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Tod von Polizisten in Kauf genommen

Tod von Polizisten in Kauf genommen

Um sich der Polizeikontrolle und der wahrscheinlichen anschließenden Festnahme zu entziehen, haben drei Männer im April vergangenen Jahres auf Polizisten in Bleialf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) geschossen. Am Dienstag sind sie verurteilt worden.

Trier. "Ich möchte Gott danken, dass niemand getroffen worden ist. Das wird nicht wieder vorkommen." Mit diesem sogenannten letzten Wort nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigern hat am Montagnachmittag der 25-jährige Angeklagte versucht, Reue zu zeigen. Einen Tag später ist klar, dass es vermutlich tatsächlich nicht so schnell wieder vorkommen dürfte, dass der gebürtige Marokkaner bei einem geplanten Banküberfall dabei ist. Bei der Flucht vor der Polizei hat ein zwei Jahre älterer Kumpane des Mannes, der als Beifahrer in dem Wagen saß, in dem er hinten angeblich schlief, auf die Polizeiwagen geschossen.
Gesteuert worden war der Fluchtwagen von einem 39-jährigen Marokkaner, der lange Zeit in Nordrhein-Westfalen gelebt hat. Ihn stufen Polizei und Staatsanwaltschaft als besonders gefährlich ein.
Nicht zuletzt deswegen und wegen eines versuchten Fluchtversuchs aus dem Wittlicher Gefängnis während des laufenden Prozesses herrschte während der seit Ende Januar laufenden Verhandlungen Sicherheitsstufe eins im Trierer Landgericht. Zahlreiche Polizisten haben den Gerichtssaal gesichert, der nur durch eine Sicherheitsschleuse zu betreten ist.
Glaubt man den Ermittlern, dann handelt es sich bei allen drei gestern Verurteilten um gefährliche Kriminelle. "Die würden für einen Apfel und ein Ei jemanden abknallen", sagt ein Ermittler unserer Zeitung. Und damit meint er auch den 25-Jährigen, den seine Verteidigerin Monika Kühne während des Prozesses als Mitläufer darzustellen versuchte. Er habe gar nicht gewusst, warum er mit den beiden anderen in die Eifel gefahren sei.
Und von den drei Schusswaffen, dem Pfefferspray und den Sturmhauben in einer blauen Tasche im Fußraum vor ihm habe er auch nichts gewusst.
Dabei ist es genau er, den die an diesem 11. April 2013 in Bleialf patrouillierenden Polizisten auf dem Foto, das die Aachener Kollegen ihnen geschickt haben, wiedererkennen, als der silberne Ford Focus mit den gestohlenen Kennzeichen OE für den Kreis Olpe an ihnen vorbeifährt. Denn der 25-Jährige soll an einem Banküberfall im belgischen Grenzraum in der Nähe von Aachen beteiligt gewesen sein.
Dass die drei Männer auch an diesem Morgen in Bleialf eine Bank überfallen wollen, davon ist Richterin Petra Schmitz überzeugt. Als die Männer, die mit gefälschten bulgarischen Papieren unterwegs sind, an dem Morgen merken, dass sie von einem Zivilfahrzeug verfolgt werden, lassen sie von ihrem Plan ab, fliehen, durchbrechen eine Polizeisperre, schießen mindestens zweimal auf Polizeiautos. Ein Schuss trifft die hintere Säule eines Wagens, verfehlt nur knapp den fahrenden Polizisten.
Sie hätten ihre Flucht um jeden Preis durchsetzen wollen, auch wenn Polizisten getötet worden wären, sagt die Richterin.
Während die deutsche Polizei nicht auf die Flüchtenden geschossen habe, seien sie dann im nahen Belgien "rauer" empfangen worden, sagt Richterin Schmitz. Fünfmal soll ein Streifenpolizist bei einer Straßensperre auf den vorbeirasenden Focus geschossen haben. Ein Schuss zertrümmerte die Windschutzscheibe, der 25-Jährige wurde dabei am Kopf verletzt.
Die drei hätten also am eigenen Leib erfahren, wie es ist, beschossen zu werden, meint die Richterin. In Panik seien sie dann zu Fuß in ein Waldstück geflohen, wo sie dann von Polizeihunden und einem Suchhubschrauber gestellt wurden.
Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft, zunächst in Belgien, dann in Deutschland.