Streit um Ex-Topmanager geht weiter

Streit um Ex-Topmanager geht weiter

Der seit Monaten dauernde Streit zwischen dem im März entlassenen Chef der Kloster Machern AG, Hans-Jürgen Lichter, und der Unternehmensgruppe Reh (Sektkellerei Schloss Wachenheim) geht in die nächste Runde. Reh erhebt neue Vorwürfe gegen Lichter. Die Trierer Staatsanwaltschaft prüft, ob ein Verdacht wegen Untreue gegen den Ex-Topmanager vorliegt.

Der geschasste Topmanager Hans-Jürgen Lichter. Foto: Willy Speicher.

Trier. Ginge es nach Hans-Jürgen Lichter, dann wäre heute der Streit mit der Unternehmerfamilie Reh, der die Sektkellerei Schloss Wachenheim, gehört, beendet. Zumindest juristisch. Seit März liegt Lichter mit Nick Reh, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Wachenheim AG, im Clinch.
Bis dahin war der 50-jährige Lichter Vorstandsvorsitzender der zum Reh-Imperium gehörenden Kloster Machern AG und bewegte als Geschäftsführer einiger Tochter-Unternehmen des Reh-Imperiums, die vor allem in Immobilienprojekten tätig sind, Millionen. Vor über acht Monaten wurde der Topmanager fristlos entlassen, obwohl sein Vertrag ein Jahr zuvor gerade erst um fünf Jahre verlängert worden war. Auch die drei Aufsichtsräte der AG, darunter Günther Passek, Vorstandsmitglied der Trierer Sparkasse, mussten ihre Plätze räumen (der TV berichtete).
Die Kloster Machern AG betreibt unter anderem das gleichnamige Kloster im Kreis Bernkastel-Wittlich und hat zwischen 2008 und 2009 ein über 200 000 Quadratmeter großes Grundstück auf dem Gelände des ehemaligen Missionshauses St. Paul in Wittlich erworben. Später wurde die Liegenschaft an eine eigens gegründete Grundstücksentwicklungsgesellschaft und eine Immobiliengesellschaft verkauft. An beiden Gesellschaften ist Lichter beteiligt.
Reh wirft dem ehemaligen Kloster-Machern-Chef vor, die Grundstücksflächen zu einem höheren Preis als dem ursprünglichen Kaufpreis verkauft zu haben. Lichter soll das Geld, so der Vorwurf, in die eigene Tasche gesteckt und der Kloster Machern AG einen Millionenschaden zugefügt haben.
Der ehemalige Topmanager wehrt sich gegen seinen Rausschmiss. Im August fand dazu eine Verhandlung vor der Handelskammer des Trierer Landgerichts statt. Zunächst sah es so aus, als ob es zu einer Einigung kommen könnte: Nick Reh zieht seine Kündigung zurück, Lichter bleibt bis Ende des Jahres angestellt, wird aber freigestellt und erhält die Hälfte seiner ihm bis Ende seines Vertrages zustehenden Bezüge, rund 700 000 Euro. Lichter hat nach TV-Recherchen ein Jahresgehalt von 180 000 Euro erhalten. Bis heute hatte das Gericht beiden Seiten Zeit gegeben, darüber zu verhandeln. Doch dieser Kompromiss kommt nun wohl nicht zustande. Entsprechende Gespräche zwischen den beiden Parteien hätten nicht stattgefunden, bestätigten sowohl eine Sprecherin einer Münchener Kommunikationsagentur, die für Reh arbeitet, als auch Lichters Anwalt Gerrit Strotmann. Stattdessen werden neue Vorwürfe gegen Lichter erhoben. "Die Kloster Machern AG hat im Rahmen der fristlosen Kündigung von Herrn Lichter weitere von Herrn Lichter begangene Straftatbestände der Untreue, des versuchten Subventionsbetrugs und der Beihilfe zur Steuerhinterziehung beim Landgericht Trier schriftlich vorgelegt", sagte Reh-Sprecherin Barbara Hoffmann. Bei der Beihilfe zur Steuerhinterziehung soll es nach TV-Informationen um die Pro-forma-Beschäftigung einer Angestellten in einer Luxemburger Tochter-Firma gehen, die dann aber überwiegend in Deutschland gearbeitet haben soll. Außerdem, so die Reh-Sprecherin, ermittele die Trierer Staatsanwaltschaft wegen Untreue gegen Lichter.
Das stimmt so nicht, wie Recherchen des Volksfreunds ergaben. Aufgrund der Berichterstattung im TV habe die Staatsanwaltschaft ein Prüfverfahren eingeleitet und die Akten des Zivilprozesses beim Landgericht Trier angefordert, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer. "Die Akten werden jetzt zur Prüfung eines Anfangsverdachts einer Straftat ausgewertet." Bei einer solchen Prüfung werde untersucht, ob es tatsächliche Anhaltspunkte gebe, die es möglich oder plausibel erscheinen ließen, dass eine Straftat verübt worden ist. Eine Strafanzeige gegen Lichter liege nicht vor.
Lichter-Anwalt Strotmann weist die Vorwürfe zurück. Es gebe keine neuen Anhaltspunkte, sagte er dem Volksfreund. Am 20. Dezember soll erneut vor dem Trierer Landgericht verhandelt werden. Strotmann hofft, dass es im Januar zu einem Urteil kommen kann.
Im Mai hatte Lichter zumindest einen Punktsieg gegen Reh erlangt, als er erfolgreich einklagte, dass ihm trotz der Entlassung für März die vollen Bezüge (15 000 Euro plus 1000 Euro Steuerpauschale) zustehen. Reh hatte zuvor behauptet, der im Juni 2011 verlängerte Vertrag mit Lichter sei nicht gültig, weil ihn nur der Vorsitzende des Kloster-Machern-Aufsichtsrates, Sparkassenvorstand Passek, unterschrieben habe. Das sah das Trie-rer Landgericht anders und gab Lichter recht.

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