Tausende Stellen offen: Die Region braucht dringend Fachkräfte

Kostenpflichtiger Inhalt: Arbeitsmarkt und Wirtschaft : Tausende Stellen offen: Die Region braucht dringend Fachkräfte

Was die regionale Wirtschaft und die Arbeitsagentur Trier von diesem Jahr erwarten und wie sie die kommenden Herausforderungen meistern wollen.

Die Zahl der Beschäftigten auf Rekordhöhe, die Zahl der Arbeitslosen in der Region konstant niedrig: Von der Trierer Arbeitsagentur kommen zu Jahresbeginn positive Signale. 2019 war am regionalen Arbeitsmarkt ein gutes Jahr, wenn auch wenig Spektakuläres zu vermelden waren. Heribert Wilhelmi, Chef der Arbeitsagentur Trier, zieht trotzdem ein positives Resümee der vergangenen zwölf Monate.

Im Schnitt waren rund 9500 Menschen auf Arbeitssuche. Die Quote liegt bei 3,3 Prozent und damit nur geringfügig über dem 2018er Wert (+ 0,1). Der Eifelkreis Bitburg-Prüm (2,4 Prozent Arbeitslosenquote 2019 im Schnitt) und der Landkreis Trier-Saarburg (2,6) sind die Kreise mit der niedrigsten Arbeitslosenquote in Rheinland-Pfalz, die Stadt Trier liegt unter den kreisfreien Städte mit 4,9 Prozent hinter Landau und vor Mainz auf Platz zwei. Gleichzeitig erlebt die Arbeitskräftenachfrage in der Region einen weiteren Boom.

Insgesamt meldeten die regionalen Unternehmen im vergangenen Jahr einen Bedarf von 13 100 Stellen. Im Schnitt standen Jobsuchenden fast 5000 Stellenangebote zur Verfügung. Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Trier, sieht die Wirtschaft unter besonderem Druck: „Auch, wenn die Zahl der Stellenmeldungen 2019 im Vergleich zu 2018 (über 14 000) leicht rückläufig war, so befand sich die Fachkräftenachfrage weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Die Unternehmen der Region suchen teils händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern.“

Mit rund 177 000 sozialversicherungspflichtig Versicherten waren zudem bei der letzten Erhebung im Juni so viele Menschen in Arbeit wie nie zuvor im Sommer. Auch für 2020 ist Wilhelmi sehr optimistisch. „Ich erwarte einen stabilen Arbeitsmarkt mit  mehr Beschäftigten.“ Für das laufende Jahr sieht er hier sogar einen neuen Rekord an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Fachkräftenachfrage der heimischen Wirtschaft fordere die Arbeitsagentur in besonderem Maße: „Wir begleiten und qualifizieren Menschen, damit sie ihren Weg in den Arbeitsmarkt finden.“

Denn hier drückt die Wirtschaft der Schuh: Fehlende Fachkräfte nennen Kammern und die Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU) auf Anfrage unserer Zeitung nach wie vor als das größte Problem, das die regionale Wirtschaft belastet. Dazu kämen Mobilfunklöcher, langsames Breitband im ländlichen Raum und der noch nicht vollzogene Lückenschluss der Eifel-Autobahn 1.

Anders als die Arbeitsagentur tritt die Wirtschaft auf die Euphoriebremse, wenn es um die kommenden Monate geht. Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Trier, erwartet, dass sich das Wirtschaftswachstum in der Region abschwächt, wenn auch weniger stark als im bundesweiten Vergleich. Er warnt vor schwerwiegenden Auswirkungen von Strafzöllen auf Weine, die die USA erhoben haben.

VTU-Geschäftsführerin Sabine Plate-Betz warnt, dass eine Eskalation von Handelskonflikten auch in der Region zu einem Rückgang von Investitionen und einem Abbau von Arbeitsplätzen führen könne. Das Handwerk rechnet indes auch in diesem Jahr wieder mit vollen Auftragsbüchern.

Mehr zum Fachkräftemangel in der Region lesen sie im Hintergrund.