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Trier: ADD verteidigt Krisenmanagement nach der Flut ​

Nach scharfer Kritik : So verteidigt die Trierer ADD ihr Krisenmanagement nach der Flutkatastrophe

Wie hat die Trierer Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion die Krise nach der Flut im Ahrtal gemanagt? Am Freitag haben sich Mitarbeiter im Untersuchungsausschuss zur Flut gegen die andauernde Kritik verteidigt. Doch dann tauchte die Frage nach dem Urlaub der ADD-Chefetage auf.

Seit Monaten steht die Trierer Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in der Kritik. Als für den Katastrophenschutz zuständige Behörde des Landes werden ihr Versäumnisse während der Flutkatastrophe vorgeworfen. Gegen den Präsidenten, Thomas Linnertz, gab es deshalb bereits mehrere Rücktrittsforderungen.

In den vergangenen Wochen rückte allerdings zusätzlich auch das Krisenmanagement der ADD nach der Flut in den Fokus. Die Vorwürfe: Unkoordiniert, schlecht vorbereitet und am Bedarf vorbei.

Zwei Tage nach der Flutkatastrophe hatte die ADD die Einsatzleitung vom Lankreis Ahrweiler übernommen und war ab diesem Zeitpunkt federführend in der Krisenbewältigung. Nach Auskunft von Bürgermeistern, freiwilligen Helfern und anderen Behörden gelang ihr das zu Beginn teils nicht besonders gut. Die ADD soll auch einige Unterstützungsangebote, etwa durch die in Deutschland stationierten amerikanischen Streitkräfte, abgelehnt haben.

Im Krisenmanagement der Landesbehörde ADD nach der Flutkatastrophe im Ahrtal hat es nach Worten von Behördenpräsident Thomas Linnertz am Anfang gehakt und manchmal länger gedauert. „Es hat auch zu lange gedauert, die Gesamtlage zu erfassen“, sagte er am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags. „Wir haben aber immer wieder nachgesteuert.“ Die gesetzten Ziele seien erreicht worden. „Wir haben vor Ort Unglaubliches geleistet“, sagte er über die Arbeit aller an dem Katastropheneinsatz beteiligten Einsatzkräfte und Helfer.

Es sei im Prinzip immer im Dienst gewesen und habe sich höchstens am Wochenende ablösen lassen, sagte Linnertz. Auch sei er immer erreichbar gewesen.

Vorwurf: Helfer waren auf sich allein gestellt, von der ADD kam keine Hilfe

Der über das Ahrtal hinaus bekannte Helfer und Unternehmer Markus Wipperfürth sagte dagegen etwa vergangene Woche vor dem Mainzer Untersuchungsausschuss: „Wir waren komplett auf uns allein gestellt.“ Und: „Alles, was wir gebraucht haben, haben wir selbst organisiert, von der ADD ist gar nichts gekommen.“

Er sehe kein Versagen des Katastrophenschutzes, sagte der für den Katastrophenschutz zuständige Referatsleiter, Heinz Wolschendorf. Es sei aber ganz normal, dass es in so einer Lage anfangs zu Fehlern komme. Tausende Betroffene, Tausende Einsatzkräfte – das sei eine Dimension, die stellten Sie sich hier ein bisschen einfach vor, hielt Wolschendorf den Abgeordneten der Opposition vor. Der Referatsleiter ergänzte seine Aussage vor dem Ausschuss abschließend mit einer Medienkritik.

„Wir konnten nicht erahnen, dass wir jemals auf eine solche Situation treffen würden“, sagte die ehemalige Trierer ADD-Vizepräsidentin Begoña Hermann. Sie hätten sich zwar auf Krisen vorbereitet, aber nicht in diesem Ausmaß. „Damit war aus unserer Sicht nicht zu rechnen.“ Aus ihrer Sicht seien es vielmehr die Katastrophenstäbe der Kommunen, die solche Aufgaben lösten, so Hermann.

Wann war die Chefetage im Urlaub?

Die Vizepräsidentin a.D. hatte sich die Einsatzleitung nach der Flut mit Präsident Thomas Linnertz geteilt, wie sie erklärte. Nach eigenen Angaben war sie während der Katastrophe selbst bis zum 17. Juli im Urlaub. Was sie nicht erwähnte, eröffnete sich dann auf Frage der CDU-Abgeordneten: Auch im Zeitraum kurz nach der Flut sei sie noch einmal im Urlaub gewesen - sie könne sich aber nicht mehr genau erinnern wie lange, das wolle sie nachreichen. Das war nicht nötig. Belege der CDU halfen ihr auf die Sprünge. Ab dem 31. Juli soll Hermann für mehrere Tage - wie lange genau, blieb noch unklar - im Ausland gewesen sein. Bemerkenswert erschien deshalb auch Aussage von Linnertz, dass er sich an den Wochenenden von Hermann habe bei der Einsatzleitung ablösen lassen. Er sei aber immer erreichbar gewesen und sei immer vor Ort gewesen, habe quasi dort gewohnt, sagte Linnertz.

Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Kreisverwaltung seien kurz nach der Flut nicht mehr einsatzfähig gewesen, hatte zuvor ein Mitarbeiter des ADD-Katastrophenschutzes vor dem Ausschuss erklärt. „Wir mussten ad hoc übernehmen.“ Die SPD sprang der ADD zur Seite: „Dass nach einer Katastrophe dieses Ausmaßes in der Bewältigung nicht alles nach Lehrbuch laufen kann, wurde heute wie bereits von anderen Experten nachvollziehbar geschildert“, sagte SPD-Obmann Nico Steinbach.

Die oppositionelle CDU sieht das anders: „Die ADD war nicht in der Lage einen Einsatz in dieser Größenordnung zu führen, weil sie nicht vorbereitet war“, sagte Dirk Herber, Obmann der Fraktion im Ausschuss, kürzlich unserer Zeitung. „Die Strukturen waren zu verwaltungsmäßig aufgebaut, als dass es operativ etwas genutzt hätte“

Die Aussagen der sechs geladenen ADD-Zeugen von Freitag sollen eine Grundlage für das Gutachten zum Krisenmanagement der Trierer ADD sein. Dabei geht es um Maßnahmen der Behörde in den ersten drei Wochen nach der Flutnacht, nachdem die Landesbehörde am 17. Juli die Einsatzleitung übernommen hatte. Das Gutachten soll bei der nächsten Sitzung des Ausschusses am 24. März vorgelegt werden, wie der Vorsitzende des Gremiums, Martin Haller (SPD), am Freitag mitteilte.

Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 waren mindestens 135 Menschen im nördlichen Rheinland-Pfalz ums Leben gekommen, darunter 134 im Ahrtal. 766 Menschen wurden verletzt.