1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Streit ums Abitur: Lehrer wollen einheitlichen Abitur-Termin

Kostenpflichtiger Inhalt: Bildungspolitik : Streit ums Abi: Lehrer fordern einheitlichen Termin im Land

Die Abschlussprüfungen sind je nach Schule zu unterschiedlichen Zeiten. Das Bildungsministerium verteidigt das: Gymnasiasten könnten dadurch früher mit dem Studium beginnen.

Tausende Abiturienten an Gymnasien und Gesamtschulen schreiben in diesen Tagen ihre Abi­turarbeiten. Oberstufenschüler an Gymnasien, an denen bereits in der zwölften Klasse Abitur gemacht wird (sogenannte G 8-Gymnasien) oder Schüler von Abendgymnasien, Beruflichen Gymnasien und Waldorfschulen schreiben erst im Mai ihre Abschlussprüfungen. Danach folgen die mündlichen Prüfungen. Kurz vor den Sommerferien haben diese Schüler dann ihr Abitur in der Tasche. An den Gymnasien ist das bereits Ende März der Fall. Diese verkürzte Gymnasialzeit wurde zum Schuljahr 2001/02 eingeführt.

Mit diesem achteinhalbjährigen Gymnasium soll Schluss sein, verlangt der Philologenverband, der die Interessen der Gymnasiallehrer vertritt. Abiturprüfungen sollten an allen Schulen und wie in anderen Bundesländern einheitlich im Sommer stattfinden, fordert Cornelia Schwartz, Landeschefin des Verbandes. Wegen des Sondertermins sei es Rheinland-Pfalz verwehrt, ein gemeinsames Abitur mit anderen Bundesländern zu schreiben.

Schwartz wendet sich damit direkt an die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin ist seit vergangener Woche Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, dem Zusammenschluss der Bildungsminister der Länder. In dieser Funktion hat sich Hubig gegen „Extrawürste in den Ländern“ ausgesprochen. Sie meinte damit, dass sich Bayern und Baden-Württemberg weiterhin weigerten, an dem rollierenden System des Beginns der Sommerferien teilzunehmen.

Schwartz fordert, dass es auch bei den Abiturprüfungen keine „Extrawürste“ geben soll. „Jetzt, wo der Ruf nach Vergleichbarkeit in der Abiturprüfung immer lauter wird, lässt sich der rheinland-pfälzische Sonderweg, mit dem die damalige Landesregierung hauptsächlich Gymnasiallehrerstellen eingespart hat, nicht mehr rechtfertigen“, sagt die Verbandschefin.

Im Bildungsministerium sieht man allerdings keinen Grund, den frühen Abiturtermin zu verschieben. „Das vorgezogene Abitur in Rheinland-Pfalz ist die passende Antwort für die, die früher Abitur machen wollen“, sagt ein Sprecher des Ministeriums. Die Schüler könnten den Zeitgewinn „gut nutzen, um gleich zum Sommersemester ihr Studium, Praktika oder Auslandsaufenthalte zu beginnen“. Außerdem werde das Prüfungshalbjahr dadurch entzerrt.

Auch der Landeselternbeirat spricht sich für einen einheitlichen Abiturtermin aus. Beiratsvorsitzender Reiner Schladweiler legt sich allerdings nicht fest, welchen Termin er bevorzugt. Er warnt aber davor, durch diese Diskussion das G 8-Gymnasium infrage zu stellen. „Ich bin kein Befürworter des Turbo-Abis. Aber solange die Eltern ihre Kinder dort anmelden, hat das G 8 in meinen Augen auch eine Berechtigung“, so Schladweiler.

Die Landesschülervertretung ist gegen ein bundesweit einheitliches Abitur. Gleiche Abschlussprüfungen könnten nur dann für alle Schüler gerecht sein, „wenn sie auch alle gleich auf diese Prüfungen vorbereitet werden“, sagt Jonah Simon, Vorstandsmitglied der Schülervertretung. Solange sich die Bildungssysteme und Lehrpläne in den Bundesländern unterscheiden würden, könne es kein einheitliches Abitur geben.