mehr zu halten. Der Reaktorblock werde deshalb frühestens am 15. September wieder ans Netz gehen.
Nach Angaben von Electrabel hatte ein bisher noch unbekannter Mitarbeiter in der vergangenen Woche ein Ölleck an einer Turbine des Block 4 des Kernkraftwerks verursacht. Es sei sehr wahrscheinlich, dass eine oder mehrere Personen rund 65.000 Liter Öl der Turbine hätten auslaufen lassen, so dass die Turbine sich überhitzt habe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Seit Montag werden mehrere Electrabel-Mitarbeiter befragt, die Zugang zu einem Tankraum hatten. Die christliche Angestellten-Gewerkschaft ACOD wies im belgischen Rundfunk Vermutungen zurück, dass die Sabotage etwas mit der Unzufriedenheit der Mitarbeiter über die unsichere Zukunft der Atomenergie in Belgien zu tun haben könnte.
Der technische Zustand des Atomkraftwerks Doel wurde zuletzt immer wieder kritisiert. Die Blöcke 1 und 2 sollen 2015 stillgelegt werden. Laut Betreiber würden sich an den Anlagen, die im Jahr 1975 gebaut wurden, keine weiteren Investitionen lohnen. Der betroffene Reaktorblock hat eine Kapazität von 1039 Megawatt - die Leistung reicht, um eine Großstadt wie Köln mit Strom zu versorgen.