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Trier: Bistum feuerte lesbische Lehrerin, jetzt soll sie zurückkehren

Katholische Kirche : Wie das Bistum Trier eine lesbische Lehrerin feuerte - aber jetzt wiedergewinnen will

Vor zwei Jahrzehnten entzog der Trierer Bischof einer Religionslehrerin die Lehrerlaubnis, weil sie sich outete. Inzwischen ist das Bistum anderer Meinung. Aber die Lehrerin will die Missio nicht mehr zurück.

Als Bianka Hering kurz vor den Sommerferien einen Brief aus dem Generalvikariat bekam, rieb sich die Trierer Gymnasiallehrerin nach eigenen Angaben verdutzt die Augen. Konnte der Inhalt des Schreibens wirklich ernst gemeint sein? Wenn sie einverstanden sei, stand da zu lesen, würde man ihr gerne wieder die kirchliche Lehrerlaubnis zurückgeben. Dann könnte die am Humboldt-Gymnasium (und am Trierer Studienseminar) lehrende Pädagogin auch wieder als Religionslehrerin eingesetzt werden.

Bianka Hering hat sich vor 20 Jahren in Trier geoutet, dann entzog ihr das Bistum die Lehrerlaubnis für Religion

Religionslehrerin? – Diesen Job ist Hering seit inzwischen fast 20 Jahren los. Seinerzeit wurde der Sport-, Kunst- und Religionslehrerin am damals noch Hindenburg-Gymnasium heißenden „HGT“ die offiziell Missio Canonica heißende Lehrerlaubnis entzogen. Bianka Hering hatte sich zuvor offen zu ihrer Homosexualität bekannt. Mehr noch: Die seinerzeit 33-jährige Pädagogin gestand in einem Brief an den damaligen Trierer Bischof Reinhard Marx freimütig ein, ihre Freundin geheiratet zu haben. Eingetragene Lebenspartnerschaft nannte man das im Jahr 2003.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Statt eines Glückwunschschreibens des Bischofs folgte die Einbestellung Herings ins Generalvikariat. Dort teilte der Chef der Schulabteilung der frisch vermählten Lehrerin kurz und bündig mit, dass sie ab dem kommenden Schuljahr keinen Religionsunterricht mehr erteilen dürfe.

Weil Kollegen von Hering ahnten, dass das offene Bekenntnis Folgen haben würde, hatten sie der Freundin abgeraten, das Bistum über die Hochzeit zu informieren. Und auch Bianka Hering selbst wusste, „dass es eng wird“, wie sie damals unserer Redaktion sagte. „Aber für mich ist Transparenz etwas Selbstverständliches. Andernfalls wäre ich doch zur Lüge gezwungen worden“, schilderte die damals 33-Jährige ihre Beweggründe.

Es kam, wie es kommen musste. Daran änderte auch eine Unterschriftensammlung von Schülerinnen und Schülern nichts mehr, die dem Generalvikariat übergeben wurde. „Wir waren wirklich schockiert über die Reaktion des Bistums“, meinte damals eine der Initiatorinnen.

Bianka Hering machte das Beste aus der nicht mehr vorhandenen kirchlichen Lehrerlaubnis. Sie studierte neben ihrem Job als Gymnasiallehrerin Philosophie und Kunst, ist immer noch am HGT und dort inzwischen Fachleiterin Berufspraxis und Philosophie/Ethik. Daneben bildet die heute 53-Jährige noch Referendare für das Lehramt an Gymnasien aus.

„Ich möchte das Fach Religion nicht mehr unterrichten, es ist mir einfach zu eng.“

Unterrichtet sie demnächst denn auch wieder Religion, wo ihr das Bistum doch jetzt – 19 Jahre nach der Aberkennung – die Missio wieder angeboten hat? „Es ist, als wolle man mir eine Wohnung in einem (ungelüfteten) Haus anbieten, wo ich doch inzwischen in einem ganz anderen Land wohne“, sagt Hering. „Ich möchte das Fach Religion nicht mehr unterrichten, es ist mir einfach zu eng.“

Die Geste der Rückgabe, wie Bianka Hering das vor den Sommerferien überraschend eingetrudelte Angebot des Bistums nennt, komme für sie anderthalb Jahrzehnte zu spät. Trotzdem hat sich die Gymnasiallehrerin vor einiger Zeit noch einmal mit einem Vertreter des Generalvikariats getroffen und ausgesprochen. „Es war ein offenes, wirklich zugewandtes Gespräch“, sagt Hering rückblickend.

Und trotzdem hat sie ihre Meinung anschließend nicht mehr geändert. Für sie ist das Kapitel Religionsunterricht ein- für allemal beendet. Bianka Hering möchte die Lehrerlaubnis nicht mehr zurück haben. Und bei genauerer Prüfung würde sie sie vermutlich – trotz des Angebots – auch gar nicht mehr bekommen. Denn sie ist schon vor vielen Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten. „Nicht unmittelbar nach dem Entzug der Missio, erst ein paar Jahre später. Es war ein Prozess“, sagt Bianka Hering rückblickend.

Uns was sagt das Bistum? Darf jemand katholische Religion unterrichten, der aus der Kirche ist? Die Antwort aus der bischöflichen Verwaltung ist ziemlich eindeutig: Dies wäre „grundsätzlich auch nach der neuen Grundordnung ein Kündigungsgrund“.