Totenasche im Vorgarten bleibt in Rheinland-Pfalz tabu

Mainz · Was passiert mit der Asche von Verstorbenen? Bremen geht einen neuen Weg und erlaubt den Menschen, über den Ort zu entscheiden, an dem nach dem Tod ihre Asche verstreut werden soll. Der Vorstoß wird allerdings in Rheinland-Pfalz nicht Schule machen.

Der Bremer Vorstoß zum Verstreuen von Totenasche auf privaten Grundstücken stößt in Rheinland-Pfalz auf Skepsis. Das Gesundheitsministerium sieht keinen Grund, dem Beispiel zu folgen, auch die Bestatter sind dagegen. "Rheinland-Pfalz beabsichtigt zurzeit nicht, das rheinland-pfälzische Bestattungsgesetz in dieser Frage zu novellieren", sagte die stellvertretende Ministeriumssprecherin Stefanie Schneider auf Anfrage.

Das Ministerium hat nach eigenen Angaben "erhebliche Zweifel", ob und wie bei einer solchen Art der Bestattung ein pietätvoller Umgang möglich sei. "Oberste Priorität sollte weiterhin die Gewährleistung der Totenruhe und das Wohl der Allgemeinheit haben", sagte Schneider. Zuvor hatte sich auch die Landesregierung in München gegen den Bremer Vorstoß ausgesprochen.

In Bremen darf seit dem Jahreswechsel die Asche von Toten auf privaten Grundstücken verstreut werden. Bislang ist das in keinem weiteren Bundesland möglich. Voraussetzung ist, dass der Tote den Ort zuvor schriftlich festgehalten und eine Person für die Totenfürsorge bestimmt hat.

Für die Mainzer Ministeriumssprecherin Schneider ist dabei allerdings unklar, wie nach dem Bremer Modell Angehörigen auch in späteren Jahren ein Ort des Trauerns und Gedenkens angeboten werden kann. Außerdem müsse dieser Ort ja auch jederzeit - beispielsweise nach einem Umzug oder einem Verkauf des Grundstückes - zugänglich gemacht werden.

Die rheinland-pfälzischen Bestatter sehen die Kommunen in der Pflicht. Sie müssten Alternativen bieten für die wachsende Zahl von Menschen, die nicht mehr den traditionellen Weg der Bestattung wähle. "Es gibt eine ganze Menge von Möglichkeiten, Tote so zu bestatten, dass die Pflege ihres Grabes weniger aufwendig und kostspielig ist", sagte der Landesvorsitzende Bernd Geyer der Deutschen Presse-Agentur in Koblenz. Nicht zuletzt angesichts der steigenden Gebühren überlegten viele Menschen sich zweimal, ob sie sich für die Bestattung auf Friedhöfen entscheiden sollten.

Geyer ist allerdings auch überzeugt: "Die Bevölkerung wird das Bremer Modell über kurz oder lang wollen - und dann muss die Politik reagieren."

Das Bremer Landesparlament hatte die Lockerung des Friedhofszwangs im November verabschiedet. Über die Gesetzesänderung der rot-grünen Koalition hatten die Parteien in Bremen monatelang gestritten. Kritik kam vor allem von der CDU und der Kirche. Ursprünglich sollten Angehörige die Urne mit der Totenasche auch mit nach Hause nehmen dürfen. Wegen rechtlicher Bedenken verwarf Bremen diese Pläne aber.

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