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Städte verschulden sich für Volksfeste: Kritik vom Bund der Steuerzahler

Städte verschulden sich für Volksfeste: Kritik vom Bund der Steuerzahler

Mit dem Sommer naht die Zeit der großen Volksfeste. Um diese zu finanzieren, müssen sich die Städte der Region Geld leihen. Der Bund der Steuerzahler kritisiert dies: Wenn es nicht gelinge, kostendeckend zu arbeiten, müsse man auf solche Großereignisse verzichten.

Viele Städte der Region sind nicht einfach nur pleite, sondern hoffnungslos verschuldet. Aufs Feiern wollen sie dennoch nicht verzichten und geben dafür auch bereitwillig Geld aus, das sie nicht haben.

Trier, das Schulden in Rekordhöhe von 680 Millionen Euro hat, plant auch 2012 die erwarteten 60.000 Euro Verluste des Altstadtfests zu übernehmen. Wittlich wird bei der Säubrennerkirmes 145.000 Euro drauflegen, Bernkastel-Kues bezuschusst das Weinfest der Mittelmosel regelmäßig mit 65.000 bis 95.000 Euro und Bitburg lässt sich das Folklore-Festival bis zu 100.000 Euro kosten.

Diese Ausgaben sind politisch mehrheitlich gewollt. Streit gibt es nur in Traben-Trarbach, dessen erster "Wein-Nachts-Markt" mit mehr als 100.000 Euro ein viel größeres Defizit hatte als erwartet.
Der Bund der Steuerzahler kritisiert, dass die defizitären Kommunen Geld für Volksfeste ausgeben. "Dafür ist der Staat nicht da", sagt Geschäftsführer Stefan Winkel. Solche Ausgaben seien nicht zu rechtfertigen, wenn dafür Kredite aufgenommen werden müssen. Seiner Ansicht nach gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder es gelingt, mithilfe von Sponsoren, ehrenamtlichen Helfern oder Eintrittsgeld kostendeckend zu arbeiten - "oder man muss auf so große Sachen halt verzichten", sagt Winkel. In Trier hatten CDU und Grüne kritisiert, dass die Stadt fürs Feiern weitere Schulden macht. Vergeblich.

Die meisten Politiker stehen hinter den Volksfesten. "Wir hatten bei unserem Weinfest mehr als 230.000 Besucher in fünf Tagen", sagt Wolfgang Port, Stadtbürgermeister von Bernkastel-Kues. Im Umkreis von 40 Kilometern habe es kein freies Hotelzimmer mehr gegeben. Der Kaufkraftrückfluss liege bei 30 Millionen Euro. Aus seiner Sicht dient der städtische Zuschuss der Wirtschafts- und Tourismusförderung. Ähnlich argumentieren auch andere Bürgermeister. Und so können sich Einheimische wie Touristen trotz der schlechten Finanzsituation der Städte auf einen Sommer freuen, der die übliche Auswahl großer Feste bereithält .