Stillstand am Bahnhof

MAINZ. Neues Leben für alte Bahnhöfe hieß das Motto, als das Innenministerium mit dem Privatunternehmen First Rail Estate (FRE) Anfang 2004 eine Kooperation einging. Auf einen Entwicklungsschub hofften die Kommunen bisher vergeblich. Die Bahn kündigte vielmehr einen Vertrag mit First Rail.

Poststellen, Reiseagentur, Geschäfte und Wohnungen: Hochfliegende Pläne hatte der hessische Bahnhofsbetreiber und Investor FRE, als er vor eineinhalb Jahren einen Kooperationsvertrag mit dem Land unterschrieb, um zusammen mit den Kommunen teilweise über viele Jahre brachliegende Bahnhöfe zu neuer Blüte zu verhelfen. Bundesweit 502 Stationen hat die First Rail bereits von der DB gekauft (darunter Hetzerath, Konz-Karthaus, Schweich und Ürzig), weitere 517 wurden bewirtschaftet und sollten ebenfalls übernommen und vermarktet werden. Doch diesen Vertrag hat die Bahn im Juni gekündigt.Verhandlungen mit den Gemeinden

"Das Geschäft wird rückabgewickelt", sagt Bahn-Sprecherin Ariane Alzer. Über Hintergründe will die Bahn keine näheren Angaben machen. Alzer verweist lediglich auf "Hindernisse in der Umsetzungskonzeption" und juristische Auseinandersetzungen. Zu möglichen finanziellen Schwierigkeiten des Investors nimmt sie keine Stellung. Die DB bestätigt allerdings, dass unter anderem die Bahnhöfe Konz, Salmrohr, Speicher und Wellen/Mosel an die Bahn zurück gehen. Man werde wieder selber mit den Gemeinden über Kauf oder Nutzung der Gebäude reden, so Alzer. FRE selbst ist wenig auskunftsbereit. Anfragen laufen ins Leere. Das Mainzer Innenministerium räumt ein, dass man mit seinem eigens zur Bahnhofsentwicklung gegründeten Kompetenz-Zentrum Bahnimmobilien etwas in der Luft hängt, was die weitere Zusammenarbeit mit FRE angeht. Es habe Gespräche und Vorarbeiten gegeben, eine konkrete Umsetzung von Konzepten sei jedoch nicht absehbar, sagt Ministeriumssprecher Eric Schaefer. Derzeit gibt es keine klaren Verhältnnisse und keine Verbindungen zu First Rail."Beweglich wie ein Amboss"

Vom Einstieg des Privatinvestors hatten sich auch viele Kommunen etwas versprochen, schließlich zeigt sich die DB bei neuen Nutzungen für Bahnhöfe und deren Umfeld "beweglich wie ein Amboss", so der Konzer Bürgermeister Winfried Manns. Vor Wochen habe ihm FRE ein Nutzungskonzept für den Bahnhof Karthaus als Jugend- und Fahrradhotel vorgelegt, bestätigt der Rathauschef. Kostenschätzungen stehen allerdings noch aus. Gerade die Entwicklung dieses städtebaulich schwierigsten Gebietes scheitert nach seinen Angaben seit Jahren ständig an Bedingungen der Bahn, etwa zur Verlegung eines Kabels. Der vielfache Stillstand hängt nicht nur in Konz damit zusammen, dass auf DB-Seite meist mehrere Tochtergesellschaften zu beteiligen und damit Reibungsverluste programmiert sind. Auch am eigentlichen Bahnhof der Stadt am Saar-Mosel-Eck hat sich bisher nichts Sichtbares getan, obwohl die Kommune laut Manns mehrfach ihr Interesse gegenüber der Bahn bekundet hat. Das einzige klassizistische Gebäude im Stadtbild, das als einer der schönsten Bahnhöfe zwischen Koblenz und Apach gilt, soll unbedingt erhalten werden. Doch wie es mit den Bahnhöfen weitergehen soll, weiß auch die DB nicht genau. "Wir werden mit dem Kommunen über Verschönerung und Nutzungskonzepte reden", sagt Bahn-Sprecherin Alzer lediglich - ohne konkret zu werden.