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Streit um die gerechte Formel

Streit um die gerechte Formel

In der Politik besteht weiterhin Uneinigkeit über eine mögliche Rentenreform. Die "Rente mit 70" werde "in jedem Fall kommen", sagte der Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak (CDU). Wer etwas anderes behaupte, sei "unehrlich".

Berlin. "Die gerechte Faustformel lautet: drei Monate zusätzlich Lebenserwartung bedeuten zwei Monate länger arbeiten", sagt der frühere Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD). Er kritisierte zugleich die Renten-Pläne seiner früheren Partei: "Wer höhere Rentenniveaus verspricht, verschweigt aus naheliegenden Gründen die damit verbundenen Kosten." Norbert Blüm (CDU), ebenfalls ehemaliger Arbeitsminister, forderte eine Abschaffung der Altersgrenze bei der Rente. Vielmehr solle der Zeitpunkt bestimmt werden, ab dem es Rentenzuschläge gebe. "Die Leute sind erwachsen, sie können selbst entscheiden, wann sie in Rente gehen", so Blüm.
Kritik an der Debatte übte Caritas-Präsident Peter Neher. Sie sei "nicht hilfreich und verursacht Ängste", sagte er. Anstelle vereinfachender Schlagzeilen brauche es eine sachliche Debatte darüber, wie auch künftige Generationen im Alter mit einer angemessenen Rente gut leben könnten.
Neher sprach sich für eine Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge aus. Auch bei der privaten Vorsorge wie der Riester-Rente gebe es Reformbedarf. "Und wir brauchen mehr Flexibilität beim Renteneintritt. Denkbar wären zum Beispiel Mischmodelle von Rente und individuell vereinbarten Hinzuverdienstmöglichkeiten."
Der Unionsmittelstand fordert ein Ende der Debatte über die Abschaffung der Riester-Rente. "Denn ohne private Vorsorge wird eine auskömmliche Altersversorgung nicht funktionieren", heißt es in einem Papier der CDU/CSU-Wirtschaftsvereinigung (MIT). "Die Debatte um die Zukunft der Alterssicherung droht in die falsche Richtung zu laufen", so die Unionsmittelständler. KNA/dpa

Extra

Wie entwickelt sich die Rente? Steigen sollen die Renten auch in Zukunft - bis 2029 im Schnitt aber um nur rund zwei Prozent pro Jahr. Dämpfungsfaktoren bewirken, dass sich die Renten immer mehr von den Löhnen abkoppeln, erkennbar am Rentenniveau. Heute liegt es bei rund 48 Prozent, bis 2029 sind noch knapp 45 Prozent vorhergesagt. dpa