Tierschützer in der Region beklagen großes Elend verwahrloster Katzen
Trier · Eitrige Augen, offene Wunden, ansteckende Krankheiten: Tierschützern zufolge ist das Elend verwahrloster Katzen groß. Auch in der Region sei dies ein Problem. Städte und Verbandsgemeinden kümmern sich darum nicht - obwohl sie das seit Juli könnten.
" Unkastrierten Hauskatzen droht Stubenarrest", lautete eine Meldung, die vor wenigen Wochen deutschlandweit für Aufsehen sorgte (der TV berichtete). Müssen nun also auch alle rheinland-pfälzischen Katzenhalter möglichst schnell zum Veterinär, um ihr Tier kastrieren und chippen zu lassen?
Genau das würden Tierschützer und Jäger sich zwar wünschen. Mehr noch: Sie fordern eine bundesweite Kastrationspflicht für Hauskatzen. Doch ist man in rheinland-pfälzischen Kommunen weit davon entfernt, sich ernsthaft um die "Kolonien herrenloser, verwilderter Katzen" zu kümmern, die laut Tierschutzbericht der Bundesregierung zunehmend zum Problem werden. Dabei hat die Landesregierung ihre Hausaufgaben gemacht. Seit Juli 2015 gibt es eine Landesverordnung, die es Verbandsgemeinden und Städten ermöglicht, tätig zu werden: Wo besonders viele verwahrloste Tiere leben, könnten sie Gebiete ausweisen, in denen nur noch kastrierte und gekennzeichnete Stubentiger vor die Türe dürfen.
Einer Umfrage der Tierschutzorganisation Peta zufolge machen bundesweit 250 Gemeinden Gebrauch davon. Nur zwei liegen in Rheinland-Pfalz: Burgbrohl und Worms. In der Region Trier kümmert sich die Politik bisher wenig um das Problem. Obwohl es da ist. Und obwohl der Gemeinde- und Städtebund es begrüßt, dass Kommunen seit Juli selbst tätig werden können.
"Wir würden uns dringend eine Kastrationspflicht wünschen. Im Moment haben wir keine Handhabe", sagt Anke Zimmer vom Förderverein des Eifeltierheims. Zwischen Wittlich und Daun lässt der Verein auf eigene Rechnung jährlich etwa 500 Katzen und 200 Jungtiere kastrieren. Immer noch gebe es in der Eifel Bauernhöfe, auf denen die Tiere gehalten würden wie vor 100 Jahren. Sie sollen Mäuse fangen. Geimpft, entfloht, entwurmt, kastriert und manchmal selbst gefüttert werden sich nicht. Viele Menschen seien unbelehrbar, klagt Zimmer. Das Katzenelend sei groß: Eitrige Augen, Wunden, Katzenaids, Leukose, Durchfall und Missbildungen seien in diesen Kolonien normal. Nicht nur wegen des Tierleids fordert der Deutsche Jagdverband eine bundesweite Kastrationspflicht, sondern auch, weil Katzen jährlich 100 Millionen Vögel und 300 Millionen Kleinsäuger erbeuten.
Der Verband geht gar so weit, Jäger aufzufordern, streunende Katzen zu fangen und im Ordnungsamt abzugeben, um bei den Kommunen ein Problembewusstsein zu schaffen.
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