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Tausende Helfer trotzen unberechenbaren Gewalten

Hochwasser : Tausende Helfer trotzen unberechenbaren Gewalten

Das Deutsche Rote Kreuz Trier-Saarburg stellt die Bilanz seiner Hilfseinsätze während der Flutkatastrophe vor.

Verantwortliche des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK) haben gestern eine Zwischenbilanz zu den Überschwemmungen im Landkreis Trier-Saarburg gezogen. Im ersten Stock der DRK-Rettungswache Trier-Ehrang, deren Erdgeschoss ebenfalls von den Fluten verwüstet worden war, berichteten sie von ihren Einsätzen in der vergangenen Woche und den anstehenden Aufgaben.

1000 DRK-Helfer aus Rheinland-Pfalz und 2500 weitere aus anderen Bundesländern waren während der härtesten Stunden in den rheinland-pfälzischen Katastrophengebieten aktiv. Kaum war an einer Stelle die Gefahrenlage einigermaßen im Griff, ging es für viele schon weiter zum Einsatz am nächsten Krisenort. So erging es auch Markus Rummel und Dominik Quary, die an der Spitze der Rettungskräfte am Mittwoch, 14. Juli, kurz nach 23.30 Uhr Kordel erreichten.

Das Seniorenheim, das sie evakuieren wollten, war über die Straßen schon nicht mehr zu erreichen. Kräfte der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) halfen mit Booten aus. Nur wenige konnten zunächst in Sicherheit gebracht werden. „Das Wasser stieg rasend schnell bis in den ersten Stock. Wir mussten uns mit den Bewohnern über die Nacht verschanzen“, erzählte Quary. Erst am nächsten Morgen konnte die Evakuierung mit schwerem Gerät der Bundeswehr abgeschlossen werden.

Für die Helfer gab es jedoch keine Atempause. Nach über zwölf Stunden Einsatz kam bereits der nächste Alarm: Dammbruch an der Kyll in Ehrang. Rund 100 Patienten aus dem Krankenhaus und noch einmal 80 Bewohner eines nahegelegenen Seniorenheims mussten dort in Sicherheit gebracht werden. Mit Ende des zweiten Tages waren manche Kräfte fast 30 Stunden am Stück im Einsatz.

Die besonderen Umstände dieser Katastrophenlage betonte Dr. Karl-Heinz Frieden, stellvertretender Präsident des DRK-Kreisverbandes Trier-Saarburg. Man sei zwar in der Region erprobt mit Hochwasserlagen. „Doch, wenn der Wasserpegel mit einer solchen Schnelligkeit von zwei Metern in der Stunde steigt, greifen keine Rettungspläne mehr“, meinte er. Umso mehr sei das Engagement der Helfer zu loben, die unermüdlich wirkten. Und das, während teilweise zuhause ihre eigenen Wohnungen vollliefen. Ausgezahlt hat sich diese Rettungsanstrengung: Im Landkreis gab es keine Todesfälle und auch keine Schwerverletzten.

Zwar sei die akute Gefahr gebannt, doch die Folgen der Flut blieben eine Herausforderung, sagte die Vorstandvorsitzende des DRK-Landesverbands, Anke Marzi. „Wir werden einen langen Atem brauchen.“ Neben Versorgung und Wiederaufbau sei nun die psychosoziale Arbeit wichtig. Geholfen habe schon jetzt eine breite Spenden-Unterstützung. Bei den Sachspenden sind allerdings die Lager randvoll gefüllt. Logistische Probleme wie zerstörte Straßen sind hier ein begrenzender Faktor. In Ehrang wird das DRK kommende Woche im Netto-Markt und in der Bäckerei Dietz in der Quinter Straße Listen auslegen, in die Anwohner ihre Bedürfnisse für Spenden eintragen können.