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Tierschutzbund fordert wegen Corona-Krise Taubenfütterung

Tiere : Tierschützer warnen: Stadttauben droht jetzt der Hungertod – Trier sieht keinen Handlungsbedarf (Update)

Den Vögeln fehlt die Nahrung aufgrund der ausbleibenden Stadtbesucher. Der Deutsche Tierschutzbund fordert Fütterungsstellen.

Keine Krümel im Kopfsteinpflaster, keine Frittenreste im Rinnstein und selbst rund um die Mülleimer ist derzeit nicht viel zu holen. Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet, dass wegen der Corona-Krise tausende Tauben elend verhungern werden, da durch die Schließung von Restaurants, Cafés und Imbissbuden weniger Essensreste anfallen, die den Tauben als Nahrungsgrundlage dienen. Der Verband richtet sich daher einen Appell an die Städte, die Versorgung der Stadttauben sicherzustellen

„Da Tauben sehr standorttreu sind, werden sie die Innenstädte nicht verlassen und verhungern, wenn ihnen nicht bald Nahrung zur Verfügung gestellt wird. Da gerade Brutsaison ist, werden auch viele Jungtiere in den Nestern sterben, wenn ihre Eltern sie nicht mehr füttern können“, warnt Leonie Weltgen, Fachreferentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. „Uns ist klar, dass die große Zahl an Stadttauben vielerorts ein Problem ist. Dass die Tiere nun qualvoll verenden, dürfen die Städte aber nicht zulassen.“

Der Deutsche Tierschutzbund fordert die Städte auf, Fütterungsstellen einzurichten, an denen den Tauben artgerechtes Futter, wie Mais, Körner oder Sämereien bekommen. Für die Versorgung der Tiere könnte die Stadt Einzelpersonen beauftragen – auch freiwillige Helfer.

„Es ist ehrenwert, dass sich Tierschützer Sorgen um die Tauben machen, aus Sicht der Stadtverwaltung ist das aber völlig unbegründet. Aufrufe, jetzt die Tauben in der Stadt zu füttern, sehen wir sehr kritisch und können sie auf keinen Fall befürworten“, teilt Michael Schmitz vom Trierer Presseamt mit.

Aktuell sei das Füttern von Tauben in Trier laut Gefahrenabwehrverordnung verboten: „Tauben dürfen auf öffentlichen Straßen und in öffentlichen Anlagen nicht gefüttert werden“, heißt es dort. Das werde auch durch die Corona-Krise nicht außer Kraft gesetzt.

„Tauben sind durchaus in der Lage, sich auf natürliche Art und Weise zu ernähren“, teilt das Rathaus mit. Essensreste zu fressen sei zwar sehr bequem für die Vögel, aber keineswegs erforderlich. Auch vor der Krise habe es in der Stadt nicht Mengen an Unrat gegeben, auf den die Vögel für ihr Überleben angewiesen waren. „Die Mitarbeiter der Stadtreinigung sorgen schließlich dafür, dass keine Müllberge in der City auf der Straße liegen“, sagt Schmitz.

„Gerade in der Innenstadt, wo Tauben in größeren Gruppen auftreten, bereiten sie uns an den denkmalgeschützten Bauten wie den Brunnen immer wieder Probleme durch übermäßigen Koteintrag – zum Beispiel am neu sanierten St. Georgs Brunnen am Kornmarkt.“ Es gebe also keinen Grund, die Populationen durch Fütterungen womöglich sogar noch zu vergrößern.

Auf Facebook wird lebhaft über das Thema diskutiert. Die einen unterstützen die Forderung der Tierschützer, während andere sich freuen, dass die Corona-Krise die Population der „Ratten der Lüfte“ minimieren könnte.