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Tödlicher Autounfall an der Mosel: Zeugen sagen zum Prozessauftakt aus - Angeklagte schweigt

Tödlicher Autounfall an der Mosel: Zeugen sagen zum Prozessauftakt aus - Angeklagte schweigt

Zum Prozessauftakt am Dienstag gegen eine Autofahrerin, die des Mordes angeklagt ist, schildern zwei Zeugen, wie sie den tödlichen Crash an der Mosel erlebt haben.

 Justizbedienstete führen die Angeklagte in den Gerichtssaal. Die 36-jährige Hunsrückerin setzt sich zwischen ihre beiden Verteidiger Michael Rehberger (rechts) und Pierre Wolff.
Justizbedienstete führen die Angeklagte in den Gerichtssaal. Die 36-jährige Hunsrückerin setzt sich zwischen ihre beiden Verteidiger Michael Rehberger (rechts) und Pierre Wolff. Foto: Friedemann Vetter

Es ist fast auf den Tag genau ein Jahr her, dass sich Sarah D. und die Zeugin das erste Mal begegneten. Damals hing Sarah D. schwer verletzt hinter dem Steuer ihres völlig zertrümmerten Wagens, konnte sich selbst nicht mehr befreien und schrie um Hilfe.

Die Zeugin, nennen wir sie Anja, hatte den Frontalzusammenstoß miterlebt, ihr Fahrzeug gestoppt, zunächst ihrem in den Unfall verwickelten Vater geholfen und dann nach dem Wagen geschaut, der nach dem Crash auf der Bundesstraße 53 die Böschung Richtung Mosel hinabgerollt und von einem Baum gestoppt worden war. Am Dienstag schildert Anja, wie sie die Szenerie damals erlebt hat: die schreiende Frau, den auf dem Beifahrersitz um Hilfe flehenden Mann und die im Fond des Wagens liegende Frau, die den Unfall augenscheinlich nicht überlebt hatte. Wenig später gab auch der zunächst noch ansprechbare Mann auf dem Beifahrersitz kein Lebenszeichen mehr von sich. Sie half Sarah aus dem Wagen.

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Anja sitzt an diesem Dienstagmorgen im Schwurgerichtssaal des Trierer Landgerichts und wird als erste Zeugin gehört. Würde sie ihre rechte Hand ausstrecken und Sarah D. die ihre, könnten sich ihre Hände fast berühren, so dicht sitzen die beiden Frauen beieinander; fast ein Jahr nach dem fatalen Unfall zwischen den Moselorten Erden und Ürzig. Wäre Anja etwas früher im Gerichtssaal gewesen, hätte sie gesehen, wie Sarah D. von zwei Justizbediensteten hineingeführt wurde - in Handschellen. Die 36-jährige Hunsrückerin sitzt seit Anfang November in Untersuchungshaft, seit ein Richter der Überzeugung war, dass der schreckliche Unfall womöglich kein Zufall, sondern Absicht gewesen sein könnte, und einen Haftbefehl ausgestellt hat. Der Vorwurf: zweifacher Mord und versuchter Mord.

Die 36-Jährige sieht blass aus, hat ein verweintes Gesicht, als sie in den Gerichtssaal hineingeführt wird. Als die Zeugin schildert, wie Sarah damals, vor einem Jahr, nach dem Unfall geschrien habe ("Ich bin das alles schuld. Jetzt habe ich alle getötet!"), kann die Angeklagte ihre Tränen nicht mehr halten, fängt sich aber nach kurzer Zeit wieder. Sie sagt nichts an diesem ersten Prozesstag.

Anjas Vater hätte bei dem Unfall sterben können. Er fuhr mit seinem Wagen hinter Anja her, als das entgegenkommende Fahrzeug in seines krachte. "Als ich den Wagen auf mich zukommen sah, war schon alles vorbei", erinnert er sich im Gericht. Der 52-jährige Mann ist Taxifahrer, einer, den nichts so schnell aus der Bahn wirft. Wie durch ein Wunder kam er an diesem frühen Aprilabend im vergangenen Jahr mit relativ glimpflichen Verletzungen davon. Eine Hand wurde genäht, ein paar Schürfwunden an Arm und Bein, Prellungen vom Gurt. "Leiden Sie noch an den Folgen?", fragt die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz. "Ich sehe das Bild noch sehr oft vor mir", antwortet der Taxifahrer.

Nach dem Frontalzusammenstoß stieg er damals aus, schaffte es mit Hilfe der herbeigeeilten Tochter noch zur Leitplanke, bis ihm schwarz vor Augen wurde. "Das kommt durch das Gas vom Airbag", hat ihm der Notarzt später erklärt.