Studieren kann zum Luxus werden

Studieren kann zum Luxus werden

TRIER. Studieren ist teuer. Ein Großteil der Studenten muss jobben, um sich ein Studium überhaupt leisten zu können, mit Studentenjobs, die selten mehr als 400 Euro im Monat abwerfen. Ohne das Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) wäre das Studium für viele gar nicht zu schaffen.

Marietta Jung (Name geändert) wollte nach dem Abitur 1994 studieren. Selbstverständlich stimmten ihre Eltern zu, ohne zu wissen, wie hoch der finanzielle Aufwandes für den Lebensunterhalt ihrer Tochter während ihrer Uni-Jahre sein wird. Marietta begann ihr Studium nicht gleich nach dem Abitur, sondern ging für ein Jahr als Au-Pair in die USA. Dann erst begann sie ihr Studium an der Sporthochschule Köln. Nach dem Vordiplom ging es wieder zurück in die USA. Ihr Studienjahr in New York hat sie mit Bafög finanziert. Mehrere tausend Euro Studiengebühren pro Semester fallen dort an. Ohne die Auslandsförderung hätte Marietta ihr Studium dort gar nicht finanzieren können. Ausbildungsförderung für ein Auslandsstudium wird in der Regel für ein Jahr gezahlt. Das Studentenwerk Hamburg, Amt für Ausbildungsförderung, ist zuständig für die Bafög-Zahlung während eines Studiums in den USA. Deutsche Studenten, die ohne Austauschprogramm oder Stipendium dort studieren wollen, brauchen einen langen Atem, um alle bürokratischen Hürden zu überwinden. Auf Formblättern muss man detaillierte Informationen über das Studium im Ausland zusammenstellen, ehe eine Bafög-Zahlung gewährleistet wird. Beim Studium in Deutschland ist der Zeitraum für eine Bafög-Zahlung genau festgelegt. Nur in Ausnahmefällen geht er über die Regelstudienzeit hinaus. Fällt beispielsweise Kindererziehung in die Studienzeit, wird die Bafög-Zahlung verlängert. In Deutschland beträgt der Baföghöchstsatz 530 Euro und ist unter anderem abhängig vom Einkommen der Eltern. Für die Zahlung des Höchstsatzes müssen Studierende eine eigene Wohnung haben und eine Miete von rund 200 Euro nachweisen können. Doch nur in wenigen Fällen wird dieser Höchstsatz gezahlt. Zuzüglich zu dem gezahlten Bafög kann ein Bildungskredit beantragt werden. Hier bietet die Bundesregierung Studenten im fortgeschrittenem Studium einen zinsgünstigen Kredit an, um zu verhindern, dass die Ausbildung aufgrund fehlenden Geldes abgebrochen wird. Die Bafög-Stelle der Universität Trier hat 2003 laut Justitiar und Abteilungsleiter Bernd Michel insgesamt 12,7 Millionen Euro Bafög an über 5000 Studenten der Universität Trier, der Fachhochschule Trier sowie der angegliederten Fachhochschule Birkenfeld gezahlt. Michel rät Studenten: "Suchen Sie so schnell wie möglich die Bafög-Stelle auf, um den Antrag auf Ausbildungsförderung zu stellen. Nur wer die Förderung gleich beantragt, kann auch schnell über seine erste Bafög-Zahlung verfügen, denn der Bearbeitungszeitraum ist in der Regel sehr lang, da es an Personal mangelt und sich bei Semesterbeginn die Anträge häufen."Saure-Gurken-Zeit zum Studien-Ende

Ist die Zahlung erst einmal in Gang gekommen, kann der Student mit der Bafög-Zahlung für die Regelstudienzeit zwischen sieben und zehn Semestern rechnen. Marietta Jung musste wegen ihres Auslandsaufenthaltes ihr Studium verlängern. Irgendwann erhielt sie dann kein Bafög mehr. Die letzten beiden Semester hieß es daher: Sparsam sein, einen Nebenjob suchen, damit auch diese Saure-Gurken-Zeit ein Ende nimmt. Kommt es an allen Unis zu Studiengebühren, könnte diese Saure-Gurken-Zeit für viele Studenten zum Dauerzustand werden. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel müssen seit dem Sommersemester 2004 Langzeitstudenten und diejenigen, die ein Zweitstudium absolvieren wollen, 650 Euro Studiengebühren zahlen.

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