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Streit um Unkraut-Gift: Bauern sind sauer auf das Land

Streit um Unkraut-Gift: Bauern sind sauer auf das Land

Rheinland-Pfalz will die Nutzung des womöglich krebserregenden Unkraut-Giftes Glyphosat einschränken. Kommunen dürfen es nicht mehr verwenden. Auch in der Landwirtschaft soll es weniger eingesetzt werden. Hobbygärtner können das Gift weiter verwenden.

Trier/Mainz. Hobbygärtner kennen das: Das Unkraut sprießt auf der Terrasse und auf Wegen, wo man es nicht haben möchte. Statt es mühsam auszurupfen, greifen viele zu einem Unkrautvernichtungsmittel aus dem Baumarkt. Die meisten dieser Mittel enthalten Glyphosat, einen künstlich aus Phosphat hergestellten Stoff. Im Mai schlug die Weltgesundheitsorganisation Alarm. Glyphosat sei "wahrscheinlich" krebserregend. In Frankreich wurden Produkte, die den chemischen Stoff enthalten, daraufhin verboten. In Deutschland und auch in Luxemburg haben einige Geschäfte die Produkte aus den Regalen genommen. Ein generelles Verbot gibt es bislang in beiden Ländern nicht.
Umstrittene Glyphosat-Studie


Vor einer Woche legten die Grünen in Deutschland eine umstrittene Studie vor, wonach Glyphosat in Muttermilch nachgewiesen worden sei. Experten zweifeln allerdings die Aussagekraft der Studie an. Rheinland-Pfalz hat daraufhin den Einsatz von Glyphosat auf öffentlichen Plätzen verboten. "Die Hinweise auf eine gesundheitsschädliche Wirkung von Glyphosat verdichten sich, deshalb wollen wir den Einsatz des Mittels so weit wie möglich einschränken", sagt Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne).
In Rheinland-Pfalz seien Rückstände von Glyphosat im Oberflächenwasser nachgewiesen worden. Viele Nutzer der entsprechenden Produkte seien sich der Gefahr nicht bewusst und setzen sie zu sorglos ein. Dadurch landete der Stoff in der Kanalisation. Daher sollen Mittel, die Glyphosat enthalten, ab sofort von den Grünflächenämtern der Kommunen nicht mehr zur Unkrautvernichtung eingesetzt werden.Höfken für Verbot vor der Ernte


Die kommunalen Gärtner sollen stattdessen das Kraut ausrupfen oder abflämmen. Die Kommunen brauchen für den Einsatz von Glyphosat eine Genehmigung des Pflanzenschutzdienstes bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. 2013 sind laut Höfken 50 solcher Genehmigungen erteilt worden.
Landwirte brauchen eine solche Genehmigung nicht. Meist werde dort Glyphosat vor der Aussaat, vor und nach der Ernte eingesetzt, sagt Höfken. Sie mache sich dafür stark, den Einsatz vor der Ernte zu verbieten. Ein generelles Verbot könne das Land nicht durchsetzen.
Die Bauern reagieren sauer. Für die Landwirtschaft sei Glyphosat "äußerst wichtig, weil er Unkräuter hervorragend bekämpft", sagt Herbert Netter, Sprecher des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau in Koblenz. In der Landwirtschaft würden strikte Regeln für die Anwendung von Unkrautvernichtungsmitteln gelten.
Netter hält die von Höfken angeführten gesundheitlichen Risiken für nicht so hoch. Die nachgewiesenen Rückstände von Glyphosat im menschlichen Körper lägen unterhalb eines gesundheitlich bedenklichen Bereichs. "Die Bauern und Winzer sind es leid, dass sich Grüne auf ihrem Rücken profilieren wollen, um Wählerstimmen zu gewinnen - wohlwissend, dass sehr viele Menschen weder die Grenzwerte noch fachliche Hintergründe kennen", kritisiert Netter.