Strompreise: Was Verbraucherschützer raten

Kostenpflichtiger Inhalt: Energie : Stromwucher: Das raten Verbraucherschützer

Zu viele Rheinland-Pfälzer zahlen zu viel Geld in der Grundversorgung, sagen Experten. Sie fordern auch die Politik zum Handeln auf.

Es kann ganze Abende füllen, bis Verbraucher sich durch den Wust an Stromanbietern gekämpft haben, auf der Suche nach dem günstigsten Angebot. Geht es nach der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale, lohnt es sich aber, die Augen auf dem Markt offenzuhalten. Eine Studie, in der die Verbraucherschützer alle 57 Grundversorger des Landes unter die Lupe nahmen, zeigt eklatante Unterschiede in den Preisen.

„Die Versorger bieten allesamt noch deutlich günstigere Sonderverträge zu gleichen Leistungen an, auch ein Wechsel zu einem neuen Anbieter kann sich lohnen“, sagt Fabian Fehrenbach, Referent für Energierecht in der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Diese bietet an, unzufriedene Strompreis-Kunden zu beraten, um das richtige Angebot zu finden. „Verbraucher sollten jährlich die Strompreise verschiedener Anbieter unterscheiden, weil Tarife sich verändern“, sagt Fehrenbach. Dabei gelte es in dem Dschungel an Aufgeboten, sich vor schwarzen Schafen in Acht zu nehmen. Denn unter Stromanbietern gebe es auch eine kleine Zahl, „die ihre Kunden nicht über Erhöhungen während des laufenden Vertrages informieren und diese einfach ohne einen Hinweis in der Jahresabrechnung ausweisen“. Der Verbraucherschützer rät daher, in den Abrechnungen zu prüfen, ob die fällige Summe tatsächlich auch im Vertrag vereinbart wurde. „Wenn das nicht der Fall ist, ist das unzulässig und der Kunde nicht zur Zahlung verpflichtet“, sagt der Verbraucherschützer.

Credo der Verbraucherzentrale ist, aus der teuren Grundversorgung auszusteigen, die immer noch rund 28 Prozent der Kunden in Deutschland nutzten. Ein Vergleich aller Grundversorger in Rheinland-Pfalz zeigt: Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Anbieter unterscheiden sich die Kosten um 268 Euro, wenn ein Privathaushalt 3600 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht. Sonderverträge, die Grundversorger anbieten, sind bei gleicher Leistung um bis zu 216 Euro pro Jahr günstiger.

Geht es um die teure Grundversorgung, sehen Verbraucherschützer einen Zusammenhang zwischen hohen Kosten bei Strombeschaffung, Vertrieb und Marge, bei denen in der Studie die teuersten Anbieter hervorstechen. Bei ihnen hegt die Verbraucherzentrale den Verdacht von „suboptimaler Beschaffungsstrategie“, einem „weniger effizienten Vertrieb“ und einer „höheren Marge“. Das Fazit der Experten: „Günstige Grundversorger haben offensichtlich erfolgreiche Beschaffungsstrategien, niedrige Vertriebskosten und vergleichsweise niedrige Margen zum Vorteil ihrer Kunden.“

Die weitere Kritik der Verbraucherschützer an Grundversorgern: Zwischen 2011 und 2016 stark gesunkene Beschaffungskosten für Strom seien kaum an Verbraucher weitergegeben worden. Gestiegen sei der Anteil von Anbietern, die einen Grundpreis erheben, der von wahrem Verbrauch unabhängig ist. Hätten im Jahr 2010 noch 22 Prozent der Netzbetreiber keinen Grundpreis für Netzkosten erhoben, sei dies heute nur noch bei einem Prozent der Anbieter der Fall. „Das führt zu Nachteilen bei denen, die auf niedrigen Stromverbrauch achten, weil sich bei ihnen der Grundpreis stärker auswirkt“, sagt Fehrenbach.

Die Verbraucherzentrale nimmt auch die Politik in die Verantwortung. Fehrenbach spricht sich für eine Pflicht aus, nach der alle Grundversorger nach spätestens drei Monaten mitteilen müssten, dass sie noch andere Angebote haben. „Viele Verbraucher sind überfordert mit der Vielfalt, ältere Menschen nicht so internetaffin“, sagt er. Da falle es schwer, zu wechseln. Auch ein negativer Schufa-Eintrag dürfe nicht dazu führen, dass Kunden in der Grundversorgung gefangen seien und nicht in einen günstigeren Tarif wechseln dürften.

Hartz-IV-Sätze müssten steigen, um Ärmere zu entlasten, fordern Verbraucherschützer. 63,01 Euro bekomme ein Haushalt mit zwei Erwachsenen derzeit pauschal. Bei einem jährlichen Stromverbrauch von 3160 Kilowattstunden liege aber schon der günstigste Grundversorger in Rheinland-Pfalz mit 73,92 Euro über dem Satz, beim teuersten müssten Verbraucher 93,56 Euro berappen.

Bei Abgaben sei das Klimapaket der Bundesregierung, das eine sinkende Ökostrom-Umlage vorsieht, kein Befreiungsschlag. Ein Mehrpersonenhaushalt, der 3600 Kilowattstunden pro Jahr verbrauche, könne dadurch gerade mal zehn Euro einsparen, sagt Fehrenbach.

Die Verbraucherzentrale hilft vor Ort, passende Angebote zu finden. Termine lassen sich unter der kostenlosen Hotline unter 0800/ 6075600 oder per Mail an info@vz-rlp.de vereinbaren.

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