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Telefonaktion mit Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler zu Corona

Kostenpflichtiger Inhalt: „Darf ich zu meiner Damenrunde?“ : Telefonaktion: Was TV-Leser die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin zum Coronavirus fragen

Darf ich noch zu meiner Damenrunde? Wer geht Gassi mit meinem Hund, falls ich in Quarantäne komme? Was Sabine Bätzing-Lichtenthäler auf Fragen von Volksfreund-Lesern am Telefon geantwortet hat.

Von Florian Schlecht

Das Coronavirus lässt Gertrud Hannegrefs nicht kalt. Deshalb greift die Rentnerin aus Schönecken (Eifelkreis Bitburg-Prüm) zum Telefonhörer – und ruft die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) an, die bei einer Aktion mit dem Trierischen Volksfreund Leserfragen beantwortet. „Ich gehe alle 14 Tage ins Pfarrheim zu einem Treffen mit älteren Damen, die sonst kaum soziale Kontakte haben. Wir trinken Kaffee und Kuchen und freuen uns immer darauf. Darf ich die Runde überhaupt noch besuchen?“, fragt Hannegrefs, die über 80 Jahre alt ist.

„Sie gehören natürlich schon zur Risikogruppe“, sagt Sabine Bätzing-Lichtenthäler und beschwichtigt die Eifelerin ein wenig. „Wenn Sie sagen, die Frauen haben kaum enge soziale Kontakte, treffen sich nur alle zwei Wochen und Sie passen wirklich auf, sich vor dem Kartenspielen gründlich die Hände zu waschen und Distanz zu halten, dürfen Sie sich ruhig treffen. Vermeiden Sie aber enge Kontakte wie Umarmungen!“, rät die Gesundheitsministerin. „Die sind sowieso nicht üblich“, entgegnet die Rentnerin flugs.

Eine Einschränkung gibt Bätzing-Lichtenthäler der Eifelerin aber noch mit auf den Weg. „Sollte natürlich das Enkelkind einer älteren Dame in einem Risikogebiet wie Südtirol gewesen sein, dann sollten Sie ihr schon vorsichtig sagen: ,Du musst mal mit der Runde aussetzen.’ Wer ein angeschlagenes Immunsystem hat, sollte auch unbedingt eine Pause von dem Treffen einlegen, so schwer es fällt.“

Bätzing-Lichtenthäler erzählt von einer Patientin mit schwerer Atem­erkrankung, die die Ministerin auch gefragt habe, wie sie sich vor dem Coronavirus schützen soll. „Ich habe ihr ehrlich gesagt: ,Bleiben Sie zu Hause!‘“, schildert Bätzing-Lichtenthäler. Auch anderen Lesern antwortet die Ministerin. Einer 45-jährigen Triererin, die vor einem Jahr eine schwere Bronchitis hatte, rät Bätzing-Lichtenthäler, vorsichtig zu sein – auch wenn sie nicht zur Risikogruppe gehöre, die ab 50 beginne. „Ich würde große Treffen und Menschenmassen vermeiden und nicht zu Stoßzeiten in den Supermarkt einkaufen gehen“, sagt Bätzing-Lichtenthäler.

Die Anruferin aus Trier erzählt der Ministerin: „Ich merke schon, dass weniger Leute in der Stadt sind. Die Menschen haben Angst.“ Bätzing-Lichtenthäler nickt. „Unsere größte Herausforderung ist nicht der Kampf gegen das Virus, sondern der Kampf gegen die Angst“, sagt sie. Trotzdem sei es sinnvoll, wenn Menschen vorsichtig seien. „So schaffen wir es, dass sich Corona nicht so schnell verbreitet. Das ist unser Ziel.“

Dazu gehöre auch, auf lieb gewonnene Angewohnheiten zu verzichten, sagt die SPD-Politikerin einer anderen Anruferin. Das enge Kuscheln mit erkälteten Enkeln sollten Omas und Opas lieber vermeiden, wie auch das Fußballgucken unter vielen Menschen in Kneipen. „Es ist richtig, das Leben ein Stück weit einzuschränken. Es ist nur für einen begrenzten Zeitraum“, tröstet die Ministerin.

Eine Anruferin aus Trier fragt, ob sie sich mit dem Coronavirus infizieren könne, wenn der Bäcker ihr ohne Handschuhe das Brot in die Tüte packe oder ihr Wechselgeld gebe. „Verkäufer achten in der Regel viel auf Hygiene und waschen sich regelmäßig die Hände“, beschwichtigt die Ministerin. „Beim Münzgeld ist es nicht unmöglich, sich anzustecken. Die Gefahr ist aber sehr, sehr gering, zumal es auch voraussetzen würde, dass der Bäcker mit dem Coronavirus infiziert ist.“ Der 75-Jährigen empfiehlt Bätzing-Lichtenthäler, lieber soziale Kontakte „so gut wie es geht“ zu vermeiden. Da hat die Anruferin aus Trier eine gute Nachricht für die Ministerin: „Mein Sohn geht schon für mich einkaufen.“

Carmen Schiff aus Trier fragt dagegen, ob ein ganzes Mehrfamilienhaus unter Quarantäne stehen müsse, wenn irgendwann mal Nachbarn betroffen seien. „Nein, es sei denn, Sie haben mit den anderen Parteien regelmäßig Kontakt, reden und feiern miteinander“, antwortet Bätzing-Lichtenthäler. „Wenn Sie sich nur kurz sehen und auf dem Flur ,Hallo‘ sagen, müssen Sie sich keine Sorgen machen.“ Fürs Gassigehen mit dem Hund – auch das interessierte Leser – könne man in einer Quarantäne Bekannte oder Freunde fragen. „Oder sie nutzen Ihren Garten, wenn sich dort nicht noch andere Menschen aufhalten und er nicht als Kinderspielplatz genutzt wird“, sagt die Ministerin, die zugibt, das Problem nicht zu haben: „Ich habe eine Katze – die geht aufs Katzenklo.“

Eine andere Anruferin aus Trier fragt: „Ich habe einen Pflegehund. Kann er sich anstecken?“ „Nein“, antwortet Bätzing-Lichtenthäler. Für die Anruferin hat sie aber einen guten Rat, als die erzählt, dass die wahren Besitzer des Hundes bald aus dem Urlaub aus Südtirol kämen. „Wahrscheinlich kommen Ihre Bekannten dann direkt 14 Tage in Quarantäne, weil sie in einer Risikoregion waren. Im besten Fall behalten Sie den Hund dann noch weitere zwei Wochen. Oder Sie lassen den Hund direkt rauslaufen, wenn die Bekannten das Tier abholen und machen die Tür direkt wieder zu.“ Die Frage einer TV-Leserin aus Trier, an wen sie sich telefonisch wenden könne, wenn sie eine Grippe aufkommen spüre und die Hausarztpraxis geschlossen sei, antwortet Bätzing-Lichtenthäler: „Die 116 117 ist die Nummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes, den sie auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen erreichen.“

Martin Ahles aus Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) fragt, warum das Virus manche Menschen richtig hart trifft und andere nur leichte Symptome spüren. „Das Virus trifft besonders auf eine größere Angriffsfläche bei Menschen, die älter sind und ein geschwächtes Immunsystem haben“, sagt Bätzing-Lichtenthäler. Deshalb habe das Land Pflegeeinrichtungen empfohlen, Besuche von Angehörigen zu beschränken und Bewohnern lieber im Zimmer als im Gemeinschaftsraum das Essen zu servieren, sagt sie einer Anruferin. Sie appelliert zugleich daran, Ruhe zu bewahren. Bei der Influenza-Grippe seien 2017/18 mehr als 20 000 Menschen gestorben. „Ich glaube auch nicht, dass es damals Hamsterkäufe gab“, betont sie nach vielen Anrufen.