Teurer und unpraktisch für Menschen mit Behinderung: Streit um die Höhe von Bahnsteigen

Teurer und unpraktisch für Menschen mit Behinderung: Streit um die Höhe von Bahnsteigen

Warum der Start der Trierer Weststrecke von 21 Zentimetern abhängen könnte. Länder wehren sich gegen neue Vorgaben der Bahnsteighöhe auf Bahnhöfen.

Es geht nur um 21 Zentimeter, aber an denen hängen nach Kritikern unnötige Kosten, Hürden für Behinderte und sogar der Start der Trierer Weststrecke. Die neue Vorgabe aus Berlin: Bahnsteige sollen künftig einheitlich 76 Zentimeter hoch sein. Dagegen wehren sich nun Rheinland-Pfalz und andere Länder. Sie sind für den Nahverkehr zuständig, bevorzugen seit Jahren aber eine Höhe von 55 Zentimetern und beschafften dafür auch passende, barrierefreie Züge.

Beharrt Berlin auf die neuen Höhen, könnten auch der Trierer Weststrecke Verzögerungen drohen, auf der ab Dezember 2020 wieder Personenzüge fahren sollen, warnt Thomas Geyer, Geschäftsführer des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr (SPNV Nord). Die Pläne für die Haltestellen liegen dort bei 55 Zentimetern, sagt er. "Müssen wir neu planen, verlieren wir schnell ein halbes Jahr", warnt er.

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) lehnt neue Vorgaben strikt ab, was er auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in einem Brief schrieb. Auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Jutta Blatzheim-Roegler (Bernkastel-Kues) antwortet Wissing, die neue Regel würde den barrierefreien Zustand deutlich verschlechtern, da die Bahn dann für 76 Zentimeter geeignete Züge einsetzen müsse, die jahrzehntelang nicht zu 55 Zentimeter hohen Bahnsteigen passen würden.

Geyer stellt klar: Menschen mit Behinderungen bräuchten in dem Fall häufiger die Rampe beim Einstieg, Mütter mit Kinderwagen starke Arme. Wissing rechnet für Rheinland-Pfalz mit einem Mitteleinsatz von mehreren hundert Millionen Euro, wenn Berlin ernst macht. Blatzheim-Roegler nennt das "wirtschaftlichen Unfug". Geyer klagt, das wahre Problem im Land liege darin, dass noch 40 Prozent aller Bahnsteige kleiner als 38 Zentimeter seien, was barrierefreies Fahren verhindere. Nur 24 Prozent der Bahnsteige kommen auf 76 Zentimeter, darunter auf Strecken in Eifel, Hunsrück und Saar.

Der Bund teilt mit, man stehe mit den Ländern im konstruktiven Dialog. Ein jüngst geplantes Treffen ist nach TV-Informationen geplatzt. Nächste Chance: die Verkehrsministerkonferenz im November.