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Stürme, Dürre und gelbes Gras

Stürme, Dürre und gelbes Gras

So wenig strahlend das Wetter kurz vor dem kalendarischen Sommerbeginn auch sein mag – es ist viel zu trocken. Ob die Ursache im Klimawandel liegt, kann niemand sagen. Experten rechnen allerdings damit, dass dieser zu einer Umverteilung der Niederschläge führt.

Dominik Jung ist selten verlegen, wenn es darum geht, neue Wetterbegriffe zu prägen: Mal prognostiziert er einen Weltmeister-Sommer, mal die russische Kältepeitsche. Das wechselhafte Wetter der vergangenen Wochen jedoch bezeichnet der Meteorologe schlicht als paradox: Auf der einen Seite gab es deutschlandweit zahlreiche Unwetter mit Starkregen, Hagel, Sturmböen und einem Orkantief, das in Montabaur zwei Menschen das Leben kostete.
Trotzdem herrscht in weiten Landesteilen derzeit eine akute Dürre. Auch in der Region Trier hat es seit Wochen nicht mehr ergiebig geregnet.

Unmittelbar bemerkbar macht sich dies in den Böden, die immer weiter austrocknen. In manchen Gegenden Deutschlands enthalten sie in den obersten 30 Zentimetern nur noch fünf Prozent Feuchtigkeit. So trocken war es dem Deutschen Wetterdienst zufolge seit 34 Jahren nicht. Zwar soll es heute und in den kommenden Tagen einzelne Schauer geben. Zwei bis fünf Liter Regen pro Quadratmeter könnten fallen. "Aber das ist viel zu wenig", sagt Wetterexperte Dominik Jung. Das verdunste sofort wieder. Um die Situation zu ändern, wären mindestens 20 Liter nötig. Der Dauerregen jedoch, nach dem sich Gärtner und Bauern so sehr sehnen, ist nicht in Sicht. Landwirte können dem Sommergetreide die Dürre schon jetzt ansehen und fürchten, dass Weizen, Raps oder Mais ebenfalls Schaden nehmen. Auch das Grünland wächst nicht richtig - was für Hobby-Gärtner den angenehmen Effekt mit sich bringt, dass sie seltener mähen müssen.

Förster sorgen sich derzeit noch nicht. Die Bäume seien in einem guten Zustand, sagt Karl-Heinz Heyne, Leiter des Forstamts Bitburg. Sollte der nächste Dauerregen sich noch ein paar Wochen Zeit lassen, könnte auch im Wald Trockenstress entstehen.

Ähnlich wie viele Waldbäume verfügen auch Weinreben über Wurzeln, die tief ins Erdreich hineinwachsen. Nur den Jungpflanzen bekommt die Trockenheit nicht, weshalb sie stellenweise bewässert werden.

Nicht nur die vergangenen Wochen - das ganze Frühjahr war zu trocken: Keiner der vergangenen Monate brachte der Region Trier die übliche Menge Regen: Im März fielen in der Römerstadt 38 Liter Regen (61 Prozent), im April immerhin 48 Liter (90 Prozent), im Mai 28 Liter (41 Prozent) und im Juni bisher erst 13 Liter (17 Prozent). Da wundert es nicht, dass der Deutsche Wetterdienst dem Frühling 2015 in Rheinland-Pfalz viele Sonnenstunden bescheinigt: 575, fast 30 Prozent mehr als üblich.

Jung zufolge handelt es sich um einen Trend. Auch die vergangenen zehn Frühjahre seien zu 80 Prozent zu trocken gewesen. Ist der Klimawandel daran schuld? Das zu beantworten, ist schwer. Denn dafür müsste man die Frühjahre über einen langen Zeitraum hinweg beobachten.

Die Wissenschaftler vom rheinland-pfälzischen Zentrum für Klimawandelfolgen gehen von einer Umverteilung der Niederschläge aus: Die Sommer werden trockener, die Winter nasser. Und extreme Wetterereignisse wie Sturm, Hagel oder Starkregen nehmen zu. Auch schwüler soll es werden.

Mag die Luft generell auch milder sein und das Wetter trocken. "Der Sommer dümpelt so vor sich hin", sagt Jung. Badewetter ist trotz des kalendarischen Sommerbeginns am Sonntag ebenso wenig in Sicht wie ein langer Landregen. Statt dessen prägt noch bis zum Wochenende die traditionelle "Schafskälte" den Juni. Kommende Woche wird es dann bei Temperaturen über 20 Grad langsam sommerlich.
Extra Temperaturprognosen

 Staubwolke im Wingert: Ein Winzer vor wenigen Tagen bei der Arbeit in einem Weinberg des Moselweinorts Piesport. TV-Foto: Klaus Kimmling
Staubwolke im Wingert: Ein Winzer vor wenigen Tagen bei der Arbeit in einem Weinberg des Moselweinorts Piesport. TV-Foto: Klaus Kimmling Foto: Klaus Kimmling

Auf der Grundlage regionaler Daten rechnen die Klimaexperten damit, dass die Temperaturen bis Ende des Jahrhunderts um 3,5 bis vier Grad Celsius steigen. Schon jetzt liegen sie deutlich höher als vor einigen Jahrzehnten: Schaut man sich an, wie sich die Temperaturen entwickelt haben, so sind Rheinland-Pfalz und das Saarland laut Deutschem Wetterdienst (DWD) die am stärksten vom Klimawandel betroffenen Bundesländer: Um 1,4 Grad ist die Durchschnittstemperatur im Südwesten seit 1881 gestiegen.
Der Grund dafür: Immer öfter werde milde Meeresluft aus dem Westen herantransportiert. kah