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Tödlicher Überfall in Mehren: Angeklagte sagen kein Wort

Tödlicher Überfall in Mehren: Angeklagte sagen kein Wort

Vor dem Trierer Landgericht ist am Dienstag der Prozess wegen des zehn Jahre zurückliegenden tödlichen Raubüberfalls auf einen Eifeler Geschäftsmann fortgesetzt worden. Die vier Angeklagten schwiegen, ihre Verteidiger redeten ein bisschen.

Trier. Die Wahrheitsfindung ist manchmal ein mühsames Geschäft. Und ein langwieriges. Zuschauer, die bislang nur Ruckzuck-Fernsehprozesse von Barbara Salesch oder Alexander Hold gewohnt waren, werden sich am gestrigen zweiten Prozesstag im falschen Film gewähnt haben. Was passiert hier eigentlich im großen Sitzungssaal des Trierer Landgerichts?Knast und Klinik


Nachdem der Prozessauftakt vor drei Wochen schon kurz nach der Anklageverlesung vorüber war, sollten gestern eigentlich die vier Angeklagten gehört werden. Doch die Männer im Alter zwischen 28 und 46 Jahren zogen es vor zu schweigen. Nicht einmal zu ihrem Familienstand oder Werdegang machten sie Angaben. Das dürfen Angeklagte, ohne dass dies später zu ihrem Nachteil ausgelegt werden darf.
Der Vorsitzende Richter Albrecht Keimburg machte dennoch einen Anlauf, dem zweitjüngsten Angeklagten ein mögliches Geständnis schmackhaft zu machen. Hintergrund: Der heute 30-Jährige habe in der Vergangenheit ja "schon verschiedenen Leuten erzählt, dass Sie bei so einer Sache dabei gewesen sind".
Nun hat ein Gutachter dem zur Tatzeit 20-jährigen Angeklagten Drogenprobleme bescheinigt, was laut Keimburg bei einem späteren Schuldspruch darauf hinauslaufen könnte, dass er einen Teil der Strafe in einer Entziehungsklinik absitzen könne. Immer vorausgesetzt natürlich, der im Vulkaneifelkreis lebende Angeklagte wird am Ende des Prozesses tatsächlich wegen des zehn Jahre zurückliegenden Gewaltverbrechens verurteilt.Zu Unrecht hinter Gittern?


Staatsanwalt Eric Samel wirft den Angeklagten vor, in der Nacht vor Heiligabend 2005 einen Geschäftsmann in Mehren (Vulkaneifelkreis) überfallen, brutal zusammengeschlagen und beraubt zu haben. Das 54-jährige Opfer erlag seinen schweren Verletzungen, die Täter machten sich mit einer Beute von etwas über 6000 Euro aus dem Staub. Erst vor einigen Monaten wurden die Tatverdächtigen nach einem Zeugenhinweis festgenommen, sitzen seitdem in Untersuchungshaft.
Die beiden Verteidiger des 30-jährigen Angeklagten verdonnerten ihren Mandanten allerdings zum Stillschweigen. "Der hat in der Vergangenheit schon so viele Geschichten erzählt", meinte der Ulmener Verteidiger Jörg Mühlenfeld. Jetzt sitze der Mann monatelang im Gefängnis, obwohl er die Tat nicht begangen habe. "Das hat er sich aber größtenteils selbst zuzuschreiben", meinte der Verteidiger.
Der unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen stattfindende Prozess wird am Donnerstag in zwei Wochen fortgesetzt. Dann werden erstmals Zeugen gehört. Terminiert ist bis Ende November.