Tatort Tosa-Klause

SAARBRÜCKEN. Das Schicksal des kleinen Pascal Zimmer erschüttert die Republik: Der Junge wurde Opfer eines Kinderschänder-Ringes.

Gerüchteüber Gerüchte - deshalb ist die Polizei gestern im FallPascal Zimmer mit Detail-Informationen an die Öffentlichkeitgegangen. Den Fahndern wäre es lieber gewesen, wenn sie in Ruheund ohne den gewaltigen Medienrummel weiter nach Pascals Leichehätten suchen und an dem Fall arbeiten können. Immer wiederbetonen sie: "Wir haben es auch mit Opfern zu tun, die geschütztwerden müssen." Gemeint sind damit Kinder, die nach demderzeitigen Stand der Dinge brutalst sexuell misshandelt,gepeinigt und gequält wurden. Pascal ist tot, dafür hat diePolizei offenbar konkrete Anhaltspunkte. VerschiedeneGeständnisse liegen nach unzähligen Vernehmungen der mittlerweileinsgesamt 14 Inhaftierten (zwölf im Fall Pascal) auf dem Tischder Sonderkommission. Andere missbrauchte Kinder haben überlebt,etwa Pascals Freund, der heute acht Jahre alt ist. Ein kleinesMädchen sei ebenfalls als Opfer ausgemacht. Weitere Kinder sindwohl betroffen. Nach dem Verschwinden des kleinen Pascal am 30. September 2001 wurden über 450 Spuren verfolgt, mehr als 1000 Personen befragt. Zunächst ohne Ergebnis. Damals gab es angeblich keine konkreten Hinweise auf die "Tosa-Klause", jene heruntergekommene Mini-Kneipe in der Hochstraße von Burbach. Die gab es erst im September 2002, als erste Informationen über schweren sexuellen Missbrauch eines anderen Kindes bekannt wurden. Hier handelte es sich, wie sich später herausstellte, um den Freund Pascals. Am 19. November 2002 schlugen die Fahnder zu, vollstreckten erste Haftbefehle. Unter den damals Verhafteten sind auch die heute 50 Jahre alte Wirtin der zwischenzeitlich geschlossenen "Tosa-Klause" und die leibliche Mutter von Pascals Freund. Die Ermittlungen bestätigen: Auch Pascal war öfter in dieser Kneipe, die nicht weit entfernt von der elterlichen Wohnung liegt. Sein Stiefvater sei dort Gast gewesen, so die Ermittler. Von einer Kinderschänder-Bande will die Polizei offiziell nicht sprechen, bestätigt aber, dass Kinder von der Wirtin an Freier verkauft worden sein sollen. ("Die Täter mussten dafür zahlen.") In einem Nebenraum seien die Kinder massiv sexuell missbraucht worden. Die Frage, ob mit derzeit 14 Inhaftierten nur die Spitze eines Eisberges freigelegt wurde, bleibt unbeantwortet. Bei den Ermittlungen zur Struktur dieses mutmaßlichen Kinderschänderringes steht die Polizei gerade erst am Anfang ihrer Detailarbeit.

Die Fahnder bitten weiter um Hinweise aus der Bevölkerung: Unter der Rufnummer 0681/962 46 46 wurde eine separate Telefonleitung geschaltet. Dort können auch anonyme Hinweise aufgesprochen werden.

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