Stress in Job und Familie macht immer mehr Menschen krank - Zahl der Fehltage wegen Depressionen steigt stark

Stress in Job und Familie macht immer mehr Menschen krank - Zahl der Fehltage wegen Depressionen steigt stark

Immer öfter fallen Arbeitnehmer wegen psychischer Erkrankungen aus. Auch in der Region geht mittlerweile jede fünfte Krankmeldung etwa auf Depressionen zurück. Grund ist der zunehmende Stress in Job und Privatleben.

Seit Wochen fühlt sie sich ausgelaugt, müde, überfordert. Die Arbeit fällt ihr schwer, sie kann sich nicht konzentrieren. Sie ist antriebslos, hat ständig Kopfschmerzen. Die Frau hat eine Depression. Und wie sie leiden immer mehr Deutsche darunter. Die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen steigt.

Im vergangenen Jahr musste fast jeder 20. Arbeitnehmer deswegen zeitweise zu Hause bleiben. Das ergab eine Auswertung der Krankenkasse DAK. Auch in der Region belegen Depressionen und Angstzustände den zweithäufigsten Grund für Krankschreibungen (hinter Muskel-Skelett-Erkrankungen wie etwa Rückenproblemen). Die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen ist laut DAK allein in der Region um fast 40 Prozent gestiegen.

In Rheinland-Pfalz ist die Zahl seit 2000 um 116 Prozent gestiegen. Häufigste Ursache für Depressionen ist laut DAK chronischer Stress. Vor allem die Belastung mit Job, Privatleben, Familie (mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen) mache immer mehr Arbeitnehmern zu schaffen, sagt Claus Uebel, Sprecher der DAK Rheinland-Pfalz. Sind die Menschen also depressiver geworden? "Nein", sagt Alfred Kappauf, Präsident der Landespsychotherapeutenkammer. Die Akzeptanz psychischer Erkrankungen sei größer geworden. Wer eine Depression habe, gehe oftmals offener damit um.

Auch Arbeitgeber und Ärzte seien sensibler geworden, was diese Erkrankungen angeht, sagt Kappauf. Und je schneller eine Behandlung erfolge, desto größer seien die Chancen einer Heilung. Doch genau darin sieht Kappauf ein Problem. Im Schnitt bis zu sechs Monate müssen psychisch Kranke in Rheinland-Pfalz auf einen Termin bei Psychotherapeuten warten. Es gebe zu wenig Therapeuten im Land. "Nicht selten dauert es sogar bis zu einem Jahr bis zur ersten Therapie", kritisiert Kappauf.