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Steuern machen Pillen teurer

Steuern machen Pillen teurer

Noch nie wurden in Rheinland-Pfalz so viele Medikamente verschrieben wie im Oktober. 116 Millionen Euro mussten die Krankenkassen bislang dafür ausgeben, eine Milliarde Euro waren es bislang in diesem Jahr. Grund: die höhere Mehrwertsteuer und mehr Impfungen, die von den Kassen bezahlt werden.

Mainz/Trier. Der Mehrwertsteuer-Schock ist längst überwunden - sollte man denken. Anfang des Jahres stieg die Verbrauchssteuer von 16 auf 19 Prozent und machte das Leben in Deutschland teurer. Die meisten Bürger dürften sich mittlerweile daran gewöhnt haben. Nur nicht die Krankenkassen. Schuld ist vor allem die Mehrwertsteuer

Die Bundesvereinigung der Apothekerverbände legt regelmäßig die Zahlen der Arzneimittelausgaben vor. Am Wochenende wurden die Zahlen für die ersten zehn Monate bekannt. Und trotz aller Reformbemühungen der Politik, Kosten im Gesundheitswesen zu senken, werden die Ausgaben für Medikamente weiter steigen, bundesweit in diesem Jahr um sieben bis acht Prozent. Allein im Oktober wurden laut den Apothekern 14,5 Prozent mehr für Arzneimittel ausgegeben. Schuld daran ist die Mehrwertsteuer-Erhöhung. Allein in Rheinland-Pfalz flossen laut Jörn Simon, Sprecher der Techniker Krankenkasse (TK) in Mainz, bis Oktober 164 Millionen Euro der mehr als eine Milliarde Euro Arzneimittelausgaben an den Fiskus - 26 Millionen Euro mehr als vor einem Jahr, als der Mehrwertsteuersatz noch bei 16 Prozent lag. TK-Landeschefin Anneliese Bodemar fordert daher einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel, wie in anderen europäischen Ländern. Ingesamt sind die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Medikamente und Heilmittel in Rheinland-Pfalz in den ersten zehn Monaten des Jahres um 8,2 Prozent gestiegen. Allein im Oktober wurden 116 Millionen Euro für Arzneimittel ausgegeben. Doch nicht nur die höhere Steuer hat die Ausgaben erneut explodieren lassen (auch im vergangenen Jahr gab es eine Steigerung von über sieben Prozent). Auch die Gesundheitsreform steuert ihren Anteil bei

Auch die Gesundheitsreform hat mit dazu beigetragen, dass die Kassen mehr zahlen müssen. So sind seit April viele Impfungen Pflichtleistungen, das heißt, alle gesetzlichen Kassen müssen die Kosten dafür übernehmen. Darin sieht man auch bei den Ärzten den Hauptgrund, warum die Ausgaben derart gestiegen sind. Allein durch die neue Gebärmutterhalskrebs-Impfung für Mädchen seien die Arzneimittelausgaben deutlich gestiegen, sagt Nicole Giesler, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. Auch dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass im Oktober die Grippezeit beginne und damit ohnehin mehr verschrieben werde als in anderen Monaten. Und zudem mache sich bei den Ausgaben bemerkbar, dass es mehr alte Menschen gebe, die eben häufiger krank würden.