Tränen im Knopfloch

Für etwa ein Dutzend der 101 Abgeordneten des Landtags heißt es Abschied nehmen. Sie haben am Freitag ihre letzte Plenarsitzung erlebt und verlassen die landespolitische Bühne.

Manche aus Altersgründen, andere gezwungenermaßen, weil sie von ihrer Partei nicht wieder nominiert worden sind. Nach der Wahl am 27 März wird es weitere Parlamentarier treffen, sofern sie das Direktmandat in ihrem Wahlkreis nicht gewinnen und auf der Landes- oder Bezirksliste schlecht platziert sind.

"Es ist schon ein bisschen Wehmut dabei", sagen unisono die ausscheidende SPD-Frau Anne Spurzem (seit 1991 dabei) aus Mayen und FDP-Mann Werner Kuhn (seit 1996) aus Kaiserslautern. Man denkt zurück an heiße Rededuelle oder stundenlange Diskussionen, aber auch an gemeinsame Reisen oder gesellige Abende. "Am Anfang dachte ich, ich komme in ein Haifischbecken", erinnert sich Kuhn. Letztlich seien aber nur einige Piranhas umhergeschwommen. "Namen werden nicht verraten", sagt er schmunzelnd.

Bei der CDU verlassen Männer wie Josef Keller, viele Jahre lang bildungspolitischer Sprecher, und Wirtschaftsexperte Walter Wirz das Schiff. Äußerlich unbeeindruckt, aber sicher mit einer Träne im Knopfloch. Der aufgrund der Schlosshotel-Affäre heftig von der Union attackierte Innenminister Karl Peter Bruch hat bei seiner wahrscheinlich letzten Rede im Hohen Haus der politischen Konkurrenz noch etwas ins Stammbuch geschrieben. Er zeigte sich stark betroffen von den Angriffen, die er als "ehrverletzend" und "infam" empfand. Trotz harter Debatten, auch in Wahlkampfzeiten, habe den Landtag immer eine gute Ebene des Miteinanders ausgezeichnet. Doch CDU-Fraktionschef Christian Baldauf habe schon in der vergangenen Legislaturperiode einen "neuen Ton" eingeführt.

Sozialdemokrat Bruch zum Abschied: "Was immer Sie tun, bedenken Sie das Ende! Denken Sie daran, es kommt der 28 März, dann muss jemand diesen Scherbenhaufen zusammenkehren." Für die als ergreifend empfundene Rede spendeten die SPD-Abgeordneten stehend Applaus.