Tausende Menschen in der Region mit gefährlichen Keimen infiziert

Tausende Menschen in der Region mit gefährlichen Keimen infiziert

Über 25.000 Menschen in der Region tragen gefährliche Keime in sich, die gegen Antibiotika resistent sind. Das sagt der Trierer Mikrobiologe Ernst Kühnen, der sich dabei auf Laboruntersuchungen stützt. Schuld daran sei der zu sorglose Umgang mit Antibiotika.

Der Tod zweier Frühchen in Bremen, die vermutlich mit resistenten Keimen infiziert waren, hat erneut die Diskussion über Krankenhaushygiene und die Bekämpfung der Bakterien entfacht. Auch in der Region Trier sind Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, verbreitet. Bei diesen Keimen schlagen die Medikamente also nicht mehr an.

Seit 2005 seien in der Region Trier bei mehr als 25.400 Patienten diese Bakterien nachgewiesen worden, sagt der Trierer Mikrobiologe Ernst Kühnen. Allein bei 11.500 Menschen wurde der Keim Methicillin resistente Staphyloccus Aureus (MRSA) festgestellt. Diese Keime seien sowohl in Krankenhäusern als auch in Arztpraxen oder in privaten Haushalten gefunden worden, sagt der Experte. "Die Resistenz ist kein Problem des Krankenhauses alleine, sondern vornehmlich ein Problem des einzelnen Menschen", sagt Kühnen. Es gebe kein Krankenhaus in der Region, in dem nicht jeden Tag mehrere Menschen wegen gefährlicher Keime isoliert werden müssten.

Gesunden Menschen breiteten diese Keime in der Regel keine Probleme. Wenn aber der Körper durch schwere Erkrankungen, nach Operationen oder Unfällen geschwächt sei, könnten diese Bakterien etwa zu schlecht heilenden Wundinfektionen führen. Nach Zahlen des für die Gesundheitsüberwachung zuständigen Robert-Koch-Instituts (RKI) infizieren sich jährlich in Deutschland bis zu 500.000 Menschen mit solchen Keimen, in der Region sind es laut Kühnen mehrere Tausend.

Schuld an der Ausbreitung der gefährlichen Keime sei der immer noch zu sorglose Umgang mit Antibiotika. Etwa wenn Ärzte dieses unnötigerweise zum Beispiel bei Virus-Erkrankungen verordneten. Auch die "kriminelle Verwendung" von Antibiotika in der Tiermast führe dazu, "dass wir resistente Bakterien und Medikamente aufnehmen" und diese schließlich irgendwann nicht mehr wirkten. Dieser ungezügelte Antibiotikaverbrauch müsse gestoppt werden, fordert der Experte. Laut Kühnen können die Keime nicht ausgerottet werden. "Wir müssen mit dem Problem leben."

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