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Strom- und Gaspreisbremse​: Entlastungen für Familien und Singles

Strom- und Gaspreisbremse : So werden Familien und Singles entlastet – Rechnung für einen Musterhaushalt

Sowohl Familien als auch Singlehaushalte sollen durch die Preisbremsen entlastet werden. Doch wer spart wie viel? Ein Überblick über verschiedene Szenarien. In jedem Fall müssen Mieter jedoch Geduld haben, bis sie die Dezember-Hilfe bekommen.

Am Tag danach begann das große Rechnen: Was bringen die Beschlüsse der Ministerpräsidenten wem? Und was tut das Land? Die Schlaglichter.

Strompreisbremse Der Strompreis soll für ein Grundkontingent von 80 Prozent des historischen Verbrauchs auf 40 Cent je Kilowattstunde gedeckelt werden. Aktuell liegt der Strompreis bei 48 Cent. Das Vergleichsportal Check 24 hat berechnet, was das bedeutet: Eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden Strom im Jahr würde demnach um 320 Euro entlastet. „Ein Single mit einem Verbrauch von 1500 Kilowattstunden würde um 96 Euro jährlich entlastet werden“, sagt Florian Stark.

Gaspreisbremse Der Gaspreis soll spätestens ab März für ein Grundkontingent auf 12 Cent je Kilowattstunde gedeckelt werden. Aktuell zahlen Verbraucher durchschnittlich 18,6 Cent. Das Grundkontingent soll nun 80 Prozent des prognostizierten Jahresverbrauchs betragen. Eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden würde dadurch um 1056 Euro pro Jahr entlastet werden, ein Single mit einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden um 264 Euro. Allerdings hat sich für viele die Gasrechnung gegenüber dem Vorjahr fast auf das Dreifache erhöhte, die Bremse fängt nur einen Teil der Erhöhungen auf.

Soforthilfe Gas Im Dezember sollen die Verbraucher einmalig entlastet werden, indem die Abschlagszahlung entfällt. Eine Familie mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden zahlt aktuell 3726 Euro im Jahr für Gas. „Durch die Übernahme eines Abschlags im Dezember spart sie knapp 311 Euro. Ein Single mit einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden spart 86 Euro“, so Check 24. Mieter müssen sich aber noch gedulden: „Die Entlastung des Vermieters wird an die Mieter mit der Betriebskostenabrechnung für 2022 weitergegeben“, heißt es im Papier von Länder-Chefs. Das wird also erst 2023 etwas. Ähnliches gilt für Wohnungseigentümergemeinschaften: Auch sie müssen die Entlastung mit der Abrechnung für 2022 an die Eigentümer weitergeben.

Gewinn-Abschöpfung Der Bund will die Preisbremsen unter anderem aus der Abschöpfung von so genannten Zufallsgewinnen bei Energiekonzernen finanzieren. Das kann der Eon-Konzern durchaus nachvollziehen: „Es ist richtig, dass die Bundesregierung plant, eine ,Solidarity Contribution´ von Unternehmen in den Bereichen Erdöl, Erdgas, Kohle einzuführen. Denn sie profitieren aktuell von den kriegsbedingt hohen Preisen“, sagte der Eon-Sprecher. Er warnte aber vor einer rückwirkenden Abschöpfung: „Dies wäre ein sehr negatives Signal. Wir müssen uns aus der Krise herausinvestieren. Dafür braucht es sichere Investitionsbedingungen.“ Eon begrüßt, dass der Bund den Plan aufgegeben hat, die Abschöpfung rückwirkend zum 1. März vorzunehmen. „Aber auch eine Rückwirkung zum 1. September 2022, wie sie jetzt offenbar verfolgt wird, ist problematisch.“ RWE warnt ebenfalls vor einer rückwirkenden Abschöpfung.

Rettungsschirm für Stadtwerke Schwarz-Grün in NRW spannt nun einen Rettungsschirm für Versorger auf. Das Instrument dafür ist eine sogenannte einmalig nutzbare Haftungsfreistellung bis zu einer Höhe von fünf Milliarden Euro. Sollten also Kommunen Hilfskredite für ihre Stadtwerke benötigen, aber nicht mehr zurückzahlen können, springt das Land bei der Förderbank für die Haftung ein. Die Stadtwerke müssen teilweise zu deutlich höheren Preisen Gas zukaufen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Die Mehrheit der Stadtwerke tut dies nicht an Energiebörsen, wo der Strompreis zuletzt deutlich gesunken war, sondern im außerbörslichen OTC-Handel (Over the counter). „Hierfür existieren bisher keine hinreichenden Hilfsprogramme des Bundes“, heißt es im Antrag.

Flüchtlinge Zugleich sollen die Kommunen nicht-verbrauchte Unterstützungmittel des Bundes zur Bewältigung der Flüchtlingskrise länger nutzen können als vorgesehen. Mitte des Jahres wurden den Gemeinden und Gemeindeverbänden insgesamt 323,1 Millionen Euro Mittel ausgezahlt – diese hätten bis Jahresende verbraucht werden müssen. Die Gemeinden müssen nun erst 2024 nachweisen, wofür sie die Mittel eingesetzt haben.